Montag, 14. November 2016

Der inklusive Montag: Touchdown in Bonn


 Der inklusive Montag findet hier mehr oder weniger regelmäßig statt. Hier gebe ich einen kleinen Einblick in die vielseitigen Chancen und Möglichkeiten, die die Inklusion mit sich bringt. Wer nochmal nachlesen möchte, was Inklusion überhaupt bedeutet, kann das hier nochmal tun. Grundsätzlich soll es um die guten Seiten gehen, um das was schon funktioniert und um das wo sich noch etwas ändern muss. Hier soll nicht gemeckert, sondern angepackt und sich gefreut werden. Anzumerken ist zum Schluss, dass ich "nur" eine Seite der Inklusion beleuchten kann, da ich "nur" Sonderpädagogin bin. Aber vielleicht finden sich ein paar Menschen, die gastbloggen möchten. In diesem Falle bitte gerne bei mir melden.

 Thema heute: Touchdown in Bonn


 Ich war schon wieder im Museum. Und schon wieder gibt es einen Museumsbeitrag beim inklusiven Montag. Aber diese Ausstellung war doch einigermaßen großartig. In der Bundeskunsthalle in Bonn findet gerade die Ausstellung "Touchdown" statt. Eine Ausstellung von und mit und über Menschen mit Down- Syndrom.


 Die Ausstellung ist in die Geschichte der Second Mission der Bewohnenden des Planeten kUMUSI eingebunden, die auf der Erde landet und erkunden möchte wie es den Menschen der First Mission mit Down Syndrom auf der Erde ergangen ist. Auf dem Planeten kUMUSI haben alle Bewohnenden 47 Chromosomen. Auf die Forschungsreise der Second Mission werden auch die Besuchenden durch die Ausstellung mitgenommen. Neben vielen Kunstwerken von und mit und über Menschen mit Down Syndrom, erfährt man viel historisches vom Down Syndrom.


 Vor allem die Redaktion des Ohrenkuss Magazins hat viel zu dieser Ausstellung beigetragen. Das Ohrenkuss Magazin ist ein Magazin von und für Menschen mit Down Syndrom. Einzigartig. Im Menschen Magazin gibt es in jeder Ausgabe auch ein Interview, dass aus dieser Redaktion beigesteuert wird. Ich lese das seit Jahren immer wieder gerne.


 In der Ausstellung werden Menschen mit Down Syndrom sehr stark dargestellt. Der Fokus wird so ganz wunderbar auf die Kompetenzen gerichtet. Ganz nach meinem Geschmack. John Langdon- Down hätte das sicherlich auch sehr gut gefallen. Er hatte als erster das Down Syndrom beschrieben und sich stark für die Rechte von Menschen mit Down Syndrom eingesetzt.


 Spannend auch die Exponate von einem Künstler, der in seinen Skulpturen nur Menschen mit Down Syndrom abbildet.


 Auch die dunklen historischen Kapitel von Menschen mit Down Syndrom werden nicht ausgespart. Die Tötung unzähliger behinderter Menschen während der NS-Herrschaft wird thematisiert.


 Auch zur Diskriminierung heutzutage findet die Ausstellung klare Worte. Dass erwachsene Menschen mit Down Syndrom keine Kinder sind und somit gesiezt werden sollten, zum Beispiel. Oder diese Beiden in der Videoinstallation. Sie standen dort, damit die Betrachtenden sie mal in aller Ruhe "anstarren" können. Auf den Interviewbögen daneben stand aber auch die klare Botschaft, dass auch bei Menschen mit Down Syndrom das Äußerliche nichts über die Person aussagt. Auch gab es Berichte von Müttern von Kindern mit Down Syndrom, die über Pränataldiagnostik und Druck von außen berichteten. Vor allem bei den diskriminierenden Aspekten bekomme ich immer einen fetten Kloß im Hals.


 Kunst von Menschen mit Down Syndrom gab es natürlich auch. Mir hatte es natürlich ganz besonders die textile Kunst angetan. So wild, so bunt, so großartig.


 Was ein kleines Chromosom nicht alles so veranstalten kann. Medizinische Aspekte der Trisomie 21 wurden auch erklärt. Von trockener Haut bis Herzfehler und Schilddrüsenfunktion.


 Ich fand es eine sehr berührende Ausstellung. Meine Begleitung und ich hatten an einer Tandemführung von einer Kunsthistorikerin und einer Redakteurin des Ohrenkuss teilgenommen, was sicherlich zum großartigen Erlebnis beigetragen hat. Ebenso war das Publikum auch bunt gemischt. Kinder mit Down Syndrom mit ihren Eltern, ältere und jüngere Menschen mit und ohne Down Syndrom. Ob es schlau war, Menschen mit Down Syndrom als Außerirdische darzustellen, sei mal dahingestellt. Teilweise hätte ich mir etwas mehr Barrierefreiheit gewünscht. Viele der erklärenden Tafeln sind für Rollstuhlfahrende wohl nicht so leicht lesbar, ebefalls war die Schriftgröße häufig sehr klein, bzw. wurde teilweise sehr viel Text dargestellt. Spannend fand ich, dass an der Ausstellung ein Haufen Professionen mitgearbeitet hat, aber niemand aus dem Bereich Sonderpädagogik... Wer weiß schon warum...?


 Am Ende der Mission steht die Frage, ob Menschen mit Down Syndrom auf der Erde bleiben oder besser gehen sollen. Die Entscheidung wurde nicht bekannt gegeben. Die Abstimmung verläuft geheim. Grundsätzlich eine fabelhafte, bunte, berührende, hoffnungsvolle Ausstellung. Schaut sie euch an, wenn ihr zufällig in Bonn seid. Die Ausstellung läuft noch bis zum 12. März 2017. Aber spart euch die Parallelausstellung zum Rhein. Die war wirklich grausam. Schlecht ausgeleuchtet, uninformativ und unfassbar langweilig.
 Touchdown hat mich wirklich sehr berührt und erfreut und darum darf dieser Beitrag heute bei den Montagsfreuden nicht fehlen.

Kommentare:

  1. Ha! Ich bin tatsächlich um Weihnachten rum in der Nähe von Bonn. Vielleicht schaffe ich es ja, diese Ausstellung dabei zu besuchen. Sie klingt nämlich spannend!

    Liebe Grüße,
    Sabrina

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    1. tu das, tu das. und falls noch zeit bleibt: ich empfehle immer SEHR gerne das haus der geschichte, das auch direkt um die ecke ist.
      liebe grüße,
      jule*

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    2. Oh, danke für den Tipp! (Geplant ist ja eigentlich eine Wanderung, aber falls das Wetter zu mies ist, ist das auf jeden Fall eine gute Alternative.)

      Liebe Grüße!

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  2. Ich bin sehr froh, dass ich deinen Blog entdeckt habe. So vielseitig und in alle Richtungen informativ. Leider ist Bonn zu weit weg, aber Danke für den Einblick in die Austellung.

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    1. danke für deine liebe rückmeldung.
      liebe grüße,
      jule*

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  3. Was für eine geniale Ausstellung!
    Da bin ich fast a bissle neidisch. Die Würd ich gern sehen.
    Ich habe durch meine Arbeit in der Schülerbücherei an der Schule meines Sohnes schon viele Menschen mit Down-Syndrom kennen gelernt. Es sind alles ganz wunderbare Menschen. Und obgleich eines ungehorsamen Chromosoms, scheint es, dass sie noch eines zusätzlich für Herzlichkeit haben!
    Tolle Bilder, danke fürs zeigen! Angela

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