Samstag, 11. Juni 2016

Sechseckiger Samstagskaffee


 Die Zeit rast. Die Woche voller Termine. Gehetzt von einem zum nächsten. Die nächsten Wochen werden ebenso. Eine erste Beruhigung der Lage zeichnet sich Ende Juni ab. Der Vorteil aber heute eindeutig: Ein freies Wochenende. Der erste Kaffee seit Tagen in Ruhe. Zum Atmen. Auf dem Sofa schon ein wenig Material parat gelegt. Heute gibt es viele kleine Sechsecke.


 Und heute wieder einer der Tage an denen ich die Nadel nicht alleine schwingen muss. Darum geht es gleich fix unter die Dusche. Dann eine Einkaufsrunde drehen, bevor die ersten Damen an meiner Tür klingeln. Das angestaute Chaos im Arbeitszimmer wird gleich einfach schnell in eine Kiste geworfen. Die großen Pläne für diesen Raum müssen noch ein paar Wochen warten. Heute erstmal Zeit für die kleinen Dinge mit viel Herz. 


 Dieses geht hinüber zu Andrea.

Freitag, 10. Juni 2016

Filmempfehlung: Tomorrow


 Der Vorteil am Lehrendendasein ist ja doch, dass man zumindest meistens die zweite Tagesarbeitshälfte selbständig verplanen kann. Ich empfahl mir kürzlich mal eine kleine Fortbildungsmaßnahme im Kino. Um 15h in einen Film gehen, hat schon was. Fortbildung ist auch Arbeit, auch wenn man dabei Limo trinkt und Popcorn isst. Ich war in einem großartigen Film. Tomorrow. Ich hatte schon während der Crowfundingaktion um diesen Film gehört. Und nun ist er da. Großartig! Eine der besten Fortbildungen, die ich besucht habe.


 Ein Aufklärungsfilm der anderen Art. Hurra, die Welt geht unter, Zeit etwas zu tun. Für die Umwelt, für die Gesellschaft. Es geht aber nicht nur darum, aufzuzeigen, wo überall Menschen ausgebeutet, Tiere gequält und Gewässer vergiftet werden, sondern um Lösungsideen. Ein paar Informationen, die im Film vorgestellt werden, waren mir bis dahin allerdings auch unbekannt. Weniger, weil sie mich nicht interessieren, sondern vielmehr, weil mir keiner diese Informationen vor die Nase hielt. So ist das ja mit vielen Dingen. Im Film werden viele kleine und große Initiativen vorgestellt, die die Welt ein bisschen besser machen wollen. Ein Film der ein wenig Hoffnung macht. Ein Film, der das Feuer in meinem Herzen weiter füttert. Ich bin aus dem Kino gepurzelt und meinte, ich müsse mir sofort einen Schrebergarten zulegen. So viel zum Thema "Frau Jules Schnapsideen". Klar ist, dass der Kapitalismus mal wieder an allem Schuld ist. Was anderes erwartet man ja bei dem Thema auch nicht. Auf der anderen Seite bestätigte mir der Film, dass ich mit meinem Leben nicht so ganz auf dem Holzweg bin, zu all den Gedanken, die ich mir hier kürzlich schon gemacht habe und irgendwie ja immer mache. Einiges wird sich leicht nachjustieren lassen. Einige Dinge, wie z.B. die Herkunft meiner Lebensmittel bzw. meine Einkaufsmöglichkeiten werde ich als Städterin vermutlich nicht so leicht ändern können. Was ich schade fand, war dass das Thema Bildung im Film leider ein bisschen zu kurz kam. Das mag bei mir berufsbedingt sein, aber ich denke ja nach wie vor, dass Bildung ein Schlüssel zu einer besseren Welt ist. Wenn nicht gar der wichtigste. Denn die Erkenntnis, dass es kein richtiges Leben im falschen gibt, braucht einiges an Fähigkeiten. Ansonsten: Reingehen, schauen, denken, machen, weitertragen!!!


 Und zum Freutag darf das heute auch. Wie wunderbar, dass Menschen diese Dinge tun und auch solche Filme drehen. Ich gehe dann mal weiter denken und bilden.

Donnerstag, 9. Juni 2016

Ein Jahr für mich


 Ein paar Mal habe ich es hier ja schon anklingen lassen: Ich bin auf dem Weg in ein Sabbathjahr. Hurra! Passend im siebten Jahr meiner Berufstätigkeit. Wie es traditionell sein soll. Das ist mir aber eher aus Versehen passiert. Und immer wieder werde ich gefragt, was ich denn mit dem Jahr gedenke anzufangen. Bei den meisten geht es immer schon eher konkret in Richtung: "Wo soll es denn hingehen?" Mittlerweile antworte ich darauf immer: "Zu mir selbst." Ja, soll so esotherisch klingen. Ich frage mich ein bisschen, was die Reaktion wäre, wenn ich sagen würde: "Rumhängen." Haha! Aber nichts da. Wer mich kennt, weiß dass ich nicht gut stillzsitzen kann. Ich habe im Laufe der Ansparungsphase viele Ideen gehabt. Einige davon sind wieder über Bord gegangen, andere sind dazu gekommen. Mittlerweile steht aber ein grober Rahmenplan. Einige Zweifler meinten auch schon, dass das jetzt ja noch viel zu früh für ein Sabbathjahr in meinem Berufsleben sei. Aber mal im Ernst: Um mich rum werfen sie alle mit Babys, nehmen Elternzeit und chillen zusammen rum. Das wird mein Mutterschutz und Erziehungsurlaub ohne Kind- Yeah! Als ob man erst Kind, Haus, Baum erledigt haben und alt und weise und vielleicht gebrechlich sein müsste, um ein Sabbathjahr rechtfertigen zu können.


 Ganz konkret wird es auf dieser Liste. Ich werde in Hamburg bleiben. Meine Wohnung werde ich nicht zwischenvermieten. Ich werde nicht auf Weltreise gehen. Ich liebe diese Stadt in der ich lebe, aber ich habe viel zu selten etwas von ihr. Und so viele Ecken sind noch unentdeckt. Reisen wird es endlich nach Helsinki und Amsterdam und Paris geben. Ob es zum Nordlichtgucken nach Nordschweden oder Island gehen wird, ist noch nicht sicher. Dann habe ich ein paar Pläne für mein Herzding Inklusion. Zum Einen möchte ich sie gerne mal an einem Ort erleben, wo sie schon gelebt wird. Zum Anderen habe ich vor ein paar Wochen eine tolle Kooperation angefragt, die sich gerade ganz vorsichtig entwickelt. Beides ist noch nicht endgültig festgeklopft, aber wenn es klappt und so weit ist, wird es hier natürlich rumposaunt. Dann möchte ich gerne mal eine Winterjacke nähen. Erschreckend, dass hier schon seit meinem Studium das Futter dafür rumliegt und ich mich noch nicht getraut habe. Winterjacke ist sozusagen mein Angstgegner. Etwas Neues lernen will ich jedes Jahr. Das steht da nur so zum Spaß drauf. Festivals wird es in dem Jahr auch wieder geben. Vielleicht auch ein paar mehr und intensiver. Als Lehrperson kann man drumherum keinen Urlaub nehmen, im Sabbathjahr wird das alles ganz entspannt. Das wird auch das Hauptmotto dieses Jahres: Ruhe und Rhythmus. Irgendwie sind die letzten sechs Jahre nur so an mir vorbeigerast. Es ist so viel passiert. Kurze Ruhephasen ja, aber ich merke, dass irgendwie der Lebensrhythmus seinen Takt nicht gefunden hat. Darum steht auch die Zeit mit den Herzmenschen als Erinnerung auf der Liste. Denn auch die kamen gefühlt zu kurz. Vor allem die, die weiter entfernt leben. Ich bin gespannt, was mir sonst noch einfällt. Im Zweifel habe ich auch schon drölfzillionen Ideen für mein nächstes Sabbathjahr. Meine aktuelle Liste ist auch kein Muss, es ist eine "Kann-Liste". Es wird ein spannendes Jahr. Ich freue mich drauf! 

 Natürlich werde ich weiter nähen. Ich freue mich schon darauf, einfach mal ganz in Ruhe Projekte anfangen und auch mal liegen lassen zu können, ohne mich mit der Frage zu quälen, wann ich denn wohl Zeit finden werde es weiterzumachen oder abzuschließen.


 Auch Musik wird es weiter viel geben. Sicherlich wieder mehr Plattenkritiken. Irgendwie ist mir dafür in den letzten Monaten ein wenig die Muse abhanden gekommen. Vor drei Jahren hat meine Ansparungsphase begonnen und im vierten darf ich jetzt meine Ersparten Überstunden abfeiern. So läuft das.


 Die Reiseführer liegen für erste Ideen und zu Anfixung parat. Achja: Schweden ist auch mit dabei. Irgendwie muss ich ja nach Helsinki kommen. Hihi. Noch sechs Wochen. Ich raste aus!!!! Und in die Donnerstagssammlung darf das heute auch. Darum.

Mittwoch, 8. Juni 2016

Wolkenkratzer und Himmelsstürmer


 In der Stadt hat man ja eher selten eine unverbaute Aussicht auf den Himmel. In den letzten Tagen hatte ich aber irgendwie doch öfter eine sehr kleine, aber dafür umso schönere Aussicht auf den Himmel über Hamburg.






 Flugzeuge und Mauersegler gehören irgendwie dazu. Die Amsel auf dem Dach ebenfalls. Es lebt eine Alarmamsel in meinem Hinterhof. Ich habe mal gelesen, dass Stadtvögel irgendwann die Geräusche der Stadt imitieren. Die Amsel in meinem Hinterhof hat definitiv zu viel Alarm gehört. Die baut in ihren Gesang immer so was Sirenenartiges ein. Auch das gehört dazu. Und man findet sie, die kleinen Lücken in der Stadt, die trotz vieler Steine die Weite offenbaren. Das nur so. Und Mittwochs mag ich das sehr.

Sonntag, 5. Juni 2016

7 Sachen # 23. 16

 Immer wieder Sonntags... 7 Bilder von Sachen, für die ich an diesem Tag meine Hände gebraucht habe. Ob für 5 Minuten oder 5 Stunden ist unwichtig. Nach einer Idee von Frau Liebe. Gesammelt werden die Sieben jeden Sonntag bei Anita.


1. Gelegt: Zum Wachwerden diese großartige Band auf. Antje und ich waren gestern in der Flora auf einem fantastischen Konzert von denen. Viel getanzt und auf dem Rückweg gefühlt wie verschwitzte Rosinen... Es gibt keine Bilder vom Konzert. In der Flora mag man das aus guten Gründen nicht so gerne und ich habe einfach mal wieder ein Konzert genießen können. Hat ja auch mal was für sich.


2. Gefrühstückt: Mit Antje auswärts. Ich hatte dieses sehr handliche und sehr deliziöse Sandwich. Für den hohlen Zahn und so.


3. Geputzt: Muss ja hin und wieder mal sein. Nachdem ich Antje zur Bahn gebracht hatte, rückte ich dem Dreck zu Leibe. Auch im Bad. Und die Piratenkinder sangen noch so: "Wir waschen uns nie!". Pah!


4. Gegossen: Die Erbsen. Eigentlich war das gar nicht beabsichtigt, dass die jetzt so Früchte tragen. Ich hatte sie nur wegen der Blüte gepflanzt und bin gar nicht davon ausgegangen, dass die hier so abgehen. Ich bin mir nur nicht sicher, ob ich die irgendwann mal essen will. So von wegen Billigsaatgut und Feinstaub in der Stadt und so....


5. Geknotet: Ein bisschen Paketschnur und den Sonnenschirmhalter etwas unorthodox am Balkongeländer beffestigt. Gestern hatte ich es schon mit Kabelbinder versucht. Das hat nicht besonders gut gehalten. Paketschnur war schon besser.


6. Gespannt: Den Sonnenschirm der Großeltern auf. Ich liebe ihn. Und da ich davon ausgehe, dass das noch "gute deutsche Wertarbeit" ist, wird der wohl auch die ein oder andere Hamburger Windböe aushalten.


7. Gestellt: Ein wenig Handarbeitsmaterial in den Sonnenschirmschatten. Hexhex und so. Läuft bei mir. Und weil die nächste Woche in Hamburg wohl auch noch sommerheiß bleiben wird, wird das dem Tempo vermutlich gut auf die Bremse drücken. Alles schön langsam. Macht das auch mal.

Freitag, 3. Juni 2016

Kleine Restekleidung


 Resteverwertung aus den Stillshirts für meine Schwägerin. Die meisten Reste waren so klein, dass sie nur für den Süßministersekretär gereicht haben.


 Ich mochte diese Vögelchen so sehr.


 Von dem Blätterstoff war noch ein wenig mehr da. Da hat es auch noch für ein T- Shirt für den Süßminister gereicht.


 Das ist ein Rest von einem Stoff, den ich ansonsten zur Schrägbandherstellung genutzt habe. Die Pilze waren noch ganz kleine Reste. Gerade noch für Aufnäher geeignet.


 Der Ringelstoff ist ein Rest einer Leggins, die ich für mich gemacht habe. Hat auch gerade so gereicht. Hier kommt nichts um. Wie gut, dass es kleine Menschen gibt. Den Windelmüll gleiche ich damit zwar nicht in Gänze aus, aber es ist ein Anfang. Alle Klamotten sind bereits angekommen. Noch passt sie nicht, aber es wird fröhlich gewachsen. Diese kleine Kleidung darf heute rüber in die Do4You-Sammlung, denn ich passe da wirklich nicht mehr rein.

Mittwoch, 1. Juni 2016

Fusseln, Textilkacke und eine Empfehlung


 Sieht eklig aus? Ist es irgendwie auch. Was das ist? Nein, nix aus meinem Bauchnabel. Das sind Fusseln aus den dunklen Ecken meiner Nähmaschine. Genauer gesagt von unten rum um die Unterfadenspule. Mich hat da vor kurzem der Putzwahn gepackt, nachdem ich wieder mit Sisal rumgebröselt hatte, wollte ich meiner Nähmaschine mal was Gutes tun. Das ist so ungefähr der Dreck, der sich innerhalb eines Jahres da drin gesammelt hat. Man könnte mich jetzt als Schlampe abstempeln, die ihre Maschine nicht sauber hält, aber darum soll es nicht gehen.


 Ich war ehrlich gesagt geschockt darüber, was sich innerhalb eines Jahres in der Maschine gesammelt hat. Je mehr ich mit Pinzette und Pinsel popelte, desto schlimmer kreisten meine Gedanken. Und diese Fusseln sind noch nicht mal alles. Ein Teil davon ist direkt im Staubsauger gelandet, den ich auch noch mal reinhielt. Was mein Gedankenkarrussell anschubste, war mal wieder die Bekleidungsindustrie. Klamotten nähen ist mein Hobby. Wer das auch tut weiß, was das manchmal für eine Sauerei ist. Mein Arbeitszimmer ist eine Staubrattenzuchtanlage. Ganz schlimm wird es immer bei Nicki. Und dann denke ich an die Menschen, die tagtäglich in großen Fabriken diese ganzen Billig- und Teuerklamotten zusammentackern müssen. Die in der Staubhölle bei unmenschlichen Bedingungen schuften müssen und vermutlich das, was ich da aus meiner Maschine gepuhlt habe, an einem Tag einatmen oder sonstwie in ihren Körpern aufnehmen. Von den Giften in Farben und Stoffen will ich gar nicht erst anfangen. Und sehr sicher sind nicht wenige der Betroffenen Kinder. Mir wurde bei dem Gedanken ganz anders. Ich kaufe keine Klamotten mehr. Seit Jahren schon nicht. Bandshirts bilden die einzige Ausnahme. Und jedes Mal, wenn ich über so etwas nachdenke, dann fällt es mir leichter, mich an diese Angewohnheit zu halten. Klamottenläden lassen mich mittlerweile sowas von kalt. Lediglich Unterwäsche und Socken finden noch den Weg in neu in meinen Einkaufsbeutel. 


 Meine Staubhölle habe ich alleine zu verantworten, aber da draußen laufen noch genügend Menschen zu den großen Modeketten, ballern sich die Kleiderschränke voll, obwohl nichts gebraucht wird. Erstmal klingt das wohl großkotzig, aber besser ich fange bei mir selbst als gar nicht an. Natürlich haben nicht alle das Können und die Möglichkeiten, Klamotten selbst zu nähen oder sich fair und bio leisten können, aber irgendwer muss doch irgendwann mal damit anfangen. Einen ganz famosen Blog zum Thema schreibt übrigens die großartige Nunu. Nein, sie hat mir kein Geld dafür gegeben, dass ich das hier schreibe. Aber sie hat mich zum Beispiel auch nochmal daran erinnert, dass ich ganz dringend auf Polyesther verzichten muss. Auch in Teilen in meinen Stoffen, weil der als Mikroplastik durchs Waschwasser in die Welt... usw. usf. Kürzlich hat sie auch einen wunderbaren Beitrag über Ausreden geschrieben. Also: Lasst das Shoppen, macht was selbst, sorgt dafür, dass weniger Kinder eine Staublunge kriegen. Wer mehr Infos braucht, schaut bei Nunu nach, die kann das drölfzillionen Mal besser als ich. Mich hält sie oft genug davon ab, nach über drei Jahren Klamottenshoppingabstinenz sie Flinte ins Korn zu werfen. Unbekannterweise quasi meine unwissende Nonshoppingbuddy. Danke dafür! Und meine Maschine werde ich in Zukunft öfter mal säubern.