Donnerstag, 23. März 2017

Gutmenschen aller Länder, vereinigt Euch!


 Ich habe mir einen Aufnäher gestickt. Ich liebe Aufnäher auf Klamotten. Die einfachste Möglichkeit, ein paar Botschaften unter die Menschen zu bringen. Die meisten, die ich so trage, sind gesiebdruckt. Diesesmal wollte ich aber gerne einen selber sticken.


 Entworfen ist der ganze Spaß selbst. Natürlich hatten Marx und Engels ihre Finger auch ein bisschen im Spiel. Übertragen habe ich die Vorlage zum Sticken diesmal mit Hilfe von Kopierpapier. Dieses mit Kreide(?) beschichte Papier, dass man eigentlich zum Kopieren von Schnitten nutzt. Letztes Mal habe ich ja Butterbrotpapier als Hilfe genutzt, doch bei der kleinen Schrift klappt das nicht. Man reißt den Faden beim Papierabpuhlen nämlich gleich mit raus und alles war umsonst. So ging es aber auch sehr gut. Vielleicht mache ich das jetzt immer so. Das Kopierpapier verwende ich ansonsten eh nicht mehr.


 Stickrahmen drum, Stopffüßchen drauf, Stofftransport aus und los.


 Von hinten. Einmal mit der Ovi und komischer Fadenspannung abgegekettelt. So kann ich ihn leichter auf die Jeansjacke nähen.


 Die Idee für diesen hier, kam mir mit einem Video von Dr. Phil. Doch bereits in den Vorbereitungen für diesen Aufnäher kam mir ein paar mal ein bisschen was hoch. Ich war im Netz auf der Suche nach Inspirationen für das Gestaltung des Schriftzugs. Gebt mal "Gutmensch" in eure Suchmaske für die Bildersuche ein (besser nur die angezeigten Bildvorschauen ansehen und nicht draufklicken). Naziseiten, -bilder, -propaganda. Teilweise der ekelhaftesten Kategorie. Irgendwo ist mir verloren gegangenen, dass Nazis den Begriff des bzw. den "Gutmenschen" gerne als Feindbild benutzen. Erscheint natürlich total bescheuert. Allerdings ist auch bekannt, dass ich mit allem, was auch nur ansatzweise nach braunem Mist riecht, ein ernsthaftes Problem habe. Zu lesen hier, hier und hier. Ich überlege nun also, ob es wirklich schlau von mir ist, mit diesem Begriff auf der Schulter durch die Gegend zu laufen. Ich bin ja gerne und ernsthaft ein guter Mensch und einige andere sicherlich auch. Dieser Aufnäher ist ja auch ernst und null ironisch gemeint. Außerdem mag ich das herrlich geschlechtsneutrale des GutMENSCHEN. Aber es ist eben auch ein Begriff aus dem Nazisjargon. Mit der Umdeutung von Symbolen ist das aber immer so eine Krux. Aus meinen Dharmapunxzeiten weiß ich, dass es auch eine Strömung gibt, die die Swastika von der Nazisymbolik loslösen möchten. Sie tragen sie als Anhänger und auf Shirts, klären auf und lassen sie sich sogar tätowieren. Dass diese Strömung vornehmlich von weißen, westlichen Menschen vorrangetrieben wird, ist auf einem anderen Blatt zu diskutieren... Allerdings kleben in Hamburg auch überall Aufkleber mit Sprüchen wie "Volk dich ins Knie" und so. Hier wird ja durchaus auch Nazisprech gegen eben jene angewandt. Ach, ich weiß es nicht.... Den Gutmenschen den Nazis entreissen und für die eigenen Zwecke nutzen? Kann das funktionieren? Ist das schlau? Was meint ihr?

 
 Vielleicht habe ich auch zu sehr meine Deutschlehrerin im Kopf: "Frau Jule, sie denken zu viel." Vielleicht nähe ich diesen Aufnäher erstmal auf meine Jeansjacke und gehe damit in Hamburg auf die Straße. Sollte sich da jemand zum Diskutieren finden und mich vom Gegenteil überzeugen, kann ich ihn ja auch wieder abtrennen. In Hamburg laufen ja zu genüge schlaue, linke und denkende Menschen herum. Mal sehen. Feldversuch. Auch in der Donnerstagssammlung.

Mittwoch, 22. März 2017

Sonnenküche


 Mittwochs mag ich die Frühlingssonne in meiner Küche. Wo ich am Sonntag doch schon bei der Wohnbloggerei war, können ein paar weitere heitere Bilder heute nicht schaden. Die Linde vorm Küchenfenster trägt noch keine Blätter und die Morgensonne fällt willkommen mild in die Wohnung.




 Gebammsel von Koni sammelt sich an der Küchenlampenkabelage. Ich stehe total drauf. Wenn gekocht oder gelüftet wird, ist Bewegung da.


 Regenbögen an der Wand sind nicht die einzigen Farbkleckse an der Wand.


 Und hinter den Pflanzen auf dem Küchenfensterbrett zeigen sich die ungeputzten Winterfensterscheiben in ihrer schönsten Form. Das Licht zeigt allerdings auch, dass diese Küche mal ein bisschen Farbe vertragen könnte. Das kommt dann auch demnächst. Wenn man die Fenster zum Lüften gut öffnen kann, ohne sich einen Schnupfen einzufangen. Sonnenschein macht übermütig.

Montag, 20. März 2017

Bummeln durch Göteborg #1


Was bisher geschah:
 
 Etwas über drei Stunden Zugfahrt von Stockholm und man stolpert in Göteborg aus dem Bahnhof. Leider zeigte sich auch meine Lieblingsstadt etwas grau. Aber davon muss man sich ja nicht unterkriegen lassen. Ich hatte Kaffeedurst und Lust noch ein bisschen Geld in der Stadt zu lassen. Ich checkte schnell im Hostel ein und dann ging es in meinen vorletzten Tag der Reise. Ich lasse einfach ein paar Bilder sprechen, auf die Gefahr hin, dass ich mich im Hinblick auf diese Stadt wiederhole.












 Das war irgendwie auch ein Motto des Tages. So viele schöne Trödelläden. Das blaue Haus kommt aus Göteborg, ein paar Mitbringsel habe ich auch noch eingesackt. Und unfassbar viel Kaffee getrunken. 


  Abends eine kleine Mondsichel über dieser wundervollem Stadt. Wie schön, dass sich wenigstens da die Wolken mal verzogen. Montagsfreuden!

Sonntag, 19. März 2017

7 Sachen # 10. 17

 Immer wieder Sonntags... 7 Bilder von Sachen, für die ich an diesem Tag meine Hände gebraucht habe. Ob für 5 Minuten oder 5 Stunden ist unwichtig. Nach einer Idee von Frau Liebe


1. Gedrückt: Auf den Auslöser. Neben dieser Interieurblogszene bin ich die letzten beiden Morgende aufgewacht und fand es so deppert surreal. Nichts inszeniert, alles zufällig so auf den Nachttisch geworfen. Sogar die Handcreme passte farblich zu den Tulpen. Ich musste ein bisschen lachen. So weit ist es also schon gekommen. Aber könnte schlimmer sein, als morgens lachen zu müssen, weil man sich fühlt, als sei man auf einem Blog aufgewacht...


2. Geknotet: Paketband, um zwei Teile zusammenzuhalten. Diletantismus in seiner feinsten Form.


3. Gestöpselt: Die Staubsauger ein. Antje und ich haben gestern eine schlimme Dillchipsschlacht hingelegt und abends die Krümel vom Sofa einfach auf den Boden gefegt. Sie musste heute morgen schon recht früh raus, ich schluffte so ein bisschen in den Tag.


4. Gestellt: Tee ans auf den Sofatisch. Schon wieder so eine bekloppte Szene. Nein, das ist nicht der gleiche Strauß Tulpen, wie neben dem Bett. Ich hatte am Freitag die Wahl zwischen 30 Stück für 6€ oder 50 für 8,50€ und ich habe in Mathe aufgepasst. Überall Tulpen in der Wohnung. Viel hilft viel.


5. Gestopft: Socken. Die guten, die meine Oma noch gestrickt hat. Kintsugi in Wolle. Ich mag´s, wenn´s geflickt aussieht. Gelebt, geliebt.


6. Gesteppt: Ich nähe eine Hemd für den Süßminister. Und einmal mehr verzweifele ich am Kragen. Das wird heute nichts mehr. Man muss wissen, wann man ein Projekt mal auf die Seite legen muss. Morgen klappt es vielleicht besser.


7. Gestrickt: Ein paar Runden. Mit Tee und Dokumentationen auf arte. Drecksregenwetter! Nachher bin ich allerdings noch verabredet. Ich sollte meine Gummistiefel suchen gehen. Habt einen schönen Restsonntag!

Samstag, 18. März 2017

Samstagskaffee und Netzfunde # 9


 Nein, dieses Bild ist nicht tagesaktuell. Es ist vergangene Woche entstanden, als ich mir ein paar Sonnenminuten auf meinem Balkon gönnte. Man konnte es da zumindest eine Kaffee- Smoothie- Keksschälchenlänge durchaus aushalten. Ansonsten bin ich lieber durch die Sonne spaziert und habe mir die grinsenden Menschen angeschaut.


 Die Marienkäfer mit Migrationshintergrund hatten auch schon Frühlingsstimmung. Ein paar Netzfunde habe ich aber trotz der vielen Rumtreiberei an der frischen Luft:

 Ich beginne mit MiMa. Dort hat vergangene Woche Hazels Rosenstrauch sehr zarte aber nachdrückliche Überlegungen zum Thema Engagement angestellt und fordert Radikalität jenseits der Altersgrenzen.

 Was ist eigentlich "nebenan" in Polen los? Ein Einblick in persönliche Empfindungen polnischer Menschen über die Entwicklungen gibt es bei Kleinerdrei"Ich glaube, privilegierte Menschen wie ich schulden es der Gesellschaft unser Wissen zu teilen."  (Zitat ebd.). Das Zitat mag eingebildet klingen, aber bei mir trifft es gerade einen Nerv und ich denke, dass das nicht nur in Polen Not tut.

 Apropos Abtreibungsverbot: Wer in und um Münster lebt, mag heute vielleicht noch gegen 1000 Kreuze auf die Straße gehen. Bei Feminismus im Pott gab es einen feinen Einblick in die Geschehnisse rund um die Veranstaltung von Menschen die Abtreibungen abschaffen wollen und jene, die sich dagegen stellen.

 Und die Niederlande? Von der Traufe in die Traufe. Es ist ja schon fast erschreckend, dass man sich über den Wahlsieg einer Rechtspopulistischen Partei freut. Weitere Einblicke gibt ein Interview über den "Unbeachteten Rechtsrutsch".   

 Es ist bedingt schlau, alle Nazis als dumm und geistig umnachtet darzustellen. Dass aber gerade das manchmal helfen kann, wenn man es beinhart durchzieht, zeigt ein Amt in Thüringen

 Liebe ist politisch. Wie schnell das gehen kann, kann man in einem Artikel bei Kleinerdrei nachlesen. Sehr schön das Zietat von Carolin Emcke aus einem dort verlinkten Artikel: „Normen als Normen fallen uns nur auf, wenn wir ihnen nicht entsprechen, wenn wir nicht hineinpassen, ob wir es wollen oder nicht“

 Ebenfalls beim kotzenden Einhorn fand ich in der vergangenen Woche den fabelhaften Ausdruck "Zivilisationshass". Kenne ich zu gut.

 Ich weigere mich ja beständig dagegen, mich selbst als Punkerin zu bezeichnen oder bezeichnen zu lassen. Nach diesem Interview mit Bela B. von den ÄRZTEN bin ich mir aber nicht mehr sicher, ob diese Gegenwehr gerechtfertigt ist....




Heute gibt es den Kaffee wieder ohne Sonne, aber gleich mit Nähmaschine. Da liegt einiges rum, was auf Fertigstellung wartet. Schnell noch zu Andrea und dann weiter.

Freitag, 17. März 2017

Die Sonne in die Frühlingsnase halten


 Mittwoch UND Donnerstag in Hamburg. Sonne. Pur. Fast den ganzen Tag. Welch rares Gut. Jeansjackenwetter. Freutage! Also raus. Ein paar Dinge erledigen und dabei und danach durch die Nachbarschaft spazieren. Schanzenbüttel nannten SCHROTTGRENZE das letzte Woche. Natürlich immer auf der sonnigen Seite der Straße und die Kamera im Anschlag.







 Faszination Baustelle. Vor allem diese ganzen roten Spanngurte, die Leitungen, Kabel und anderes in Position hielten. Fast schon Kunst.


 Am Mittwochmittag noch das leise Grummeln, was wohl wird. Das dachte der Mensch, der diese Fahne rausgehängt hat, sicherlich auch. Irgendwie steht sie ja für mehr als eine Verteidigungs- und Handelsgemeinschaft. Frieden, Reisefreiheit, Rechte, Hilfsbereitschaft, Pluralismus...



 Zeit der offenen Türen und Fenster.













 Und vorm Blumenladen eine laaaaange Hipsterschlange. Nur die Punkers fehlten mir irgendwie.