Mittwoch, 6. April 2016

Schwefeltage


Es gibt diese Tage an denen hilft kein Augen zu und mal tief durchatmen. Es gibt diese Tage da sollte man im Bett bleiben, Decke über dem Kopf, nichts sehen, nichts hören, nichts denken. Aber es hilft nichts. Es gibt diese Tage, an denen riechen meine Gedanken nach faulen Eiern, Schwefel, da raucht mein Kopf und glühen meine Augen. Tage an denen alle Meditation, Gedankenkontrolle und nichts mehr hilft. An diesen Tagen kann ich sie nicht ertragen, die Menschen.


 Menschen, die morgens um 6:30h in der Bahn laut telefonieren. Menschen die einem die Taschen um die Ohren schleudern. Menschen, die an Nadelörstellen auf Wegen stehenbleiben. Die zu dritt über den Weg schlendern, wo kaum Platz für zwei nebeneinander ist. Menschen, die einem den Einkaufswagen in die Hacken rammen. Menschen, die mit dem Smartphone am Ohr neben der Kinderkarre telefonieren und das Kind in der Karre plärrt wie am Spieß. Menschen die Sätze sagen wie "Kannst du mal kurz...?", "Mach das mal bitte bis gestern.". Menschen, die jeden Satz mit "Ich" anfangen. Menschen, die sich Vordrängeln. Menschen, die auf dem Trödel breit vor einem Stand stehen und auf dem Smartphone nachschauen, was das Objekt der Begierde online kostet. Menschen, die ihren Müll fallen lassen, wo sie stehen. Menschen die einen von oben bis unten mustern und dabei die Augenbrauen hochziehen. Menschen die riechen, als hätten sie einmal in allem, was die Parfumerie hergibt gebadet. Menschen, die sich auf Konzerten unterhalten, während die Band spielt. Menschen, die so betrunken sind, dass sie nicht mehr geradeaus gehen können. Menschen, die Fleisch essen. Menschen, die sich beim Einfahren der Bahn, direkt vor den Türen platzieren, so dass kein Aussteigen mehr möglich ist.


 Ich bin immer sehr froh, wenn Tage mit solch empfindlicher Wahrnehmung meinerseits vorbei sind, ich mich in meine Kissen wühlen und das Gehirn ausschalten kann. Ich bin keine Menschenfeindin. Zumindest nicht dauerhaft. Eher so temporär. Und manchmal muss das raus. Danke Internet und Blog, dass ich das hier auch mal rauslassen darf. Was die Bilder dazu sollen? Tunneldenken, Baustellenlärm und graue Gebäude tragen an Schwefeltagen nicht gerade zur Erleichterung bei. und bald gibt es auch wieder etwas nettes hier. Versprochen.

Kommentare:

  1. Oja, diese Schwefeltage kenne ich auch, und ich finde das Wort Schwefeltage besonders passend für solche lästigen Tage. DA werde ich auch zum Misanthrop und würde mich gerne einfach nur in vier Wänden verbunkern. Ich drücke dich und wünsche dir ganz bald wieder andere Tage. Die besseren.
    LG. Susanne

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  2. Ach, liebe Jule!
    Solche Tage, solche Gedanken, solche Sicht auf die Menschen kenne ich nur zu gut. Und irgendwie muss es die auch geben, leider. Ich finde es richtig, dass Du dich über die Dinge aufregst, die Du da oben aufzählst. Sie sind es wert, dass sich jemand darüber aufregt, denn sie sollten anders sein. Und ich habe ja gerade gelernt, dass Aggression eine vorantreibende Kraft ist. ;D
    Aber leider ist die Menschheit eine Rasse, die nicht über Schwarmintelligenz, sondern Schwarmdummheit verfügt - und somit habe ich das Gefühl, dass eine Veränderung zum Besseren immer im Kleinen, im Einzelkontakt, in Mini-Schritten stattfindet. Das zerrt an den Kräften, ganz klar! Aber es gibt sie, die kleinen Lichtblicke.
    Also: Halte durch! Kämpfe weiter! Du machst alles richtig!
    Liebe Grüße
    Antje

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    1. schwarmdummheit. auch ein sehr feines wort. wird in meinen wortschatz mit aufgenommen. danke, nicht nur dafür.
      liebst,
      jule*

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  3. Schwefeltage ... ein gutes Wort ... bitternötig diese Tage ... sonnst stumpft alles ab ... desterwegen ganz viel Kraft Frau Jule...diese gescheit zu überstehen. Ich kann dein Wortwerk gut leiden.
    Doreen.

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    1. ja, du hast recht. sie lassen einen fühlen, dass da noch ein herz ist, das sich kränken lässt.
      liebe grüße,
      jule*

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  4. Ja, sie sind leider an grauen Tagen vermehrt vorhanden, die "Schwefeltage", wenn die Sonne rauskommt, geht's meistens besser. Bei mir fängt so ein Tag meistens dann an, wenn ich morgens schon beim Kinder-zur-Bahn-bringen an Kotzlachen vorbei muss. Deshalb heißen sie bei mir eben auch Kotz-Tage... Auskotzen über solche Tage hilft defintiv! LG mila

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    1. ohje. straßenbelagpizza gibt es in hamburg jeden tag. da bin ich schon total abgestumpft... wobei die straßenkotze in hamburg auch immer die möwen anzieht und möwen mag ich ja... wo schatten, da auch sonne.
      liebe grüße,
      jule*

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  5. Hallo Jule

    Auch ich kenne das ,wennd ie Menschen im Bus od rin der Bah einfach zu nah sind,wenn sie dann noch nach Parfüm riechen weiß ich nie ob ich dankbar sein soll oder nicht.Auch ich rege mich regelmässig über die Kombi Mütter,Kinder und Handy am Ohr auf ,oder auch gerne über die Kombi Hundebesitzer ,Hund und Handy .Ebenso kommt mir dieses ,ich bleib einfach mal im Weg stehen oder ich mach keine Platz bis du vors auto springst auch sehr bekannt vor.Und wie Du so Schön schreibst ,da gibt es kein Augen zu und durch ,sondern nur Tür auf und Tür zu ,von innen .Ich finde es schön ,das es einen Menschen gibt ,de anscheinend ähnlich empfindlich reagiert wie ich ,dann fühle ich mich schon mal ein bisschen weniger allein
    LG Kerstin

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