Samstag, 29. April 2017

Samstagskaffee und Netzfunde #13


 Kaffee vor den frischgewaschenen Gardinen im frisch gestrichenen Arbeitszimmer. Yeah! Mehr Räume habe ich diese Woche nicht geschafft. Dafür habe ich schon ganz ordentlich ausgemistet und geputzt. Meine Hände sind total Schrott vom Staub, streichen, wischen, waschen. 


 Die Kirsche hängt auch wieder und strahlt in entstaubtem Glanz. Ein paar Netzfunde habe ich trotz der Rumrödelei trotzdem. Ich beginne heute mit den schönen, inspirierenden Dingen, bevor es ans Eingemachte geht:

 Patchwork geht auch in Holz. Wie großartig!

 Und Fische zum Rumtragen in vegan! Auch Großartig! 

 Obacht bei der Wahl der Modeaccesoires: Auch in Hamburg habe ich diese neumodischen  Halsbänder schon gesehen. "Schließlich ist Mode alles andere als unpolitisch. Wer sich mit Szene-Accessoires schmückt und nicht über deren Hintergrund Bescheid weiß, kann auf Unverständnis stoßen – und sich ganz schnell selbst entlarven." (Zitat ebd.) Eine andere Bedeutung dieser Bänder findet man in diesem Artikel, der ein paar Tage vorher erschien: "Angehörige der vom Robespierre-Regime Hingerichteten sollen damals geheime Bälle, die "bals des victims", veranstaltet haben. Bei diesen Anlässen trugen junge Frauen rote Bänder um den Hals, um an die Opfer der Guillotine zu erinnern" (Zitat ebd.) Vielleicht frage ich den nächsten Menschen der mir begegnet und so ein Halsband trägt einfach mal, was das soll.

 Bleiben wir kurz bei Mode und Textilien: Vergangene Woche jährte sich das Unglück von Dhaka, bei dem eine Textilfabrik erinstürzte und tausende Menschen starben, zum vierten Mal. Passend dazu schrei(b)t Nunu mir aus der Seele. "Aber die, die nicht nur kritisieren, sondern verantwortungsvolleres Handeln auch in ihren Alltag integriert haben oder wirklich etwas machen wollen, ihre berufliche Arbeitskraft in diesen Dienst an der Empathie stellen, werden mit einem Jesusschlapfenträger-Vorwurf bedacht. So „uncool“ will man dann halt auch nicht sein." (Zitat ebd.), ist nur einer von vielen großartigen Sätzen in diesem Artikel.

 Und wenn man in der Hinsicht noch ein bisschen weiter ausholen will, dann kann man bei Karin nachlesen, warum dieser ganze Textilscheiß noch nichtmal vegan ist. Nach dem Artikel hätte ich gerne einen Hassartikel über diese ganzen Lifestyle vegan lebenden in stylo Lederschuhen und -taschen und Wollpullis geschrieben, die gerne Sojalatte trinken, weil das ja sooooo viel besser ist, aber nicht für Hirn in der Birne sorgt. Vielleicht ein ander mal. 

 Ach, apropos Leder: Letzte Woche, Weltspiegel, heilige Kühe aus Indien nach Bangladesch zur Lederverarbeitung. Mal abgesehen von den toten Kühen, möchte ich nicht wissen, wie viele Menschen wegen dieser Lederproduktion draufgehen. Go, fuck yourself Leder! Sowohl an Schuh, als auch Tasche oder sonstwo. Und komm mir jetzt bitte niemand mit Kunstleder ist auch nur Plastik.

 Großartig fand ich die folgende Linkserie zum Thema Politik in Muddiblogs. Angestoßen von diesem Artikel in der Franfurter Rundschau fasste Rike mal Mütterblogs zusammen, die sich durchaus politisch positionieren. Quasi das Mütterblogequivalent zu der Handarbeit ist politisch Sammlung, die ich mir so sehr wünsche. Es ist etwas im Busch. Vielleicht kommen diese ganzen Wohlfühlblogs doch noch aus der Reserve und rotten sich zusammen. Zu wünschen wäre es.

 Um nochmal bei den Blogs zu bleiben, fand ich bei Meike von Crafteln diesen Beitrag zum Thema Körpergefühl und Posen für Nähblogbeiträge. Da gab es eine ganze Menge zu entdecken. Vor allem ein Thema, über das ich mir bisher wenig Gedanken gemacht habe.

 Und bevor das eine Linksammlung ohne antifaschistischen Inhalt wird: "Immer wieder werden Journalisten von AfD-Veranstaltungen ausgeschlossen, bedrängt und beschimpft. Ein Erfahrungsbericht unseres Autors Hartmut Schneider." (Zitat ebd.) Übrigens habe ich letzten Samstag die Entwicklungen in Köln verfolgt und muss sagen: Großartig! Da können einige Städte von lernen. 

 Damit das Wochenende doch noch wundervoll startet ein bisschen Musik von EINAR STRAY Orchestra. "Caressed" fließt in die Gehörgänge wie warmer Agavendicksaft. Am Donnerstag war ich mal wieder auf einem Konzert von ihnen und es war so großartig, liebevoll, so zauberhaft. Hach! Immer wieder gut. Ausführliche Rezension und Konzertfotografie entfällt, da ich mir tatsächlich mal wieder ein Konzertticket gekauft habe. Sollte man ja hin und wieder mal machen, um das alte Konzertgefühl nicht zu verlieren. Als kleine Randanekdote wurde ich von der Dame am Einlass darauf hingewiesen, dass ich meine Tickets doch besser bei Fairtix kaufen solle. Hatte ich noch nie gehört, aber immerhin 1€ des Ticketpreises wird von dort an die Clubstiftung überwiesen: "Die Erlöse fließen über die Clubstiftung zurück in Maßnahmen zur Stärkung der lokalen Clubszene, zum Beispiel Infrastrukturförderung in Form von kostengünstigen Darlehen oder Energieeffizienzmaßnahmen."  Man kann also schon Konzerttickets fair kaufen. Zumindest in Hamburg. Da gehen einem doch die besten Informationen flöten, wenn man ständig auf der Gästeliste steht... Ich hatte mein Ticket bei der Konzertkasse umme Ecke gekauft.


 Jetzt noch schnell bei Andrea vorbei, dann gehe ich mich mal aufhübschen, dann trödeln und später wird sich meine Hütte füllen. Nadelkränzchen! Endlich mal wieder. Zwar kommen heute nicht so viele Damen wie beim letzten Mal, es ist aber auch wirklich schwierig immer alle unter einen Hut zu bekommen. Mein Projekt liegt zumindest im Kopf schon parat. Jippie!

Kommentare:

  1. Wieder interessant, wenn auch noch nicht alles verfolgt, was du da wieder gefunden hast! Das ist eine gute Arbeitsteilung! Danke!
    Ich bin immer noch recht schlapp & lustlos aufgrund der familiären Geschehnisse, aber immerhin doityourselfe ich gerade an einem Statement - Hut für Sonntag und fange wieder an, Diskussionen zu verfolgen wie eine zur Bildungspolitik in NRW. ( Aber ich darf ja nicht pausieren, dann kriege ich den Vorwurf der Unehrlichkeit u.a., wie in dieser Woche. Empathie ist nur noch ein Glücksfall ).
    Ich wünsche dir frohes Schaffen in angenehmer Gesellschaft heute!
    GLG
    Astrid

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    1. na! wie sagt man so schön: don´t give a fuck auf diese kommentare. und so wie ich das mitbekommen habe, war auf der anderen seite ja auch die gewichtung auf fernwärme in den kommentaren viel größer. man darf bei sowas dem wenigen quatsch nicht so viel gewicht beimessen.
      mach du mal ruhig, fang ein paar sonnenstrahlen und bau dir einen schönen europahut! ich wünsche das beste!
      liebst,
      jule*

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  2. Klar ist Handarbeit politisch. Habe gestern zufällig eine Freundin im Brockenhaus getroffen. Wir haben uns über lebensverlängernde Massnahmen von allem ausgetauscht, da ja nicht nur die Herstellung, sondern auch die Entsorgung Energie kostet. So lohnt es sich doch, alte Klamotten aufzuhübschen, abzuändern, zu flicken und überhaupt weniger zu haben. Ich habe gestern in einem Billigkleiderladen ein T-shirt gesehen mit dem Aufdruck "Worry less, live more". Hat eigentlich schon mal jemand bedacht, wie unsäglich zynisch dieser Aufdruck ist? Wie könnte ich im Wissen um die miesen Arbeitsbedingungen der Textilnäherinnen mehr leben, sprich konsumieren? Denn die wollen ja, dass ich dieses T-shirt kaufe.

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    1. das mit der lebensverlängernden maßnahme und der energie ist auch eine spannende sichtweise. und mit dem anderen hast du natürlich absolut recht.
      liebe grüße,
      jule*

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  3. Also Julian, du machst es mir echt nicht leicht. Deinen Post einfach mal schnell überfliegen, das kann ich mir echt knicken. Deine Tipps sind wieder richtig klasse.
    Und man sollte sich wirklich überlegen, was man noch anziehen kann. (selbermachen! Ich weiß)
    Ich muss auch mal über meine politische Darstellung nachdenken. Vielleicht bin ich politischer als ich dachte. Wenn ich alleine an meinen Beruf denke... Aber das möchte ich einfach nicht auf meinem Blog verarbeiten.
    Ich grübel mal...
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. nein, mit überfliegen ist es hier wirklich nicht getan. das können andere besser als ich. und mit der beruflichen verarbeitung auf dem blog schwanke ich auch manchmal...
      liebe grüße,
      jule*

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  4. "Hey ho, let's sew" find ich ja geil. Wäre übrigens auch ein grandioser Blog(unter)titel. Nicht wundern, wenn das demnächst mal irgendwo bei mir auftaucht. :D

    Deine Linksammlung finde ich wie üblich sehr großartig, ich habe mich gerade ein Weilchen durchgearbeitet. Sehr schön fand ich, dass darin sowohl die Arbeitsbedingungen der Näherinnen der Billigklamottenketten, als auch der Trend zu feministischen Sprüchen auf Kleidung auch in Billigklamottenketten Erwähnung fanden. Die Verbindung von beidem bereitet mir größere Kopfschmerzen als der leichte Kater, den ich heute Vormittag konzert- und bierbedingt habe...
    Damit die Wut nicht überhand nimmt, habe ich mich aber auch sehr über den Link zu politischen Mütterblogs gefreut. Ist ja auch für mich keine Ecke des Internets, in der ich mich üblicherweise umschaue. Aber es tut gut so konkret zu sehen, dass da auch was geht.

    Liebe Grüße,
    Sabrina

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    1. der credit für das he ho, let´s sew" geht allerdings an antje. sie hatte mir das bild mal geschenkt. ich arsch, hätte das mal erwähnen sollen.
      ich freue mich schon auf morgen!
      liebe grüße,
      jule*

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