Freitag, 30. Juni 2017

Juniliteratur 2017


 Nachdem ich vergangenen Monat unfassbar viel gelesen habe, fällt die Ausbeute diesen Monat etwas spärlich aus. Hörbücher fehlen diesen Monat auf der Liste. Zwei habe ich gehört und dabei Socken gestrickt. Aber ich lasse sie einfach mal raus. Die Bücher habe ich so gut wie ausschließlich im Urlaub in Schweden gelesen. Und dieses Mal hatte ich wirklich gute und passende Urlaubsliteratur dabei:


 Utopien. Ach wie schön. Beworben wurde es als Jugendbuch und ich dachte, dass auch kompliziertere Autoren besser lesbar seien. Tasächlich waren sie das auch, ob ich dieses Buch nun allerdings für Jugendliche empfehlen würde, glaube ich allerdings nicht. Ich fand alles sehr spannend und kannte mit Ausnahme von Marx und Engels tatsächlich keinen der vorgestellten Utopisten. Es war auch spannend zu sehen, wie sich die Utopien von Platon vor knapp 2500 Jahren bis hin zu Callenbach 1974 verändert haben. H.G. Wells und Callenbach stehen jetzt auf jeden Fall auf meiner Leseliste. Vor allem Callenbachs "Ökotopia" interessiert mich brennend. Beide Bücher sind übrigens vergriffen, aber ich werde sie schon finden.


 Ja, ich erwähnte nach der Lesung beim IMMERGUT FESTIVAL, dass ich dieses Buch ganz dringend lesen muss. Es ist großartig, wie Jens Balzer Gesellschaft anhand der Musik analysiert, die sie hören. Einige Musikmenschen und deren Publikum bekommen ihr Fett weg. Am Spannendsten fand ich das Kapitel über die "Aggressivität männlicher Opfer" und die damit verbundenen Rechtsrock Bands mit höchst sexisitischem Auftreten. Ich wollte Till Lindemann nach diesem Kapitel einfach nur mal tröstend in den Arm nehmen. Arme Würste....


 Das diesmonatliche Buch aus meinem Lesekreis. Ich wollte es ja schon kurz nach Erscheinen wegen des Umschlags kaufen, habe mir aber lange auf die Finger gehauen. Bei den Lesekreisdamen stand es auch auf der Liste, aber wir haben gewartet, bis es als Taschenbuch herausgegeben wurde. Und was soll ich sagen: Ich fand es großartig. Ich war tiefbeeindruckt von Baba Dunja. Gegen alle Widerstände kehrt sie in die Todeszone um Tschernobyl zurück und lebt ein ziemlich selbstzufriedenes Leben. Zwar nagen einige Geschehnisse der Vergangenheit an ihr, ihre Familiengeschichte ist alles andere als Glanzvoll, aber grundsätzlich strömt ihr Charakter eine unglaubliche Gelassenheit aus. Sie wird in ihrem Dorf aufgrund unvorhersehbarer Vorkommnisse zu einer Heldin, obwohl sie gar nicht will. Ach ich weiß nicht, ich mochte sie und fand es schade, dass das Buch nur so dünn war. Und ich wünschte, dass ich im Alter auch ein bisschen so wie sie sein könnte.


 Hamburg im Winter. Passte trotzdem gut als Urlaubslektüre. Eine nicht ganz leichte Familiengeschichte. Eine Geschichte, die mit dem Tod beginnt und einer neuen Lebenszufriedenheit des Protagonisten endet. Keine spektakuläre Geschichte, eher eine, die so dahinzieht, in der man alles um sich herum vergessen kann. Darin diese wunderbaren kurzen zwischenmenschlichen Begegnungen, die das Leben so schreibt und die immer und immer wieder passieren. Ich musste zwischenzeitlich ein bisschen an die älteren Geschichten von Selim Özdogan denken oder sämtliche andere deutsche Popliteratur. Mag ich ja.


 Fand ich im Ferienhaus vor. Blieb natürlich da. Zuerst musste ich ein bisschen über den Titel glucksen. Sie haben "blasen" geschrieben- thihihi. Lang lebe die Postpubertät. Aber der Inhalt war super! Ein Buch durch die Monate. Jeweils eine Seite Illustration und eine Seite Dinge über den entsprechenden Monat in Reimform. Die Illustrationen waren unfassbar großartig! Und auch die Texte haben mir gefallen. Ein Buch aus der DDR und teilweise doch ein bisschen zu aufrührerisch, dachte ich. Super war unter anderem der April: 

 Ein gröhlender Wetterhahn. Hach! Ich muss mal sehen, ob ich dieses Buch irgendwo bekomme. Das muss in meinen Schrank.


 Es gibt Astrid Lindgren Geschichten, die ich tatsächlich nicht kenne. Aus meiner dicken Bücherbox habe ich dieses hier mit in den Urlaub genommen. Perfekt! Zwei total verschiedene Geschichten. Irgendwie ist es auch ein bisschen schräg, sich in dieser Welt zu befinden und das passende Buch zu lesen. Verbraucht relativ wenig Fantasie, aber das ist ja auch nicht schlimm. Und die Geschichten waren wie der Urlaub, so schön, perfekt und zauberschön, dass einem schlecht werden könnte. 


 Dieses Buch hatte ich eigentlich für den Fussel eingepackt. Er kannte die Geschichte nicht, war nach unserem letztjährigen Besuch in Junibacken aber neugierig. Er kennt sie immer noch nicht, dafür war ich froh, sie nochmal lesen zu können, zumal mir tatsächlich die Bücher ausgegangenen sind und das hier eigentlich nicht für mich eingeplant was. Und Bücher in denen steht "Es gibt Dinge, die man tun muss, sonst ist man kein Mensch, sondern ein Häuflein Dreck" haben eh gewonnen. Muss ich was zur Geschichte erzählen? Ich denke nicht.


 Jaja, mir sind die Bücher ausgegangen im Urlaub. Ich mag das ja gar nicht, wenn sowas passiert. Mit anderen Mitreisenden habe ich früher dann immer wildes Büchertauschen gemacht, der Fussel hatte allerdings nur dicke Softwarelehrbücher dabei. Das ist nicht so ganz meins. Was für ein Glück, dass wir im Jönköpings läns museum waren. Dort findet man die John Bauer Ausstellung, die Antje mir vor Jahren schon ans Herz gelegt hat. Wie gut, dass es im Museumsshop auch die deutschsprachigen Bücher für viel mehr Geld als in Deutschland zu kaufen gab. Aber ohne Buch im Urlaub sein ist ja auch keine Option. Was soll ich sagen? Vielleicht: Hachz!!!! Geschichten, Bilder, Wälder, Trolle... Elsa Beskow mit Bildern von John Bauer. Hätte sie nicht nötig gehabt, aber gut. Superbuch! 


 So ganz ohne Graphic Novels ging es dann aber kurz vor Ende des Monats dann doch nicht mehr. Die Geschichte einer Geschlechtsanpassung. What ever. Ich glaube das hier wird so ein Buch für meinen Sexualkundeunterricht. Gut für Kinder und Jugendliche geeignet. Sehr klare Bilder, klare Worte, hier und da ein kleiner Witz. Das Thema wird sehr leicht vermittelt, aber keineswegs platt.



 Buff! Krasse Grapic Novel. Eher ein Sachbuch im Comicstil. Aber ganz großartig. Alles um, hinter, in und über die Vulva. Kulturhistorie, medizinisches. Unfassbar voll Wissen, Informationen, wissenschaftlichen Studien und Arbeiten. Dabei fabelhaft feministisch illustriert. Teilweise ganz hart, bitter-böse, sarkastisch illustriert und ergänzt. Da ich schon wusste, dass es nur kacke sein kann, wenn Männer sich mit den "weiblichen Geschlechtsteilen" beschäftigen, konnte ich oft laut lachen. Es ergab sich, dass ich einen Teil des Buches in der Öffentlichkeit in Öffis und Cafés lesen konnte. Die verstohlenen Blicke auf den Einband und zwischen die Seiten waren auch wunderbar zu beobachten. Hihi.

 Im Regal stehen immer noch über 1,5m ungelesene Bücher und die Leseliste ist schon wieder gewachsen... Mal sehen, ob der Juli zum Lesen einlädt. Und mal sehen, ob ich mir für den Urlaub vielleicht doch mal sowas wie einen e-Reader zulegen sollte. Dann kann ich 2m Bücher locker in die Handtasche packen...

 Und tatsächlich hatte ich den Beitrag vorbereitet und während ich ihn online stelle, schaue ich im Fernsehen die Debatte im Bundestag zur Ehe für alle. Wieviel Homofeindlichkeit da aufs Tablett kommt, lässt mich schaudern und ich entschuldige mich für eventuelle, nicht ausgemerzte Tippfehler oben. Ich hoffe, dass wir heute Abend alle viel bunte Blubberbrause trinken dürfen.

Kommentare:

  1. Oh je, die Debatte! Gut, dass ich dafür keine Zeit hatte, muss meinen Reha -Aufenthalt neu organisieren. Aber jetzt ist es ja wohl klar, ich wollte schon "Gottseidank" schreiben...
    Und zu deiner Bücherliste fällt mir jetzt wegen all der geteilten Aufmerksamkeit nichts mehr ein....
    Hab es fein!
    Astrid

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    1. ich hoffe, du konntest alles zu deinem besten organisieren.
      liebst,
      jule*

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  2. Vielen Dank für die Tipps. Es sind wieder einige dabei die auf die Liste kommen. Ich blase auf dem Kamm ist tatsächlich für kleines Geld zu bekommen, ich glaube das schaffe ich als erstes an.

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  3. ach frau jule,
    ich lese immer so gerne deine monats-literatur-rückblicke!
    der ursprung der welt kam direkt auf meine leseliste, nachdem ich es im verlagsprogrammsheft erblickte, wurde dann jedoch wieder vergessen und nach dem lesen diesen blogbeitrags sogleich in der lieblingsbuchhandlung bestellt. ich freu mich schon sehr drauf!
    liebe grüße, lisa

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    1. sehr geil! du wirst es lieben! und dann muss ich mir diesen monat ja mal so langsam was einfallen lassen, damit ich wieder gute bücher vorstellen kann ;)
      liebe grüße,
      jule*

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  4. "Die Brüder Löwenherz" habe ich erst viele Jahre nach den anderen Astrid-Lindgren-Büchern gelesen und dabei gefühlt eine Badewanne voller Tränen geheult. Muss ich mal wiederholen - das Lesen zumindest, das Heulen kommt wahrscheinlich von allein.

    "Der Ursprung der Welt" sieht ziemlich gut aus, das merke ich mir. :D

    Liebe Grüße,
    Sabrina

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