Montag, 21. März 2016

Der inklusive Montag: Zum Welt- Down- Syndrom- Tag


 Der inklusive Montag findet hier mehr oder weniger regelmäßig statt. Hier gebe ich einen kleinen Einblick in die vielseitigen Chancen und Möglichkeiten, die die Inklusion mit sich bringt. Wer nochmal nachlesen möchte, was Inklusion überhaupt bedeutet, kann das hier nochmal tun. Grundsätzlich soll es um die guten Seiten gehen, um das was schon funktioniert und um das wo sich noch etwas ändern muss. Hier soll nicht gemeckert, sondern angepackt und sich gefreut werden. Anzumerken ist zum Schluss, dass ich "nur" eine Seite der Inklusion beleuchten kann, da ich "nur" Sonderpädagogin bin. Aber vielleicht finden sich ein paar Menschen, die gastbloggen möchten. In diesem Falle bitte gerne bei mir melden.

 Thema heute: Zum Welt- Down- Syndrom- Tag


 Heute ist Welt- Down- Syndrom- Tag. Dazu spukt mir so einiges im Kopf rum. Darf ich das mal eben kurz loswerden? Ja? Danke! Pränantaldiagnostik taucht häufig im Zusammenhang mit "Früherkennung" von Trisomie 21 auf.  Oft liest man Berichte von werdenden Müttern, die zu den entsprechenden Untersuchungen während der Schwangerschaft gedrängt werden. Aber was passiert dann mit den Ergebnissen? Von vielen Müttern liest man, dass sie von medizinischem Fachpersonal, Angehörigen usw. zur Abtreibung gedrängt werden, wenn bei ihrem ungeborenen Kind die Diagnose Down Sydrom gestellt wird. Eine eigene Entscheidung wird ihnen eigentlich nicht zugetraut. Von vielen Eltern hört man, dass sie nach der Diagnose alleine gelassen und sich mangelnd beraten fühlen. Im Falle der "Diagnose" Trisomie 21 werden nach wie vor 90% der Föten abgetrieben. In Deutschland ist das gesetzlich in diesem Falle bis kurz vor der Geburt möglich. Die Grenze zum gewollten Fetozid ist hier fließend. Früher wurde in einem solchen Fall die Geburt eingeleitet und das Kind im besten Falle einfach zum Sterben bei Seite gelegt. Heute wird dem Fötus erst ein schmerzstillendes Mittel verabreicht und später Kaliumchlorid ins Herz gespritzt, bevor die Geburt eingeleitet wird.  Die Diagnose Trisomie 21 und einige andere rechtfertigen dieses Vorgehen. Ich möchte auf keinen Fall hier eine Diskussion zum für und wieder von Abtreibung anstoßen, sondern lediglich Fakten auf den Tisch legen. Es gibt immer mehr als einen Grund sich für oder gegen eine Abtreibung zu entscheiden. Auf der anderen Seite stehen viele viele Menschen mit Trisomie 21, die gerne als sogenannte Sympathiträger*innen und Botschafter*innen für Menschen mit geistiger Behinderung eingesetzt werden. Sie gelten in der Gesellschaft als häufig gut gelaunt, mit ihren typischen Körpereigenschaften als besonders knuffig. Doch sie sind so viel mehr als das. Trisomie 21 heißt heute bei weitem nicht mehr automatisch geistige Behinderung. Menschen mit Trisomie 21 werden heute Lehrer*innen, leiten Restaurants, werden Models und Fotograf*innen. Meines Erachtens ist es- wie in vielen Fällen- weniger das dreifach 21ste Chromosom, welches seine Träger*innen behindert, als vielmehr die Gesellschaft drumherum. Am heutigen Welt- Down- Syndrom- Tag würde ich mir wünschen, dass wir nicht nur diesen Menschen aus der Niedlichkeitschublade befreien und sie endlich als Menschen mit Wünschen, Bedürfnissen, Träumen und Zukunftsvisionen wahrnehmen. Inklusion könnte hier helfen, Begegnungen zu schaffen, kennenlernen, besser einschätzen lernen. Doch es ist ein Teufelskreis, der sich durch Pränataldiagnostik, Abtreibung, Diskriminierung, Separation und damit entstehenden Vorurteile dreht. Durchbrechen wir ihn. Ich wünsche euch, dass ihr nicht nur heute Begegnungen haben werdet. Der 21sten Art oder so. Mindestens. Die Bücher oben im Bild kann ich auch ans Herz legen, wenn man erstmal einen lesenden Einstieg ins Thema nehmen möchte. Zu "Tim lebt!" habe ich hier schon etwas geschrieben. Das wunderbare Bilderbuch "Du bist da und du bist wunderschön" habe ich hier schonmal besprochen.

Kommentare:

  1. Mein Kommentar würde hier den Rahmen sprengen. Aber soviel kann ich hierzu schreiben: Ich bin ganz Deiner Meinung! Ich würde mir diesbezüglich auch eine andere Gesellschaft wünschen. LG Lu

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    1. danke für deine lange mail. wäre spannend gewesen, ob deine lange mail hier rein gepasst hätte ;)
      liebe grüße,
      jule*

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