Montag, 8. Juni 2015

Der inklusive Montag: Meine Tätigkeiten


 Der inklusive Montag findet hier alle zwei Wochen statt. Alle zwei Wochen gebe ich hier einen kleinen Einblick in die vielseitigen Chancen und Möglichkeiten, die die Inklusion mit sich bringt. Wer nochmal nachlesen möchte, was Inklusion überhaupt bedeutet, kann das hier nochmal tun. Grundsätzlich soll es um die guten Seiten gehen, um das was schon funktioniert und um das wo sich noch etwas ändern muss. Hier soll nicht gemeckert, sondern angepackt und sich gefreut werden. Anzumerken ist zum Schluss, dass ich "nur" eine Seite der Inklusion beleuchten kann, da ich "nur" Sonderpädagogin bin. Aber vielleicht finden sich ein paar Menschen, die gastbloggen möchten. In diesem Falle bitte gerne bei mir melden.

 Thema heute: Meine Tätigkeiten als Sonderpädagogin

 Die gute Jana hatte nach dem letzten inklusiven Montag gefragt, wie denn meine Arbeit im Rahmen von schulischer Inklusion aussehen würde. Gerne erzähle ich euch heute etwas darüber.



 Vorwegschicken mag ich nochmal, dass ich ja eigentlich ausgebildete Sonderschullehrerin mit allem drum und dran bin. Meine Ausbildung fand auch ausschließlich mit dem Ziel statt, dass ich irgendwann mal an einer Förderschule arbeiten werde. Diesen Werdegang hatte ich hier schonmal beschrieben. Nun arbeite ich aber an einer Stadtteilschule (woanders heißen die Gesamtschulen), d.h. ich habe es mit einer wilden Mischung aus Förder-, Real- und HauptschülerInnen und mit Gymnasiasten zu tun. Ich beschreibe das gerade mal etwas plump, aber ich denke es ist klar, was für ein Haufen das ist. Ich mag diese Mischung bekanntermaßen sehr und arbeite wirklich gerne mit allen Lernenden auf einmal. Allerdings heißt das auch, dass ich zunächst vollkommen neue Arbeitstätigkeiten ausführen musste, die ich nicht unbedingt gelernt habe.


 Das betrifft übrigens nicht nur mich, sondern alle KollegInnen an einer Schule, egal wo, auf jeden Fall spätestens seit 2010. Einige tun sich damit immer noch wirklich schwer. Ich muss dazu sagen, dass ich einigen Dingen der Förderschule auch ein wenig nachtrauere. Eine Klassenstärke von 8- 16 Lernenden ist schon ein anderer Schnack, als eine Lerngruppenstärke von 28. Die Leistungsheterogenität macht mir dabei weniger zu schaffen als der Fakt, dass ich viele meiner Lerndenden nicht so gut kenne, wie es in einer kleinen Lerngruppe der Fall wäre. Aber das ist zweitrangig. Eine größere Gruppe macht mehr Rock´n´roll und das mag ich ja auch- hehe.


 Aber ich schweife ab. Meine Tätigkeiten an meiner Schule sehen im Moment wie folgt aus: Als Sonderpädagogin begleite ich meine Speziallernenden in verschiedenen Fächern einige Stunden im Unterricht. Dabei kann es sein, dass ich spezielles Material zum Thema für sie vorbereite, mit ihnen in einem anderen Raum anderen Unterricht auf ihrem Niveau mache, ergänzendes Material für einige Themen zur Verfügung stelle. Manchmal bin ich aber auch einfach nur eine Art Cheerleaderin und feuere sie an, dass sie durchhalten, sich auf das Thema konzentrieren oder erkläre ihnen den Stoff nochmals. Je nachdem, was die Speziallernenden gerade brauchen und das kann von einer Stunde zur anderen etwas anderes sein. Eine durchgehende Doppelbesetzung gibt es leider nicht. Das gibt die von der Behörde vorgesehene Stundenzahl, die jedem Speziallernenden zusteht, nicht her.
 Ich achte in meinen Stunden als Zweitbesetzung vor allem dann, wenn Material auf einem anderen Niveau benötigt wird, immer darauf, dass ich das gleiche Thema wie die Nichtspeziallernenden behandele. Einen Extraraum suche ich eigentlich auch eher selten auf. Wenn, dann passiert das meistens auf Forderung der Speziallernenden, die mehr Ruhe brauchen oder nicht wollen, dass ihre Mitschüler mitbekommen, wie schwach sie wirklich sind. Das finde ich noch ein bisschen problematisch, ist aber für den Moment auch eine gute Lösung und ich merke, dass sowohl die Lernenden als auch ich, diese stillen Stunden, in denen wir auch manchmal über ganz andere Dinge schwatzen, sehr genießen. Dann ist wieder ein bisschen Förderschule da und alle lernen trotzdem etwas. Außerdem plane ich grundsätzlich die Förderung der Speziallerndenen im Hinblick auf Unterricht und Verhaltensförderung. Dafür schreibe ich auch die notwendigen Förderpläne, damit alle nachlesen können und bescheid wissen, was bei speziellen Lernenden gerade anliegt. Ebenfalls bin ich für die Diagnose verschiedener Behinderungen zuständig, wenn meine KollegInnen mir auffällige Lernende melden oder sie mir selbst auffallen. Dabei arbeite ich auch mit SozialpädagogInnen zusammen, die meistens Bereiche abdecken, die nicht die direkte schulische Lernförderung betreffen.


 Grundsätzlich bin ich aber auch selbst Fachlehrerin. Schließlich habe ich auch ein Unterrichtsfach studiert, bin Lehrerin und möchte gerne Unterricht planen und durchführen. Mein studiertes Fach ist Sozialkunde und so unterrichte ich derzeit hauptsächlich Gesellschaft. Nur wenige Stunden, aber immerhin. In diesen Stunden bin ich meistens mit ganzen Klassen alleine. Man ist der Meinung, dass eine Sonderschullehrerin keine Doppelbesetzung bräuchte, denn die kann das mit der Inklusion ja (das kann man sich an dieser Stelle mal kurz durch den Kopf wandern lassen). Grundsätzlich schaffe ich es auch problemlos meinen Unterricht so zu planen und so durchzuführen, dass für alle Lern- und Verhaltensniveaus etwas dabei ist. Es bleibt keiner auf der Strecke und niemand unterfordert. Die Rückmeldungen meiner Lernenden geben mir da recht. Meine NichtsonderschulkollegInnen  tun sich mit einer solchen Unterrichtsplanung bekanntermaßen schwer und sind oftmals immer noch sehr beratungsresistent. Schade, denn es geht und ist wirklichwirklich einfach. Außerdem kann es übrigens vorkommen, dass ich streckenweise fachfremd unterrichten muss. Kürzlich habe ich einen Kollegen vertreten, der in Elternzeit war. Wochenlang habe ich Natur und Technik unterrichtet. Versuche und dergleichen konnte ich zwar nicht durchführen, doch ein paar Wochen Theorie konnten da auch nicht schaden. Besagter Kollege hatte mir das Thema vorgegeben und ich habe gemacht. Natürlich bin ich in fremden Fächern nicht ganz so sicher, wie die studierten KollegInnen, aber meistens reicht es. Deutsch, Religion, Geografie kann ich. Naturwissenschaftliches muss ich mir je nach Thema meistens noch schnell selbst draufpacken. Für viele RegelschulkollegInen ist fachfremdes Unterrichten der blanke Horror. Mir macht das nichts. Ich finde das spannend und schließlich bin ich in den meisten Fächern, in denen ich die Doppelbesetzung für die Speziallerndenen dabei bin, fachfremd unterwegs. Das geht übrigens meinen anderen SonderschulkollegInnen auch so. Dazu kommt übrigens noch, dass ich in der Oberstufe im Sportprofil Yoga unterrichte. Das ist mir möglich, da ich vor zwei Jahren eine Ausbildung zur Yogaübungsleiterin für Jugendliche gemacht habe. Hätte ich mir ja auch nie träumen lassen, dass ich mal in der gymnasialen Oberstufe unterrichten werde... Ich mag meinen Job so wie er im Moment aussieht auf jeden Fall sehr und genieße die Vielfalt der Lern-, Leistungs- und Interessenniveaus. Schule ist eben auch eine Miniaturausgabe der Gesellschaft in der wir leben.
 Ich hoffe es ist ein bisschen deutlich geworden, wie meine Tätigkeiten im Rahmen der inklusiven Schule aussehen. Sollten noch Fragen bestehen: Immer her damit.

Kommentare:

  1. Danke, liebe Jule! Das war echt interessant. Klingt auf jeden Fall nach ganz schön vielen Sachen, die du da machst. Aber auch schön abwechslungsreich! Als "Zweitbesetzung" den Unterricht mit der "Erstbesetzung" zu koordinieren, stelle ich mir besonders schwierig vor, weil da sicherlich öfters auch mal unterschiedliche Vorstellungen kollidieren, oder? Fachfremd einige Wochen übernehmen klingt zwar auch anstrengend, aber auch total spannend, sich mal so in was anderes einzuarbeiten... Jetzt gerade habe ich keine Fragen mehr, aber wenn doch noch welche kommen, dann schreib ich sie dir bestimmt! :-)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. wenn ich jetzt böse wäre, würde ich fragen: welche koordination? die meistne kollegInnen sind nicht nur beratungs- sondern auch koordinationsresistent. wenn ich glück habe, bekomme ich ein paar tage vorher das material, was behandelt werden soll. mit viel glück!
      gut, dass ich deine frage beantworten konnte.
      liebe grüße,
      jule*

      Löschen
  2. Bewundernswert. Und toll! Ich bin eigentlich Gymnasiallehrer, habe jetzt 4 Jahre in der Beruflichen Bildung gearbeitet und Wechsel zum neuen Schuljahr an die Grundschule. Schul- und fachfremd zu unterrichten, das macht mir auch nichts aus, ich mach auch Werken oder weiß der Geier. Meine studierten Fächer gibt es an der Grundschule nicht einmal. Aber Unterricht planen für eine leistungsheterogene Lerngruppe, davor graut mir schon etwas, da werde ich noch ne Menge nachholen müssen, das ist für Gymnasiallehrer nicht vorgesehen, dass sie heterogene Gruppen haben. Und hier reden wir ja noch nicht mal von Inklusion.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. aber du scheinst ein offener lehrer zu sein. dann dürfte dir das ja leicht fallen. am anfang fand ich es auch ansrengend und es war viel arbeit, aber ich bin gut reingewachsen und jetzt läuft es sehrsehr gut und macht riesigen spaß! grundschule wäre allerdings nichts für mich. die sind mir viel zu klein *lach*
      ich wünsche dir gutes gelingen!
      liebe grüße,
      jule*

      Löschen
  3. Hej das find ich cool. Hab gerade deine inklusiven Montage entdeckt. Ist total klasse und interessant. Unser Sohn ist geistig behindert und braucht selbst eine gute Förderung in der Schule. Bin ganz begeistert. Ich werd dich mal verfolgen : ) du hast ne tolle Seite.
    Jnd jetzt werd ich mal aufhören mit dem zutexten....
    Und nochmal: Lg

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. du darfst mich gerne zutexten. ich freue mich immer über kommentare. freut mich, dass es dir hier gefällt und du dich von dem wilden durcheinander an themen angesprochen fühlst. danke für das kompliment und viel spaß weiterhin.
      liebst,
      jule*

      Löschen