Freitag, 23. Dezember 2016

Feuer

 Unter dem Label "Kopfkirmes" gibt es auf diesem Blog hin und wieder lose Wortklaubereien, die sich im Laufe der Zeit in meinem Kopf zusammengebraut haben. Sie stehen in keinem Zusammenhang zu den sonstigen Themen hier. Ich weise jegeliche Bzüge zu aktuellen Geschehnissen und autobiografische Zusammenhänge von mir. Es sind Wort, die aus meinem Herz in den Kopf sprudeln, dort toben und nach Freiheit verlangen. Teilweise sind die Wortklaubereien älteren Datums, teilweise auch glänzend neu. Ich lasse sie hier einfach frei.
  
Feuer (06.2005)

 

 Vor einiger Zeit las ich eine Kurzgeschichte über das Rauchen. Der Autor beschrieb die verschiedenen Arten sich eine Zigarette anzuzünden, eine der besten Arten sich eine Zigarette anzuzünden, war seiner Meinung nach, sich einen kleinen Ast aus dem Lagerfeuer zu ziehen, dessen Ende noch glühe und sich damit die Zigarette anzuzünden. Er war der Ansicht, dass das fast so gut schmecken würde, wie gegrilltes Fleisch. Wie recht er hatte und ich fühlte mich schon wieder im Wald am Lagerfeuer sitzen. 


  Manche Menschen meinen sich frei zu fühlen, wenn sie am Strand stünden und ihnen die salzige Meeresluft die Haare zerzauste. Ich empfinde das anders. Meine Freiheit ist es in einem Wald an einem Lagerfeuer zu sitzen. Am besten eines, in welchem man nur Kiefernholz abbrannte. Das riecht am allerbesten. Viele sind der Ansicht, dass Laubholz am besten geeignet sei, um ein Feuer anzuzünden, weil es wärmer brennen würde und weniger Funken in der Gegend rumspringen würden, die Löcher in die Klamotten brennen könnten. Natürlich, Fichtenholz brannte bei weitem nicht so warm und die abplatzenden, glühenden Holzstückchen hatten auch mir schon einige Löcher in Pullover und Decken gebrannt, aber die Rede hier ist von Kiefernholz. Dieser intensiv würzige Geruch ist so einzigartig und so selten zu riechen, dass ich immer froh bin, wenn ich Kiefernholz für mein Feuer finde. Vielleicht sind meine Möbel deshalb alle aus Kiefernholz, weil es dann wenigstens gut riecht, sollte ich mein Hab und Gut irgendwann einmal in einem großen Feuer verlieren. Ich liebe diesen Geruch und wenn man dann noch eine Zigarette erst mit dem glühenden Ende eines kleinen Zweiges anbrennt und dann den Rauch zusammen mit dem des Feuers einsaugt, dann ist das ein Geschmack und ein Gefühl in den Lungen, welches ich anders und besser nie erlebt habe. Über einem Rauschen die Bäume, der Rauch zieht in einer dicken Wolke hinauf zu den Ästen und egal wie weit der Raum im Wald um einen herum ist, da ist ein Raum. Der Raum der gerade noch vom Schein des Feuers erhellt wird, wenn drum herum schwarze Nacht ist, ist besser als vier Wände und ein Dach. Trotzdem hoffe ich, dass mein Zimmer niemals in Rauch und Asche verschwinden wird.


 Auch Essen, welches über einem echten Feuer zubereitet wird schmeckt immer anders und besser als normales, auf dem Herd zubereitetes und kein Profigriller kann mit bloßer Holzkohle den Geschmack erreichen, welchen ein echtes prasselndes Feuer zaubern kann. Ja, es gibt Rauchsalz aber das ist eben doch nicht das richtige. Vielleicht würzt auch hier noch der Geruch des Rauches, der einem noch während des Essens in die Nase zieht, nach. Ausserdem fliegen beim Kochen im Wald über dem Feuer immer noch irgendwelche Tannennadeln, Blätter und Dreck mit ins Gekochte, diese Würzmischung soll erstmal ein Gewürzexperte herstellen.
 
  Die ersten Menschen wussten schon, warum sie das Feuer so verehrten. Feuer ist wie ein Mensch den man liebt. Es braucht Pflege, Liebe, Futter, Zuneigung, damit es nicht erlischt. Dafür gibt es einem Wärme, Licht und diesen einzigartigen Geschmack. Mit einem Feuer ist man nicht allein. Das Feuer ist dein Freund solange es nicht zerstörerisch wird.


 Wenn man mit vielen Menschen um ein loderndes Feuer sitzt, dann kommt meistens irgendwann diese geheimnisvolle Stille auf. Aber diese Stille ist nicht unangenehm, wie wenn man sich in einem geschlossenen Raum anschweigt. Jeder sitzt da, schaut ins Feuer und man kann darin versinken und alles und jeden um sich vergessen. Das Feuer lässt dich nicht allein. Vielleicht beginnt dort einer zu summen, ein altes bekanntes Lied und einige fallen mit ein, bis das Knacken des Holzes der Takt für ein gemeinsam gesungenes Lied wird.

Wenn man im Winter durch die Straßen in der Stadt zieht und sei es noch so kalt, matschig und nass, und es zieht einem dann der Geruch von Feuer in die Nase, weil irgendwo gerade ein Kamin brennt, dann ist die Welt nur noch halb so schlimm. Das einzige, was mich in der Weihnachtszeit in der Stadt rettet ist hin und wieder eine Nase voll Feuergeruch.




  Da wo ein Feuer brennt da ist mein zuhause und da wo man singt, da lass´ dich ruhig nieder, denn bösen Menschen kennen keine Lieder. Das klingt vielleicht alles ein wenig hippieesk, aber wer einmal nachts allein an einem Feuer- am besten mit Kiefernholz- gesessen hat, der wird verstehen, was ich meine. Du brauchst nicht viel auf dieser Welt, solange du ein Feuer anzünden kannst.

Kommentare:

  1. Aww, was für ein wunderschöner Text. Ich hatte gerade richtig Wasser in den Augen. (Und das als Nichtraucherin, die eigentlich mit Passagen über Zigaretten keine Bezugspunkte hat.)

    Zweimal musste ich aber auch lachen. "Vielleicht sind meine Möbel deshalb alle aus Kiefernholz, weil es dann wenigstens gut riecht, sollte ich mein Hab und Gut irgendwann einmal in einem großen Feuer verlieren." Sehr geil. Unvergänglicher Optimismus. :D

    Nur: "[...] bis das Kacken des Holzes der Takt für ein gemeinsam gesungenes Lied wird" ist kein Satz, den man heimlich im Büro lesen möchte. An diesem unterdrückten Gekicher hab ich mich fast verschluckt.^^ (Normalerweise sind mir ja Tippfehler völlig egal, aber der hier ist zu gut für meinen infantilen Humor. :D)

    Viele liebe Grüße,
    Sabrina

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    1. ich bin keine freundin von sowas, aber: LOL! wenn man tippfehler nichtmal 11 jahre nach verfassen des textes findet, ist das irgendwie auch schon wieder lächerlich peinlich....
      in neuerer literatur wird viel zu wenig geraucht. fiel mir kürzlich auf, als ich mal wieder özdogan las. irgendwie vermittelt rauchen in geschichten ja auch was. gandalf ohne pfeife? t.c. boyle ohne kiffen? undenkbar!
      hab schnell feierabend!
      liebst,
      jule*

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