Montag, 1. Februar 2016

Januarliteratur 2016


  Die Bahn ist morgens mein Lesesessel. So lese ich mich auf den Weg zur Arbeit und auch zurück. Darum am Ende des Monats (wenn ich es schaffe) eine kurze bibliothekarische Rückschau auf die Bücher in meinen Händen, vor meiner Nase, durch meine Augen, in meinen Kopf. 
 Eigentlich sollte dieser Eintrag am Wochenende online gegagenen sein, aber die Technik war gegen mich. Darum heute zum Monatsanfang die literarische Rückschau auf den Januar.


 Mit diesem Roman habe ich lange gekämpft. Ich fürchte ich habe es nicht durchdrungen. Vermutlich bin ich einfach nicht schlau genug, um solche Erzählungen zu verstehen. Ich fand die Geschichte kompliziert. Viele Erzählstränge nebeneinander. Geschichten aus einem Flüchtlingslager in Westdeutschland zur Zeit der deutschen Teilung. Ein trister Roman, ein trauriger Roman und so dumpf. Vielleicht nicht das richtige für diese Jahreszeit. Vermutlich aber ziemlich aktuell, auch wenn es heute nicht mehr um die deutsche Teilung, sondern um das triste Warten in den Flüchtlinsunterkünften geht.


 Das war DAS Buch des Monats. Selten habe ich mich in einer Geschichte so gut aufgehoben gefühlt. Ich wollte sofort hineinkriechen in das Buch. Eine Geschichte zwischen dem alten Land und Hamburg- Ottensen, zwischen Menschen, die sich genetisch Nahe und doch so fern sind. Vom alleine und aneinander vorbei leben und Zusammenfinden. Vom Aufeinanderprallen von Lebensentwürfen. Von individuell erlebten Geschichten und Tragödien, die das weitere Leben bestimmen, überschatten. Dazu dieses Bilder die mit Sprache gemalt werden. Wunderbar!


 Hm, ein Geschenk war dieses Buch. Auf den ersten Blick ziemlich passend (ohne mich selbst zu loben). Doch bei näherer Betrachtung dann doch nicht ganz. Tipps von einem Werbefachmann, wie man durchs Leben geht, seine Ideen verkauft. Eine Hand voll war brauchbar, das Meiste zu speziell für Menschen, die in nicht kreativen Berufen arbeiten. Da ist mein Job doch oft zu weit weg gewesen. Diese Ideen lassen sich nur bedingt auf mein Leben und meinen Beruf übertragen. Aber sicherlich ein gutes Buch für all jene, die kreativ arbeiten.


 Endlich ein neues Buch von Herrn Schamoni. Aber es ist so ganz anders als seine Vorgänger, die von absolutem Alltagsirrsinn nur so regiert wurden. Dieses hier ist eher ein nachdenklich machendes. In wie weit spielen Jugendsünden noch Jahre später eine Rolle im Leben? Was tun, wenn man einmal auf die schiefe Bahn geschubst wird? Was tun, wenn man alles verliert? Wo Anknüpfen. Rocko Schamoni nimmt uns in das Leben von Paul mit. Dessen Leben schon sehr früh vollkommen in die falsche Richtung gestoßen wurde. Irgendwie hat er dann aber doch ein wenig Glück, nichts mehr zu verlieren und so beginnt eine Roadstory. 


 Endlich wieder Finnland. Diesmal Helsinki. Diese Romane ziehe ich schneller weg, als eine Kanne Tee. Gefühlt. Und sie schüren in mir die Lust, dorthin zu reisen. Es beginnt mit einer Trennung und läuft durch wieder einmal eine Menge skuriler Begegnungen und Begebenheiten. Die Verlierer werden am Ende die Sieger sein. So ist es bei Paasilinna üblich. Und darum muss man ihn mögen.


 Dieses Büchlein scheint in der Nadelblogger*innenszene gerade schwer angesagt zu sein. Ich weiß nicht, ob es mittlerweile endgültig vergriffen ist. Spannend. Als geschichtlich interessierter Mensch, der den Lernenden viel über solcherlei Zusammenhänge erzählt, weniger Neues oder Vermutetes. Einiges war aber doch dabei. Schnell gelesen. Ein paar kleine neue Anekdoten habe ich für meinen Unterricht gefunden. Wunderbar.


Eine heiter bis düstere Graphic Novel. Wie gestaltet sich eine Beziehung, wenn eine Person HIV positiv ist? Mit welchen Dämonen gilt es zu kämpfen? Ein kleiner Einblick hier.


Die wahre Geschichte einer Giftmörderin aus Bremen. Schon wieder etwas historisches. Ein dunkles Kapitel. Diese Graphic Novel gezeichnet, wie man diese Geschichte zeichnen muss: düster, passend. Ein Stück gruseliges Kapitel der alten Zeit, welches in seiner physischen Brutalität hierzulande heute vielleicht nicht mehr so zu finden ist, in abgewandelter Form aber dennoch existiert. Der Umgang mit psychisch Kranken, heute anders, aber vielleicht nicht unbedingt besser...


  Vorerst kein Monat ohne Astrid Lindgren. Dieses Mal schnell noch "Mio, mein Mio" aus dem Regal gezogen. Es braucht Kinder, um die Welt zu retten. Und wir Erwachsenen tun gut daran, sie darin zu bestärken. Muss ich mehr zu der Geschichte sagen? Wunderbar sie einmal wieder gelesen zu haben.


 Weil das erste Buch von Straid Lindgren so schnell durch war, habe ich direkt zum nächsten gegriffen und auch dieses schnell weggeatmet. Die Kinder von Bullerbü. Oft wird diese Geschichte als Kitsch abgetan, aber sie ist es so ganz und gar nicht. Es ist ein gutes Kinderleben. Eines, wie es Astrid Lindgren wohl erlebt hat. Eine Geschichte für Kinder eben. Nix Kitsch. Wunderbar! Ich würde auch gerne.... 


 Gehört, während ich meine erste Jahreskuscheldecke fertigte. So makaber, doch spannend. Was tun, wenn eigentlich vorrausbestimmt ist, dass man an seinem 36ten Geburtstag stirbt, man sich darauf vorbereitet und man diesen Tag dann doch überlebt? Ein neues Leben kennenlernen, die Familiengeschichte aufrollen, nach den Fehlern suchen, den Geheimnissen und dann von vorne beginnen. Auch eine schöne Geschichte von Freundschaft als Familienersatz. Ich fand sie wunderbar.


 Ein Weihnachtsgeschenk. Ich wollte das Buch lesen, aber so war es glaube ich noch viel besser. Gelesen vom Autor selbst und das ganz fabelhaft. Der Tod klingelt, wird aber am Vollzug seines Auftrags gehindert und dann muss auf Reisen gegangen werden. Dazu die Lebensgeschichte, die während der gesamten Geschichte am Protagonisten vorbeizieht. Der Tod hat Humor. Das beste Hörbuch seit langer Zeit und so philosophisch. Thees Uhlmann hat hier etwas ganz Fantastisches geschaffen. Ich habe beim Hören öfter laut auflachen müssen, trotz der ganzen Tragik. Hach!

Kommentare:

  1. Super, vielen lieben Dank für die Einblicke in einige gute Bücher. Zum Hören und Lesen komme ich gerade leider viel zu selten, auch wenn ich auch häufig unterwegs bin. Gute Anregungen also, danke dir.
    LG. Susanne

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  2. Hallo Frau Jule!

    Sophia, der Tod und ich habe ich auch gehört statt gelesen. Und ich glaube auch das war eine gute Entscheidung, gefällt mir sehr wie Herr Uhlmann liest! "Heute beginnt der Rest des Lebens" wollte ich auf deine Empfehlung hin grade in meine To read-Liste aufnehmen, da seh ich, dass es schon darauf steht :)

    Beste Grüße
    Anja

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    1. wenn du das hörbuch haben möchtest, dann schreib mir doch mal eine mail. vielleicht kann ich da was machen.
      liebe grüße,
      jjle*

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  3. Gesagt, getan ;)
    Liebe Grüße
    Anja

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  4. Sehr lustig, deine bunte Mischung Literatur. Bei mir sieht es ähnlich wild aus: ansprungsvolles neben rein unterhaltsamen und gerne Sachbücher und historisches... Ich liebe vor allem Biografien... LG mila

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    1. sonst wird es ja auch langweilig ;)
      liebe grüße,
      jule*

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  5. Mio mein Mio ..das erste Mal in der Schule und dann jedes Jahr wieder bis ich 18 war .Man müsste meinen ich könnte mich dran erinnern ,dennoch habe ich es gänzlich vergessen.Ich sollte es mal wieder lesen

    Gruß Ker

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  6. Nachdem ich jetzt beschlossen habe, dass ich deinen Blog regelmäßig lesen möchte und werde, habe ich mich ein bisschen hineingegraben und bin hier hängen geblieben. Nicht nur, dass ich jetzt Lust auf Astrid Lindgrens Bücher habe (Ferien auf Saltkrokan war mein persönlicher Liebling) und ein Hörbuch entdeckte, das ich irgendwann auch einmal lesen möchte - du hast auch mein Fernweh nach Finnland wieder angefacht. Helsinki ist eine tolle Stadt - ich würde jetzt gerne auf der Treppe vor dem Dom stehen oder mit der Fähre nach Suomenlinna rausfahren.

    Liebe Grüße,
    Sabrina

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    1. stimmt, ich glaube über die helsinkigeschichte bin ich auf deinem blog auch schon mal gestolpert. da muss ich dich demnächst mal ausquetschen, da will ich nämlich dieses jahr ganz dringend hin.
      liebe grüße,
      jule*

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