Dienstag, 15. Oktober 2019

Glückshose für den Safe Space


 Ich hatte mich ja irgendwann im vergangenen Jahr wieder vorsichtig an Hosen herangetastet. Zwei Hosen second hand in Göteborg erstanden. Irgendwann im Frühling hatte ich dann diese Idee von einer kurzen Hose. So für die wärmeren Tage. Leider fiel mir keine vor die Füße. Auch keine lange, die ich hätte kürzen können. So richtig Klamotten kaufen, neu in der Stadt/einem Neuwarenladen ist bei mir immer noch nicht angesagt. Ist ja auch Quatsch und macht mir keinen Spaß.


 Wie gut, dass es in der Stadt ausreichend Möglichkeiten gibt, sich durch Tauschhäuser und Verschenkeregale zu wühlen. Da fiel mir auf dem Weg in den Garten vor einigen Wochen dieses gute Hosenstück in die Hände. Leider habe ich es versäumt, ein Vorherbild zu schießen. Die Hose an sich war schon ziemlich angerockt. Diverse Löcher hatte irgendwer da schon so irgendwie geflickt und eigentlich hatte sie einen sehr hellblauen, gebleichten Farbton. 


 Aber ich werkele ja so gerne und so hatte ich ein flottes Projekt. Ein bisschen was zum schwarz färben hatte ich eh noch rumfliegen, also durfte die Hose gleich mal mit rein ins Farbbad. Danach habe ich die alten Stopfungen wieder aufgemacht und neu geflickt. Mit dem Glücksstoff und einem Patch. Die Herzstickerei zu Stopfungszwecken verschwindet leider ein bisschen sehr unter dem Gürtel, ist jetzt aber auch nicht so schlimm. Dass die Hosenbeine unterschiedlich lang sind, fiel mir auch erst beim Bearbeiten dieser Bilder auf. Drauf geschissen. Das trage ich jetzt so und vielleicht wird das dann der neueste Trend.


 Der "Love Football- Hate Racism" Patch war ein Mitbringsel vom RUHRPOTT RODEO. Passenderweise braun-weiß. Natürlich ist das hier meine neue Fußballguckhose. Hat auch schon Glück gebracht. Der Antirassismuspatch passt zum FC St. Pauli ja grundsätzlich auch ganz gut. Rassismus ist mir allerdings zu kurz gegriffen. Es ist eine Unterkategorie des Faschismus. Profis denken da immer gleich intersektional (heißt verschiedene Merkmale beachten, die zu Diskriminierung führen können). Das gilt zum Glück auch für die meisten Menschen, die dem FC St. Pauli so anhängen. Rassistische, sexistische, homophobe oder behindertenfeindliche Äußerungen werden da nicht geduldet. Auch nicht zum Spaß und auch nicht "ist ja nicht ernst gemeint". Das darf mensch da gerne öfter erleben, wenn sich irgendwer im Ton vergreift und gleich von mehreren Seiten die Erziehungsmethodik ausgepackt wird. Das sind auch so Kleinigkeiten, wie dass die Kerle auch bei wärmeren Temperaturen nicht oberkörperfrei auf den Rängen oder auf den Zäunen agieren. Ich nenne das solidarisch.


 Ich hatte diese Hose das erste Mal beim Lokalderby an. Da hat sie schon irre viel Glück gebracht. Sogar schon vor dem Spiel. Es war wahrhaftig voll im Stadion. Ich kannte die Gesichter der umstehenden Menschen schon. Fußballbekanntschaften. Grundsätzlich sind im Stadion auch immer eine Menge Frauen*, aber um mich rum standen nur Männer*. Beim Lokalderby kam es mir dann doch noch eine Ecke kuscheliger vor als sonst. Nichts ungewöhnliches. Sehr begrüßt habe ich allerdings die etwas verschämte Vorentschuldigung meiner Nebenmänner*, dass es sein könnte, dass sie mich heute an Körperstellen berühren, an denen sie das sonst nicht einfach so machen würden, es aber heute extrem eng sei und sie sich dafür schonmal im Vorfeld entschuldigen würden und dass dahinter keine böse Absicht stünde. Nahm ich ihnen voll ab und feierte sie dafür offen ab. So geht das nämlich. Könnten sich ein paar Menschen gerne mal eine Scheibe von abschneiden. Und leider muss ich sagen, dass genau wegen solcherlei Begegnungen, das Millerntorstadion zu einem der letzten Safe Spaces dieser Stadt geworden ist. Ich hoffe das bleibt so. Ich möchte jetzt nicht sagen, dass es egal ist, was auf dem Platz passiert, aber alleine für die Momente Spaß und Durchatmen ohne Angst vor dem nächsten dummen Spruch zu haben und mich im Zweifel auf die Solidarität der Umstehenden verlassen zu können, wird dafür sorgen, dass ich da wohl auch weiterhin noch sehr viel Zeit verbringen werde. (Dieser Umstand ist leider auch nicht in allen Ecken des Millerntor anzutreffen, aber dazu ein anderes Mal) Die antifaschistische Glückshose wird jetzt jedenfalls öfter im Stadion getragen. Die bringt nämlich wirklich Glück, nicht nur mir. Das Flickenwerk darf heute in die Dienstagssammlung. Gegen diskriminiernde -ism immer und überall!

Montag, 14. Oktober 2019

Runde um den Block # 1. 19


 Mutiert wohl zum Fotoblog hier. Egal. Ich hab Bock und nur noch die Festbrennweite drauf. Runde um den Block wird dann vielleicht eine neue Serie. Weil´s hier halt auch schön ist. und ich viel rumlaufe. Auch um den Blog... äh... Block. "Den Schweinehund Gassi führen" wäre eine gute Alternativüberschrift.














Sonntag, 13. Oktober 2019

7 Sachen # 30. 19

 Immer wieder Meistens Sonntags... 7 Bilder von Sachen, für die ich an diesem Tag meine Hände gebraucht habe. Ob für 5 Minuten oder 5 Stunden ist unwichtig. Nach einer Idee von Frau Liebe


1. Geblickt: Tiiiiieeeef in die Teetasse, nachdem ich meine persönliche Bestzeit beim wochenendlichen Morgenlauf ganz entspannt übertroffen hatte.


2. Gezogen: Grauschwarz an. Sah so aus, als würde der Tag heute wieder so ein Trübetassentag wie gestern werden. Mir ist nicht so recht nach Buntness.


3. Geschnippelt: Stoffe zu. Da dachte sich der Tag wohl, meine Vorverurteilung war zu schnell und schickte doch noch die Sonne hinter der Wolken hervor.


4. Getrennt: Eine Naht auf.


5. Genäht: Eine andere Naht zu.


6. Gekocht: Immerhin bleibt es wenigstens in der Schüssel bunt.


7. Gestrickt: Nächste Maschenprobe. Bald habe ich die Schnauze voll. Entweder stricke ich kacke oder rechne kacke. Warum passt das nie?!?! Wo sind die Strickprofis? Ich habe gerade so einen leichten Handarbeitsfrust.... Hmpf!

 Die wichtigen Worte zum Sonntag: Bleibt auf jeden Fall gesund! Helft einander, nehmt Hilfe an, wenn ihr sie braucht, seid dankbar, arbeitet an eurer Selbstfürsorge, nehmt euch Zeit, redet miteinander und hört einander zu, passt auf euch und andere auf, seid freundlich, wertschätzend, ehrlich, geduldig und zuverlässig. Bleibt antifaschistisch! Habt eine gute Woche! Könnte mal wieder sonniger werden hier im Norden.

Samstag, 12. Oktober 2019

12 von 12 im Oktober 2019

 Heute ist der 12te also gibt es heute wieder 12 von 12. Worum es dabei geht, könnt ihr bei Caro von Draußen nur Kännchen! nachlesen und zwar genau hier


1. Das sollte ein Trübetassentag werden. Das sah schon beim ersten Blick aus dem Fenster so aus, auch wenn es da noch dunkel war. Erster Kaffee und ein paar Seiten in dem großartigen Roman.


2. Skandinavisches Frühstück mit letztem Polarbröd, Pflaumenmarmelade aus dem Hardangerfjord und Moltebeerenmarmelade. Resturlaub für den Gaumen.


3. Beim Frühstück alte Handarbeitsbücher auf der Suche nach was gewälzt. "Das gute alte Zwiebelmuster" wird es nicht. In dem anderen Buch gibt es den "guten alten Norwegerpullover". Gut weil alt oder alt weil gut? (Ich suche übrigens noch die Bände 2, 4 und 5- falls das irgendwer irgendwo loswerden will, gerne melden)


4. Türkise Fliesen mit gelben Tagresten auf dem Weg durch den Nieselregen.


5. Garten trostlos. Der Wind der letzten Tage hat die letzten Äpfel vom Baum geschüttelt. Leider sind die alle auf die Steine geknallt und geplatzt... Die dürfen die Gartenzwerge nach den Ferien für den Kompost einsammlen. Das musste ich mir heute im Regen nicht geben.


6. Eine Zuchini habe ich im Garten noch erbeuten können. Den Rest lud ich auf dem Markt nach. Regenjacken, Gummistiefel und Blümchenhosen.


7. Aus der Rocktasche kam heute ganz viel Emomusik zwischen meine Ohren. Auf dem Markt sprachen mich ein paar Marktfrauen auf meinen Kothenrock an und wollten auch so einen haben. Sie waren voll aus dem Häuschen und schwer begeistert. Sowas ist mir schon lange nicht mehr passiert. Und jedes Mal freue ich mich darüber. Ich hatte ihn heute nur angezogen, weil der so ein bisschen Wasserabweisend ist. Habe aber keine Auftragsarbeiten angenommen.


8. Wenn man die nassen Klamotten gegen geringelte austauscht, hat man sich dann trockengeringelt?


9. Mir selbst geschenkte Blumen neben das Sofa gestellt.


10. Danach mir selbst geschenkte neue Musik aufgelegt. Noch mehr so Emomusik. Irre gut! Sie sollten Taschentuchboxen mit solchen Platten verkaufen."Immer wenn ich an dich denke, dann stirbt etwas in mir..." MARGH!!!!


11. Wenn schon Emo, dann kann mensch auch mal was kaputt machen. Zum Beispiel gestern Gestricktes, das trotz Maschenprobe dann doch nicht passte. Der Wolle mal Locken machen....


12. So viel Lob ich für den Rock auch bekommen habe, so musste ich doch auch da nochmal ran. Er passte nämlich auch nicht mehr so recht. Mal wieder zu groß geworden. Also Knöpfe versetzen. Das sind doch so "Probleme", bei denen es gut ist, dass man für ihre Lösung nur eine Schere, Nadel und Faden braucht.

 Jetzt noch nachsehen, was die anderen so bei Caro hinterlassen haben. Dann einfach weiter auf dem Sofa eingemuggelt bleiben. Das da draußen hat doch keinen Sinn. Pfui!

Freitag, 11. Oktober 2019

Nordwärts # 1. 2019


 Bin wieder da. War mal wieder auf Tour. Nicht alleine, natürlich im Norden und es war wunderschön. Ich wollte da -wie immer- gar nicht wieder wirklich weg. Nicht zurück in die Realität, nicht zurück zu diesen Nachrichten und den Umständen, nicht zurück in diese laute Stadt Hamburg (auch wenn ich sie sehr lieb habe). 


 Mit der fabelhaften Antje war ich auf Tour im Norden. Die Bilder hier sind bei einem Zwischenstopp in Aalborg entstanden. Da waren wir mit einer weiteren Mitfahrerin noch zu dritt auf dem Weg nach Hirtshals. Antje nannte das so schön "der Klöppelclub HaSchaWi macht einen Ausflug". Zwei strickten, eine fuhr. Multitasking war da allerdings nicht angesagt. Der Sicherheit wegen.


  Das doofe am Reisen in den Norden ist, dass man da meistens irgendwie durch Dänemark muss und Dänemark ist grundsätzlich ja eher absolut unaufregend. Für total langweilige, aber erholsame Urlaube sicherlich top, ansonsten aber nur im Weg. Der Zwischenstopp wurde auch nur eingelegt, weil noch Zeit war und wir Kaffee und Kuchen tanken mussten. Ansonsten hat es geregnet und die Stadt war grau.


 Aus Versehen stolperten wir aber vom Regen von der Straße vertrieben ins richtige Café, hatten unfassbar großartigen veganen, glutenfreien und "normalen" Kuchen, Kaffee und Tee. Immerhin etwas. Schnell ging es danach weiter und in den nächsten Wochen gibt es hier wieder ordentlich und spammäßig bildgewaltige Beiträge aus dem höheren Norden. Reisen muss der Mensch, weil das Leben manchmal aus dem Kopf raus muss.

Mittwoch, 2. Oktober 2019

Gemusterte Beinkleider


 Neue Beinkleider brauchte ich. Leggins trage ich wirklich viel. Als überzeugte Rockträgerin braucht es im Norden doch eher mal was Wärmendes um die Beine. Feinstrumpfhosen schredder ich immer so schnell, weil ich ständig irgendwo hängen bleibe oder sonstwas.


 Leggins hingegen kann ich nie genug haben. Und nach Jahren der einfarbigen haben sich in den letzten Monaten auch mal ein paar gemusterte in meinen Schrank geschlichen. 


 Nähen tue ich die seit Jahren nach einem Freebook, an dem ich mittlerweile gefühlte 39873 Änderungen vorgenommen habe, damit der ganze Spaß mir so sitzt, wie ich das mag.


 Früher wurde mir ja oft gesagt, mit meinen X-Beinen/Stampfwaden solle ich es tunlichst lassen, kurze Röcke und enge Hosen zu tragen. Seit Jahren pfeife ich da ganz deutlich drauf. Ich mag die Bewegungsfreiheit, die mir Leggins bieten. Die Wärme und das äußerst angenehme Tragegefühl. Auch den wilden Mustermix, den ich zeitweise an den Tag lege, lasse ich mir nicht madig reden. Leo und Streifen? Bitte gerne, wo habe ich noch was gepunktetes? Hauptsache ICH fühle mich darin wohl.


 Natürlich habe ich auch Tage, an denen ich mich mal so eintönig anziehe und nicht auffallen mag. So zum Verkriechen, wenn die Welt mich mal wieder nervt oder ich keine Lust auf Kommentare habe oder einfach nur so. Aber dafür habe ich auch Leggins im Schrank. Einfarbig. Für gute oder wilde Tage sind Streifen und Leo. Aber das ist mein Körper und mein Geist den ich in Klamotten hülle und da hat mir niemand reinzureden. Und erschreckend die Endbemerkung: Das ist für die meisten Menschen keine Selbstverständlichkeit. Vor allem nicht, dass Menschen sich in ihrem Körper in ihren Klamotten wohlfühlen. Da geht ja eine ganze Industrie zu Grunde, wenn das alle täten... Monatliche Mittwochssammlung heute.