Mittwoch, 11. November 2015

Das Zackzackfeiereikleid


 Vergangenen Samstag waren Herr Fussel und ich auf so etwas wie eine Hochzeit eingeladen. Es war nun nicht so, dass es ausreichend Vorlaufzeit gab, aber um die "Was ziehe ich nur an"- Frage drücke ich mich bei solchen Gelegenheiten gerne längstmöglich. Ich habe zwar ein hochzeitsfeiereitaugliches Kleid im Schrank hängen, das ist allerdings eher für wärmere Jahreszeiten tauglich und ich hatte es schonmal auf einer Hochzeit im gleichen Freundeskreis an. Und vor allem aus letzterem Grund musste dringend ein neues Kleid her. Denn ein Kleid nochmal im gleichen Kreis auftragen, geht ja gar nicht. Da bin ich altmodisch. Aber es sollte etwas mit Petticoat her.


 In der Woche vor der Hochzeit gab es dann nichts mehr aufzuschieben. Ich musste ran und damit brach das Chaos aus. Der Stoff war besorgt und gewaschen. Ich hatte zwar einen Schnitt im Kopf, aber noch nicht gebastelt. Für das ganze Projekt hatte ich zweieinhalb Nachmittage Zeit. Die Arbeit hat ein bisschen gelitten.... Beim Stoffkauf hatte ich zu Jersey gegriffen. An Webstoffe traue ich mich bei so etwas noch nicht so richtig dran. Die schlechtesten Abnäher mache definitv ich. Jersey erschien mir da die beste, faule Variante. Dienstag begann ich mit der Schnittkonstruktion. Nachdem ich den Schnitt zusammengebastelt hatte, schmiss ich ihn auf den Stoff und musste erschrocken feststellen, dass die Stoffbreite für den Tellerrock nicht reichte. Zumindest nicht dann, wenn ich anständig mit dem Fadenlauf arbeiten wollte. Ich habe daraufhin ein bisschen verzweifelt auf der Bilderplattform gefragt, ob das wohl was werden könnte. Ann-Sophie und Frau Postriot machten mir Mut und bestätigten meine vorhandenen Nähfähigkeiten, mit denen ich das schon schaffen würde. Ich fühlte mich ein bisschen geehrt und ermutigt, schnitt zu und nähte zusammen. Dankedankedanke!


 Bei der ersten Anprobe am Mittwoch musste ich feststellen, dass der Tellerrock so schwer war, dass er die Taille voll runterzog und keine Betonung meiner Lieblingskurve mehr vorhanden war. Voll im Zeitdruck machte ich keine Gefangenen, an Auftrennen war nicht zu denken. Ich griff beherzt und halb verzweifelt zur Schere, schnitt ober- und unterhalb der Taille ab. Da hatte ich zur Not noch den Donnerstag, um im Zweifel noch ein Kleid kaufen zu können. Aber eigentlich wollte ich das nicht. Lieber Stress an der Nähmaschine als shoppen gehen. Der Innenkreis des Tellerrockes musste nach der Aktion mit der Schere natürlich wieder geändert werden. Da ächzte ich mal kurz. Um die vom Gewicht des Tellerrocks gerade gezogene Taillenkurve wieder in die Betonung zu bekommen, nähte ich einen Jerseygürtel. Eigentlich wie ein Loopschal, zum über den Kopf ziehen. Am Kleid habe ich den nicht befestigt.


 Da blieb dann nur noch der Donnerstagnachmittag zum Säumen Hier habe ich einfach zu weißem Jersey gegriffen, den ich schon für den Auschnittsaum genutzt habe. Einmal rundherum. Am Donnerstagabend hatte ich jedenfalls so dicke Augenringe, dass sie dem Volumen meines Petticoats Konkurenz machen konnten. Als ich alles freudig am Donnerstagabend zur letzten Probe anzog musste ich nur noch feststellen, dass der Petticoat leider vom im Schrankrumgehänge nicht mehr ganz so weiß war. So durfte der am Freitag noch eine Runde mit ein bisschen Bleiche durch die Waschmaschine drehen, während ich die Jugendclubdisco drehte. Just in time!


 Da ich fand, dass das Kleid für sich schon Statement genug war, habe ich auf großartigen Schmuck verzichtet. Lediglich diese Brosche durfte dran. Eine passende Strumpfhose fand ich am Samstagvormittag, kurz vor unserem Aufbruch zum Glück noch in meinem Fundus. Uff! Dat rheinsche Mädschen in mir würd ja jetz sagen: Ett hätt noch immer joot jejange.


 Der Clutch durfte mal wieder raus. Der ist auch selbstgemacht. Leider war das kein Mary Poppinsclutch und die Spiegelreflex passte nicht hinein. Herr Fussel hat aus meiner Handykamera alles rausgeholt, was es zu holen gab. Leider war es wohl doch schon ein bisschen zu duster nach der Zeremonie. Darum sind die Fotos etwas matschig. Vermutlich werde ich dieses Kleid aber so schnell nicht nochmal in dem Stil anziehen, um es vor eine anständige Kamera zu bringen. Bisher ist keine weitere Hochzeit angekündigt. Doch ein bisschen Stolz bin ich auf mein Werk. Nächstes Mal mache ich sowas etwas früher.... Hoffentlich. Die Feierei war jedenfalls großartig und das Kleid ließ sich gut tanzen. Man trägt übrigens genau solche Schuhe dazu. Irgendwo ist mit dazukaufen nämlich auch mal gut. Zudem kann man darin viel länger auf Empfängen stehen und noch viel länger tanzen. Damit darf dieses Kleid trotz der miesen Bildqualität noch zur Mittwochssammlung rübertanzen.

Kommentare:

  1. Ein echtes Hingucker-Kleid! Schön, wie der Petticoat hervorschaut. Das Oberteil mit den Einfassungen gefällt mir super und die maritime Brosche passt perfekt! ;)

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  2. uiuiui... vor jedem Selbstgenähten Kleid eine tiefe Verbeugung.
    Bestens Gelungen,
    Freulein Yvonne.

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  3. Oh, das war ja jetzt ein wirklicher Nähkrimi! hihi!
    Hat sich aber echt gelohnt, das Kleid ist toll!

    Wegen dem "schwerer Rockteil bei Jersey"-Problem bediene ich mich immer gern an meinen Unterwäschestoffen. In der Taille wird der Jersey dann mit Miederstoff gedoppelt, der diesen Belastungen gut standhalten kann. Vielleicht wäre das ja auch was für dich? :)

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    1. miederstoff klingt abgefahren. damit habe ich noch nie gearbeitet... vielleicht probiere ich das beim nächsten mal aus, sollte es ein nächstes mal geben. danke für den tipp!
      liebst,
      jule*

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  4. Hach, das kenne ich gut - nähen auf den letzten Drücker ist sehr sehr anstrengend (vor allem beim eigenen Brautkleid - ich spreche aus Erfahrung ;-))
    Der amreikanische Ausschnitt (ist es einer? sieht zumindest so aus...) gefällt mir außerordentlich gut! Habe ihn bisher nur bei Babysachen verwendet, aber sieht auch an Erwachsenen sehr schick aus! Ich mag, dass man den in nem schönen Kontrast machen kann.

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    1. jupp, das nennt man amerikanischen ausschnitt. und ich bin schwer verliebt in ihn. wenn ich nicht aufpasse, habe ich bald nur noch sachen mit diesem ausschnitt im schrank....
      liebe grüße,
      jule*

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  5. Liebe Frau Jule,
    ich finde die Schuhe dazu besonders Klasse! Ist der Unterrock an den Hüften glatt?
    Liebe Grüße
    Gundula

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    1. du meinst, ob er einen sattel hat? ja, hat er. aber auch der ist in meinem fall schon recht weit und legt sich darum auch schon in falten. ist einer mit gummizug.
      liebe grüße,
      jule*

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  6. Das Kleid ist dir super gut gelungen. Kannst du dir auf deine mit amerikanischem Ausschnitt bedeckte Schulter klopfen : ) sieht super toll aus.
    Und sind wir mal ehrlich, andere Schuhe hätten nie so gut dazu ausgesehen.
    Liebe Grüße, Angela

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    1. dankesehr. an anderer stelle wurde ich wegen der schuhe schon "gedisst". aber was anderes kommt mir auch nicht an die füße. da würde ich mir verkleidet vorkommen.
      liebe grüße,
      jule*

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  7. Seeehr schick! Schade, dass meine Hochzeit schon gewesen ist. ;)
    Liebe Grüße
    Antje

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    1. noch eine zeremonie. so zur bestätigung. war das hier ja auch. war gut. ;)
      liebe grüße,
      jule*

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  8. Oh, ist das ein geniales Hochzeits-Feier-Kleid! Die weißen Akzente, vor allem der Petticoat, sind toll! Und Ausschnitt und Brosche sowieso :)
    Liebe Grüße
    Christiane

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