Freitag, 28. April 2017

März- und Aprilliteratur 2017


 Ich habe vergangenen Monat keinen Literaturrückblick gemacht. Es hat sich schlicht nicht gelohnt, da ich wenig gelesen hatte. Irgendwie hatte ich ein Lesetief. Mir fehlte die Lust, ich quälte mich durch die Zeilen und brauchte dringend so ein richtiges Hooraybuch. Aus solchen Tiefs ziehen mich Graphic Novels immer ganz gut. Darum gibt es die dieses Mal auch in fast rauen Mengen. Dazu auch wieder ein Film, weil es geht.


 Ich fange mal mit dem Film an. Der stand schon lange auf der Liste. Nichts für den filmischen Hochgenuss. Ziemlich trashiger Science- fiction ohne science. Aber ich konnte eine Menge mehr hineininterpretieren. Was passiert mit der Welt, wenn sich nur noch "Idioten" fortplanzen? Joe Bauer wird für ein US- Army Experiment in Dauerschlaf versetzt. Das Experiment gerät schief und er wacht im Jahr 2505 wieder auf. Die Erde ist ein Müllhaufen, die Menschen verblödet, hängen an den Maschinerien von Großkonzernen. Bildungs- und Gesundheitssystem sind am Boden, Landwirtschaft verlernt. Joe wird mit seinem vergleichsweise überdurchschnittlichen IQ von 100 zum Berater des Präsidenten und beginnt, die Menschheit zu retten. Wie gesagt: Der Film ist trashig auf Komödie ausgelegt. Allerdings zeichnet er auch eine Zukunft, wie sie wirklich passieren könnte und da wird es eher gruselig. Wie passend, dass der Fussel und ich direkt danach Wall-E angeschaut haben. Geht in eine ähnliche Richtung. Passte perfekt zusammen. Und weil Joe Bauer den Zukunftsmenschen so schön rät, auch mal ein Buch zu lesen, geht es nun mit Büchern weiter.


 Hm, RAF. Schwierig. Das war das Märzbuch meines Lesekreises. Ein Dialog zweier Frauen, deren Familiengeschichten durch Freund- und Patenschaft verbunden und durch das Attentat auf Jürgen Ponto- den Vorstandssprecher der Dresdner Bank 1977 jäh beendet wurden. Die eine die Tochter des ermordeten Jürgen Ponto, die andere die Schwester der Attentatskomplizin. Ein Einblick in die persönlichen Tragödien hinter der Machenschaften der RAF. Spannend da, wo die verstrickungen der RAF in dieses und jenes nachgeforscht und aufgezeigt wurden. Allerdings war ich teilweise nicht so ganz bei den Meinungen der Schreibenden. Meine Perspektive auf die RAF ist einfach eine andere.


 Ein altes Buch. Vor knapp 20 Jahren habe ich es das erste und letzte Mal gelesen. Doch ich erinnerte mich an den Monolog von Gudrun Ensslin darin und dann habe ich die anderen gleich mit weggelesen. Nicht wirklich schnell. Viele Reden sind aus mythologischen Zusammenhängen und da musste ich noch ein bisschen nachrecherchieren. Einige (Ab-)Sätze wollte ich danach am liebsten mit Edding an die Wände kloppen. Großartige Reden und auch das Nachforschen in die verschiedenen Hintergrundgeschichten hat meinen Horizont mal wieder erweitert.


 Nach so viel harter Literatur brauchte ich etwas fürs Herz. Dieses Buch hatte Sabrina mal empfohlen. Obwohl es darin sehr viel um tote Dinge geht, streichelt es die Seele ganz wundervoll. Ein bisschen wie "der Hunderjährige" nur niedlicher. Vielleicht auch ein bisschen wie "Oma lässt schön grüßen und sagt es tut ihr leid". Viele seltsame Menschen, skurile Situationen, ein bisschen Roadstory, viel Verbundenheit von Menschen. Aber so mag ich das sehr. Das war eine sehr gute Empfehlung.


 Dieses Buch stand schon lange auf meiner Leseliste. Ich muss mal ein bisschen mehr an meinem "jeden Monat etwas von Astrid Lindgren" Lesevorhaben arbeiten. Schöne Geschichten aus Schweden. Die Beziehungsgeschichte der Eltern, Hintergründe hinter den Kindergeschichten. Vieles kannte ich schon aus ihren Tagebüchern und der Biografie, aber so ist es ja auch nochmal ganz fein gewesen, in diese vergangene Welt einzutauchen.


 Das diesmonatige Buch aus dem Lesekreis. Krimis sind eigentlich nicht so ganz mein Fall, aber eine Mitleserin hatte sich gewünscht, dass wir mal einen lesen. Vielleicht bin ich von meiner Krimiabneigung geheilt. Ich fand den hier wirklich spannend und ich fühlte mich nicht so sehr auf die Folter gespannt, als dass ich dieses Buch nicht häppchenweise lesen konnte. Das ist immer so ein bisschen meine Furcht vor Krimis gewesen. Auf Eva Rossmann bin ich durch den Lila Podcast gekommen, darum hatte ich ein Buch von ihr vorgeschlagen. Sie zeichnet in diesem Krimi äußerst starke Frauen aus unterschiedlichen Verhältnissen, zeigt deren alltägliche Probleme auf und wie man diese angehen sollte. In diesem Krimi geht es um den Tod einer verarmten Frau, der von der Polizei ungeachtet zu den Akten gelegt werden soll. Da aber andere Frauen sehr beharrlich bleiben und nicht an eine natürliche Todesursache glauben, wird eben auf eigene Faust ermittelt. Macherinnen eben. Dazu gibt es fast schon Rezepte in einigen Kapiteln. Das ist so ein Ding der Autorin. Für mich sind die nichts, weil nicht vegan, aber irgendwie auch witzig, wie die Hobbydetektivin im Stadtpark Blumen klaut, um sie zum Abendessen zu verarbeiten. Vielleicht muss ich doch noch den ein oder anderen anderen Krimi aus dieser Reihe lesen.


 "Uff", so ging es mir beim Lesen dieses Buches öfter durch den Kopf. Ich habe es vorletztes Weihnachten tatsächlich von irgendwem aus meiner letzten Klasse beim Wichteln bekommen. Seit dem lag es im Regal und ich hatte (berechtigten) Respekt es zu lesen. Dank Astrid habe ich es dann aber doch aus dem Regal gezogen, entstaubt und gelesen. Ein gruseliges und vermutlich wahres Buch, dass einen hilf- und hoffnungslos zurücklässt. Ein Buch, dass den Kopf durchschüttelt. Es soll ja Leute geben, die sich so Militär- oder Politquatschfilme im Kino reinfahren und sowas geil finden. Die Realität schreibt irgendwie doch die gruseligsten Geschichten. Das hier wäre die perfekte Grundlage für so einen Militär- Politthriller, nur leider traurigerweise sehr real. Politikmenschen demokratischer Staaten, die erst fördern, dann bekämpfen, denen es um Öl und Rüstungsindustrie und vielleicht in irgendeiner Randnotiz um Demokratisierung geht. Nichts neues. Doch wie, wo und was so aufgeschlüsselt und zusammengefasst zu lesen, war doch hilfreich. Wer sich da wundert, dass es knallt und Menschen in den eigentlichen Schurkenstaaten (nämlich den westlichen) Schutz suchen oder Anschläge passieren.... Hargh!!!! "Verlassen wir uns nicht auf Politiker oder Publizisten, die in ihrem Provinzialismus längst erstarrt sind. Übernehmen wir selbst Verantwortung, im Bewusstsein unserer vielen Privilegien. Lernen wir Demut und Bescheidenheit, bei allem Stolz auf unsere eigene Kultur. Je eher wir begreifen, dass Millionen Menschen allein im Nahen und Mittleren Osten einfach nur zu überleben versuchen, umso leichter fällt es auch, ihnen beizustehen." (S. 173 f). Spätestens da brachen bei mir die Dämme...


 Graphic Novels bringen mir den Spaß am Lesen zurück? Ja, auch jene mit harten Themen. Diese hier ist von einer ehemaligen Zeichnerin von Charlie Hebdo, die das Attentat 2015 aufgrund eines Zufalls überlebte und danach versucht den Weg zurück ins Leben zu finden. Lange bin ich drum herum geschlichen. Susimakes hat mir den letzten Anstoß gegeben, dann doch mal zuzugreifen. Catherine Meurisse siniert über Zufall und Glück, über die Leichtigkeit und den Sinn des Lebens. Und vielleicht ein bisschen die Antwort auf den Sinn und dem unbedingten Dasein von Schönheit im Leben. Großartige Bilder zeichnet sie dazu. "Ich habe fest vor, wach zu bleiben, schon auf das kleinste Anzeichen von Schönheit zu achten. Jene Schönheit, die mich rettet, indem sie mir Leichtigkeit zurückgibt." (S. 133)


 Das zweite Buch dieser fantastischen Zeichnerin. Kleine Comicstrips, die einen Wiedererkennungswert haben. So ehrlich, so erheiternd. Das Leben eben auf die leichte Seite gezogen. Von Gebärmutter bis Pulloverklau beim Liebsten. Jaja.


 Nach wenigen Nachforschungen musste ich herausfinden, dass dies der persönlichen Geschichte von Faith Erin Hicks sehr nahe kommt. Ich habe diese Graphic Novel wegen des starken Mädchens gekauft, das unter Brüdern aufwächst und nach Jahren des Homeschoolings auf die städtische High School gehen muss, weil die Mutter die Familie verlassen hat. Dort geht es ziemlich a-typisch us-amerikanisch zu, wie es schon viele High School Filme zeichneten. Doch Maggie gehört trotz aller Schüchternheit zu den Mädchen, die ihren eigenen Kopf wahrt und so auch in schulischen Zusammenhängen schnell Anschluss bei den etwas anderen Mitlernenden findet. Eine Schöne Coming Of Age Geschichte mit sehr sympathischen Zeichnungen und Charakteren.


 Und dieses musste ich mir von der gleichen Zeichnerin direkt hinterher reinziehen. So wie ich das sehe, gibt es dieses Comicbuch bisher nur auf Englisch. Doch es lohnt sich sowas von bis hinten gegen. Eine wirklich ganz fabelhaft gezeichnete Superheldin mit einem echten Leben. Eine, die vergisst, die Superheldenmaske abzunehmen, wenn sie im Alltag unterwegs ist, die ihr Cape zu heiß wäscht und ein neues im Second Hand Laden kaufen geht. Eine, die unter Schlafmangel leidet und trotzdem immer wieder beweisen muss, dass auch kleine Heldentaten einer Heldin gerecht werden und die dies immer wieder verteidigen und rechtfertigen muss. Fast schon zu real und doch so sympathisch. Unbedingt empfehlenswert!!! Bestes Superheldencomic, das ich jemals gelesen habe.

 Der Stapel für den nächsten Monat liegt auch schon parat. Vielleicht schaffe ich den monatlichen Rhythmus wieder. Lest mehr Bücher! Auch anstrengende!

Kommentare:

  1. Ich muss mich unbedingt im Graphic Novel-Bereich mehr umgucken. "Die Leichtigkeit" hatte ich schon in Regalen gesehen, aber noch nicht reingeschaut. Gerade in dem Bereich finde ich es so schade, wenn ich nur vor eingeschweißten Exemplaren stehe und nicht reingucken kann, um rauszufinden, ob mir das überhaupt gefällt...

    Liebe Grüße,
    Sabrina

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    1. ja tu das! und superherogirl dürfte- so weit ich das einschätzen kann- voll deines sein. das mit dem eingeschweißt sein ist die eine sache, leider kosten die dinger auch immer gleich so viel. in hamburg gibt es zum glück einige gute graphic novelläden, die auch eine große comicauswahl haben. für mich immer ganz schlimm, wenn ich den rest des monats noch was zu essen kaufen will :D
      liebe grüße,
      jule*

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    2. Ja, das Superherogirl grinste mich tatsächlich besonders breit an. Ich hatte kürzlich in einer Buchhandlung eines gesehen über (weiblichen?) Widerstand im dritten Reich, den hätte ich mir gerne genauer angeschaut. Als ich beim nächsten Mal drin stand und vermutlich mindestens nachgefragt hätte, ob ich mal reingucken darf, war es leider nicht mehr da... Ich halte weiter die Augen offen.^^

      Ich hab mich übrigens riesig gefreut, da oben einen vertrauten Nachthimmel zu sehen. Der Vergleich mit dem Hundertjährigen trifft's wirklich ziemlich! Das fällt mir jetzt erst auf. Hab ich natürlich auch total gerne gelesen, das Buch. :D

      Liebe Grüße,
      Sabrina

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  2. Da der Herr K. schon mal gerne Graphic Novels liest, hast du mir ja einige Vorlagen geliefert ( im Mai hat er Geburtstag ). Deine Liste ist ja wirklich sehr heterogen, aber das gefällt mir. Ich wüsste jetzt gar nicht, was ich im letzten Monat gelesen habe. Auf jeden Fall nichts stringent.
    Alles liebe!
    Astrid

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    1. eine heterogene leseliste? haha, ja das trifft es wohl. ich strecke meine fühler gerne in alle richtungen aus. die leichtigkeit ist sicherlich supergut als geschenk geeignet. vor allem, wenn er deiner kulturinteressiertheit und politischen einstellung einigermaßen nahekommt.
      liebst,
      jule*

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  3. Vielen Dank für die Tipps! Hach, was wäre das Leben ohne Bücher..!
    "Wer den Wind sät" würde ich mir gerne mal ausleihen...?!
    Liebe Grüße
    Antje

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    1. aber sicher! kannste dir nachher mitnehmen ;)
      liebst,
      jule*

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