Samstag, 14. Juni 2014

Liebe und Hass und Kaffee

 Den ersten Kaffee gibt es heute auf dem Sofa. Das habe ich diese Woche nämlich sehr wenig ausgenutzt. Zeugniszeit raubt den letzten Nerv. Das letzte bisschen Energie soll vor den Sommerferien wohl noch mal so richtig ausgesaugt werden, damit sich die fünf Wochen frei nicht so lange anfühlen. Vermutlich. Ächz.


 So komplett schlimm war die vergangene Woche aber nicht. Darum startete der Tag heute mit dem wundervollen Song von BLUMENTOPF "Liebe und Hass". Was es gab? Das:

 1. Mein verhaltensoriginellster Schüler kommt in meine Stunde in der ich unseren "Notfallraum" betreue, in den SchülerInnen kommen, die es im Unterricht nicht mehr aushalten. Er hatte nichts verbrochen, wollte/konnte "nur" nicht arbeiten und dachte, er käme lieber zu mir, bevor er anfängt Scheiße zu bauen. Gute Idee. Ich war aufgrund der niedrigen Frequentierung gerade dabei Noten auszurechnen. Nach einen kurzen netten Gespräch, erklärte sich der junge Mann bereit, mir dabei zu helfen. Bei Prozentrechnung! Im Matheunterricht hat er da nicht einen Finger krumm gemacht. Also diktierte ich ihm die Zahlencodes, er hackte sie in den Taschenrechner und sagte mir die Ergebnisse, die ich notierte. Irgendwann wunderte er sich, warum 4 + 7 x 0,27 nicht das gleiche ergibt wie  (4 + 7) x 0,27. Im normalen Unterricht schaffe ich es nie ihm so etwas zu erklären, weil er da meistens total mauert. Doch nun hatte ich ihn auf einmal und konnte es ihm in Ruhe erklären. Vermutlich hat er in der Stunde mehr gelernt als in allen Mathestunden des vergangenen Halbjahres zusammen. Und zusammen hatten wir die Hälfte meiner Noten ausgerechnet. Yippie!

 2. Mein Betreuungsspezialkind hat ihren ersten Aufriss getätigt und war nun vollkommen damit überfordert, dass ihr Aufriss ständig anrief und sich mit ihr treffen wollte. Sie fühlte sich belästigt und wusste gar nicht, wie sie damit umgehen soll, totale Überforderung. Sie wollte einfach nur damit Schluss haben, hat das Handy nicht mehr angemacht und sich versteckt. Ziemlich pubertär krähte sie rum, machte dicht, wollte nicht über das Thema reden, da es ihr vermutlich absolut unangenehm war. Muttern war schon vollkommen verzweifelt und wusste keinen Rat. Also versuchte ich es und bekam es hin, ihr über Umwege zu erklären, dass es vielleicht hilfreich sei, wenn sie dem Typ erstmal klar macht, dass sie nichts von ihm will. War sie von alleine gar nicht drauf gekommen. Kind zufrieden mit dem Plan, Muttern erleichtert, ich gab mir innerlich High Five. Die kleinen Dinge und so.


 Licht und Schatten, Liebe und Hass und nun werde ich mal mein Tagwerk starten. Einkaufen, Noten geben, Zeugnisse schreiben. Am Montag müssen die Daten abgegeben sein. Danach will ich mit meinen Lernenden die letzten Tage in diesem Raum zwischen "jetzt ist eh nichts mehr zu retten" und Neustart genießen. Filme schauen, Eis und Kekse essen und in der Sonne rumhängen, Lebensthemen behandeln. So kann Schule nämlich auch sein. Wenn dieses dämliche, abstrakte, leistungsorientierte vom lebensweltorientierten Lernen abgelöst wird, merke ich immer, dass ich irgendwie doch mehr Sonderpädagogin als Lehrerin bin.

 Hoffentlich ein paar entspanntere Samstagsgetränke gibt es auch heute wieder bei Ninja.

Kommentare:

  1. Oooooh, Blumentopf!!! Ich mag die. ;)
    Du hast es also bald hinter dir - und es ist doch super, dass Du noch Zeit hast, die Du mit deinen Schülern genießen kannst. Freu dich drauf! Und dann sind bald Ferien. :D
    Ich wünsche dir ein trotz-allem-schönes Wochenende!
    Liebe Grüße
    Antje

    AntwortenLöschen
  2. hab eben deinen blog entdeckt und der post macht mich SEHR neugierig auf mehr! hab nur grad keine zeit weil wir zur schule müssen, aber, ICH KOMME WIEDER, und das ist hoffentlich keine drohung für dich ;) viele grüße aus potsdam, sylvie (babaprincesse)

    AntwortenLöschen
  3. Wir schaffen das, nicht wahr? Ist noch jedes Jahr Sommerferien geworden. Wobei, dieses Jahr ist es schon sehr hart. Guten Schlussspurt! lg Regula

    AntwortenLöschen