Dienstag, 11. August 2020

Balkonkästen und Verwandlung

 Heute geht es auf den Balkon. War das Monsterprojekt, dass ich nach fast sieben Jahren Gärzeit endlich mal umgesetzt habe. Bilder zu machen fiel mir nicht so leicht. Aber vielleicht "erkennt" ihr es ja trotzdem. Ich habe sogar Vorherbilder. Mit denen fange ich an. Einfach mal so in einer Reihe, wie es auf meinem Balkon ungefähr aussah, seit ich in diese Wohnung eingezogen bin.


 Viel Platz für Blumen, aber so richtig schön finde ich ja anders. Also ran da. Ohne Hilfe. Selber machen. Alleine machen. 
 
 


  Ich habe diese Hochbeetblumenkastendinger gebaut. Aus Holz. Angestrichen, mit Teichfolie ausgekleidet, eine Drainage reingelegt und Erde draufgeschüttet. Alte Pflanzen im Garten ausgesetzt, neue von dort mitgebracht, neue gekauft. Hauptsächlich Stauden. Pflegeleicht. Ein bisschen Chaos ist da immer noch, aber das ist dann eben so. Die Kästen sind auf jeden Fall unfassbar stabil. Grundsätzlich ist jetzt eigentlich noch mehr Platz da für Bienenfutter.

 Die hinteren Beine der Beetkästen sind so hoch, dass ich mein Sonnensegel daran aufhängen kann. Auch das ist selbstgemacht. Das habe ich schon länger. Ein neues hätte ich gerne noch. Aber das kommt dann nächsten Sommer.



 

 Die neue Beflanzung zieht jede Menge Hummeln, Bienen und Wespenarten an. Ich bin nie alleine auf dem Balkon. Die solidarische Hummeltränke ist natürlich auch wieder aufgestellt. Ein neuer Satz Balkonmöbel fehlt noch. Immerhin der erste Stuhl ist schonmal da. Mehr brauche ich für den Anfang nicht. Da das ein Alleinprojekt war, reicht es erstmal, wenn ich da sitzen kann. Der Rest wird mich auch noch finden. 

 Ich kann es da jetzt jedenfalls sehr gut aushalten. Und alles selbst gemacht. Allein gemacht. Geht doch, auch wenn es schön wäre, wenn es anders gelaufen wäre. Dienstagssammlung.



Montag, 10. August 2020

Um Hilfe bitten

 Mir wird oft gesagt, ich solle mal lernen, um Hilfe zu bitten. Bzw. lernen, Hilfe anzunehmen. Richtig. Auf mehreren Ebenen. Um Hilfe zu bitten ist längst nicht Schwäche. Um Hilfe bitten ist nicht hilflos sein. Um Hilfe bitten ist schlicht und einfach in Ordnung. 

 Aber was tun, wenn niemand da ist, der einem Helfen kann. Total banal aber handfest hatte ich da neulich dieses Großprojekt, was ich fast sieben (!!!) Jahre nach dem ersten Hirngespinst endlich in die Tat umgesetzt und vollendet hatte. Es sollte etwas für mich werden. Es war nichts, von dem ich dachte, dass ich es alleine nicht hinbekomme. Aber ich wollte es einfach nicht alleine machen. Es würde schwer werden alleine. Es würde anstrengend werden alleine und im Zweifel würde auch Blut fließen. Ich habe in den letzten sieben Jahren diverse Menschen um Hilfe dabei gebeten. Zum einen eben aufgrund des Respektes vor dem Projekt. Zum anderen weiß ich, dass es Menschen waren, denen werken mit Holz und "schwerem" Gerät leichter fällt als mir und die dabei vielleicht sogar noch Spaß haben könnten, bzw. ein bisschen Selbstwirksamkeit erleben können. Und eine Hilfe sein können. Nö, war keiner bereit zu.

 Am Ende habe ich es alleine geschafft. Es ist vollbracht. Es fiel mir schwer, es war anstrengend und das Blut floss wenigstens unterhalb meiner Haut und wurde zu diesen schönen blauen Flecken auf den Schultern, als ich das Material aus dem Baumarkt nach Hause karrte (ohne Auto in fünf Gängen). Natürlich freue ich mich darüber, dass ich es alleine geschafft habe und es schwingt auch Stolz dabei mit, aber irgendwie halt doch auch ein bisschen Traurigkeit. Ich hätte dieses Projekt gerne mit einem netten Menschen verbunden. So bleibt auch dieses eben meines alleine. Es fällt mir schwer um Hilfe zu bitten und diese anzunehmen. Es wird nun auch wieder ein Kampf werden, dass dieses Projekt kein Zeichen dafür wird, dass einem eh niemand hilft und man eben doch alles alleine schaffen muss. Zu wünschen wäre es mir. Was es wurde, zeige ich noch.

Sonntag, 9. August 2020

7 Sachen # 26. 2020

  Immer wieder Meistens Sonntags... 7 Bilder von Sachen, für die ich an diesem Tag meine Hände gebraucht habe. Ob für 5 Minuten oder 5 Stunden ist unwichtig. Nach einer Idee von Frau Liebe.

1. Gesammelt: Brombeeren. Mit Schweiß und Brenngenessel und Blut. Und Zecken und Bremsen. Morgens im Wald, die Joggenden erschreckt. Die angestrebten zwei Kilo habe ich auf den Punkt gesammelt. Und ich hatte keine Waage mit.
 
 2. Gespült: Nagelneue (!!!) Marmeladengläser. War nen Sonderangebot und praktisch.
3. Geschwungen: Die Waffen einer Frau und ihr Supercape. Nicht. Eigentlich war mir beim Marmeladekochen zwischenzeitlich nur langweilig und ich hab Blödsinn mit der Kamera gemacht.
4. Gezogen: Zwei Zuchinikuchen aus dem ROAR. Keine Ahnung wie die da reingekommen sind. Vermutlich habe ich gestern Abend beim Gießen im Garten noch ein paar Zuchini gefunden, die nicht noch größer werden sollten. Bekommen die Kollegas morgen wohl zum Fraß vorgeworfen. Rezept gibts nach erfolgreich abgeschlossener Experimentierphase demnächst hier. 
5. Gefüllt: Klopapier auf. Wer kochen und futtern kann, der muss auch ka****.... [Werbung: unbeauftrag, unbezahlt, weils geils.] 
6. Geknuspert: Wenn viele US-amerikanische Einwandernde aus Schweden kamen, ist das Knäckebrot mit dem Loch in der Mitte dann der Ursprung des Bagels? Quasi sein vertrockneter, älterer Vorfahr? (Ich bin zu faul das zu recherchieren, aber das ging mir beim Knuspern so durch den Kopf)
 7. Geschlagen: Ein neues Buch auf. So.

  Die wichtigen Worte zum Sonntag: Bleibt auf jeden Fall gesund! Helft einander, nehmt Hilfe an, wenn ihr sie braucht, seid dankbar, arbeitet an eurer Selbstfürsorge, nehmt euch Zeit, redet miteinander und hört einander zu, passt auf euch und andere auf, seid einfach da, seid freundlich, wertschätzend, ehrlich, geduldig und zuverlässig. Bewahrt Ruhe! Bleibt antifaschistisch! Habt eine gute Woche!

Samstag, 8. August 2020

Samstagskaffee und Netzfunde # 25. 2020

Hallo Hitze. War ja klar, dass der Sommer kommt, wenn die Ferien vorbei sind. Schade. Das hätte ich in den letzten Wochen gut gebrauchen könne, nicht jetzt. Schule ist also wieder losgegangen. Vermutlich haben die Ferienendpanik und die ersten Arbeitstags dazu geführt, dass es hier so ruhig war. In der Schule jedenfalls alles wieder normal. What the fuck is Corona? Mit 28 + X Menschen in einem Raum, Masken dürfen hier im Sitzen abgenommen werden. Unter der Hand bereiten wir die Kids eigentlich nur auf die nächste Runde Homeschooling vor. Versprochene Masken und digitale Endgeräte sind allerdings noch nicht da und es wird immer davon gesprochen, dass man ja "nachsteuern könne". Was auch immer damit gemeint ist. Na gut. Machen wir halt mal und sehen, was da passiert. Um mich mache ich mir keine Sorgen, lediglich darum, dass ich was weitergebe, was niemand haben möchte. Da habe ich schon fast ein schlechtes Gewissen, mich mit Menschen außerhalb des Schulkontextes zu treffen...
 Netzfunde:
 
 Was geht eigentlich in Amerika? Straßenkrieg, Angriffe auf linke Strukturen und massiv sichtbare Kriminalisierung dieser. Bitte lass diesen Trend in diesem Ausmaß nicht zu uns schwappen.
 

 Burnout vom politischen Aktivismus. Oh ja, da muss man echt vorsichtig sein. Mich hat es schon so oft dazu gezwungen, die Dinge zu beenden oder Ruhen zu lassen.

 Das Problem mit dem Tiny Housetrend. So ähnlich wie das mit der Laubenliebe... Schwierig. Aufmerksam sein.

 Kleiner Datingguide für Kerle*. Danke Lina dafür. Alle Männlichkeiten bitte mal lesen. Los!
 
 Kleiner Edit: Schon wieder vergessen meinen liebsten Schuljahresstartsong zu verlinken: "Back To School" von den fantastischen DEFTONES. Wie gut, dass das mit dem Horrortrip an meiner aktuellen Schule nicht mehr existent ist.
 
 Den Samstagskaffee gibt es heute in der kalten Version. Alles anderen wäre Wahnsinn. Dazu ein beeriges Frühstück, denn ich nutze die Saison gerne. Ich bewahre dann den restlichen Tag mal Ruhe. Ich darf mich heute treiben lassen, habe nichts auf dem Zettel. Vielleicht kann ich mal den Blogpostvorratsschrank auffüllen. Vielleicht. Bei Andrea geht es noch vorbei. Habt ein charmantes Wochenende. 
 

Sonntag, 2. August 2020

7 Sachen # 25. 2020

 Immer wieder Meistens Sonntags... 7 Bilder von Sachen, für die ich an diesem Tag meine Hände gebraucht habe. Ob für 5 Minuten oder 5 Stunden ist unwichtig. Nach einer Idee von Frau Liebe.


1. Gefunden: Schätze in den Tauschhäusern. Drei (!!!) lagen heute auf meiner Morgenrunde. Ach und Marry Poppins. Direkt der zweite Song von der Mutter so gut, so stark, so feministisch. Doch am Ende bindet sie im Film die Sufragettenscherpe doch an den Drachen, um eine bessere Mutter zu werden. Margh!


2. Genäht: Tatsächlich was für mich. Das sollte ich echt öfter tun. Manchmal brauche ich doch was.


3. Geklebt: Die Ferien werden im kommenden Schuljahr fliederfarben. In der Hoffnung, dass sie auch so milde werden.


4. Gespült: Den Kalk aus der Espressomaschine. War mal wieder so weit.


5. Gestellt: Neue Farben in die Beerenverpackung. Was halt gerade so da ist und passt. Ich habe was in pink! Mit Glitzer!!! Uiuiuiui!


6. Geschrottet: Offensichtlich bin ich echt eine Pinselmörderin. Warum fransen die nur immer so aus? Tipps anyone? Hilft Pinselseife wirklich?


7. Gesteckt: Das Headset in meine Ohren und viel telefoniert. Voll oldschool und so. Ich liebe telefonieren.


  Die wichtigen Worte zum Sonntag: Bleibt auf jeden Fall gesund! Helft einander, nehmt Hilfe an, wenn ihr sie braucht, seid dankbar, arbeitet an eurer Selbstfürsorge, nehmt euch Zeit, redet miteinander und hört einander zu, passt auf euch und andere auf, seid einfach da, seid freundlich, wertschätzend, ehrlich, geduldig und zuverlässig. Bewahrt Ruhe! Bleibt antifaschistisch! Habt eine gute Woche!

Freitag, 31. Juli 2020

Jedes Böhnchen...




 ... gibt ein Tönchen. Im Garten gibt es Bohnen. Auch da: Ups, wie konnten das so viele werden? Wer hat die da hingesät und warum funktioniert das so gut? Keine Ahnung. Jedenfalls gibt es sie in grün, in weiß und in schwarz. Leider lassen die schwarzen beim Kochen ihre Farbe. Unglaublich lecker sind sie alle. Neulich gab es dann den ersten Bohnensalat. Nicht ansatzweise so gut, wie der meiner Großmutter aber dennoch köstlich.


Bohnensalat für vier oder so

1 kg Buschbohnen
3-4 Schalotten je nach Größe
3 EL Bohnenkraut aus der Tüte oder zwei firsche Zweige
6 EL Essig (ich habe weißen Balsamico genommen, weil der eben da war)
3 EL Olivenöl
Salz

Bohnen waschen, putzen und in Stücke schneiden. In ordentlich gesalzenem Wasser zusammen mit dem Bohnenkraut ca. 20 min kochen. Schalotten fein hacken. Bohnen abgießen, Bohnenkraut dran lassen. Die noch warmen Bohnen mit den Schalotten, Essig und Öl mischen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Am besten wird er, wenn man ihn eine Nacht ziehen lässt (was für sehr viele Gerichte gilt). Mahlzeit!
Pfeffer


Mehr einfache Salate findet ihr hier:



Mittwoch, 29. Juli 2020

Gartenarbeit ist nicht romantisch


 Garten. Dieses Jahr irgendwie so meiner. Immer noch der Schulgarten. Dank Corona und Sommerferien ohne Kids. Alleine bewirtschaftet seit Mitte April. Knapp 100qm. Neun Äcker, ein paar Beete mit Beerensträuchern, einem großen Apfelbaum und zwei Hochbeete. Irgendwie so nebenbei. Irgendwie ein bisschen wahnsinnig. Johannis- und Stachelbeeren sind schon abgeernetet, direkt verspeist oder zu Marmelade verarbeitet. Jetzt geht es langsam ans Gemüse.


 Wenn ich diese ganzen Bilder unter #growyourownfood, #laubenliebe und blabla so in den Netzwerken sehe, überkommt mich teilweise ein aber mulmiges Gefühl. Natürlich ist Gartenarbeit pure Meditation. Frische Luft, frische Erde, körperliche Betätigung, die Dinge wachsen lassen und pflegen, sich um etwas kümmern, ist (fast) wie sich um sich kümmern. Aber genau da kommt dieses Mulmen. Es ist halt auch wieder so eine Privilegiensache. Ich habe das Land, das Wissen und die Zeit. Es ist wieder so ein klassistisches Ding. Ich habe die Zeit für diese Muse. Ich kann Gemüse ziehen, mich um den Garten kümmern, könnte mein Biogemüse aber auch easy im Laden nebenan käuflich erwerben. Auf der anderen Seite auch ein krasser Widerspruch. Meine Großeltern hatten noch selbstverständlich einen großen Gemüseacker hinterm Haus. Dort wuchs, was sie wirklich brauchten, was sie über den Winter brachte. Es wurde eingeweckt, eingekocht und als es dann ging, auch eingefroren. Dazu ein paar Blumen für die Vasen. So ein typisches Arbeiterklassending. 


  Natürlich waren die ersten Schrebergärten in den Städten später für die Menschen der "Arbeiterklasse", die sich keine Häuser mit eigenem Garten leisten konnten. Natürlich wurde das auch genutzt, um eigenes Essen anzubauen, um Geld zu sparen. Logisch. Und nun? Das Bildungsbürgertum krallt sich die Schrebergärten, weil die Altbauwohnung doch irgendwie zu eng ist. #Laubenliebe, #owngrown. Der Pöbel wird vertrieben. Was die können, können wir schon lange. Und das auch noch bio, samenfest, ohne Schneckenkorn. Und bloß nicht so spießig, mit Volksmusik aus dem Dudelradio und irgendeiner Fahne am Mast. In Hamburg sind Schrebergärten ohne Beziehungen nur nach langer Wartezeit zu bekommen.


 Will sagen. Checkt auch hier eure Privilegien. Nutzt nicht den Garten, um euren noblen Stand zu definieren. Nutzt es zur Meditiation, zum Ausgleich. Aber bildet euch nicht ein, ihr könntet euch wirklich so ohne weiteres selbst versorgen und das sei auch noch romantisch. Auch der Lebensmittelindustrie werdet ihr so nur bedingt ein Schnippchen schlagen.


 Gärtnern als Privileg und Sicherung des eigenen gesellschaftlichen Standes in der Stadt. Es ist auch nicht romantisch. Es ist eine verdammte Drecksarbeit. Es ist frustrierend, es stinkt, man stinkt. Ich hab ständig schwarze Füße. Es wird auch keine Laubenliebe geben, weil ein Schulgarten nunmal auch ein Low Budget Projekt ist. Bildung darf halt nix kosten. Die meisten Gerätschaften sind irgendwo zusammengeklaubt, die Schubkarren eigentlich nicht nutzbar, Ernte- und Unkrautkörbe irgendwelche vor dem Abfall geretteten Plastikkörbe. Selbst die gut sichtbaren Pflanzschilder sind aus den Tauschhäusern zusammengesammelt. Für die Kids ist es natürlich super, mal zu sehen, was für eine Scheißarbeit es ist, sein Essen selbst anzubauen. Ich pflege die leise Hoffnung, dass sie somit auch ein wenig Respekt für Natur und Landwirtschaft entwickeln. Zur Gartenwerkstatt kam ich auch nur so aus Versehen. Ich habe das weder ordentlich gelernt, noch studiert. Lediglich eine Fortbildung zur Anzucht habe ich absolviert und ansonsten verlasse ich mich auf meinen grünen Daumen und darauf, dass die dümmsten Gärtnerinnen eben die dicksten Kartoffeln haben. Trial and Error Gärtnern. Erstaunlicherweise funktioniert das mit Ausnahme der Gurken in diesem Jahr sehr gut. So gut, dass auch immer was für meine Nachbarschaft abfällt.

  
 Allerdings muss ich sagen, dass ich selten so unfassbar schmackhafte, leckere Bohnen gegessen habe. Und die Kartoffeln sind auch der Hammer. Vielleicht liegt das auch ein bisschen daran, weil irgendwie doch mein Schweiß und Blut darin steckt.


 Für die Nachbarschaft steht alle paar Tage eine Kiste mit Grünzeug vor meiner Wohnungstür im Hausflur. Sharing is caring. Mahlzeit!