Dienstag, 14. Mai 2019

Marienkäfer zum Anpinnen


 Es gibt diese Anfragen von Menschen, die einem die schönsten Dinge auf den Nähtisch zaubern.


 Im Kinderuniversum drehen gerade ein paar Menschen frei. Da gibt es diese neue marienkäferhafte Superheldin. Da wurde Fanequipment gewünscht. Den passenden Stoff zu finden war nicht ganz einfach, aber irgendwann hatte ich ihn dann doch vorliegen. 


 So konnten aus dem Täschchen eine Menge kleiner Marienkäfer krabbeln. Alleine wegen der Bilder muss ich das heute mal ohne wahnsinnig viel Tamtam zeigen.


 Derzeit habe ich leihweise eine Buttonpresse im Haus und genau das war der Wunsch. Dem kleinen Fan konnten somit ein paar Utensilien zugetragen werden. Was tut mensch nicht alles.


 Und der ein oder andere Marienkäfer darf dann auch noch bei mir rumspazieren. Ein wenig Glück kann ja auch nicht schaden. Dienstagssammlung, die nach kurzer Pause auch wieder da ist. Was für ein Glück.

Samstag, 11. Mai 2019

Samstagskaffee und Netzfunde # 11. 19

 
 Hamburg hat mal wieder Ferien eingeläutet. Für mich heißt das gerade mal, dass ich die Kids eine Woche lang nicht sehen werde. Dafür liegt hier ein Arsch voll Arbeit. Die Zeugnisse nahen und es gibt noch viel zu korrigieren. Keine Noten geben zu müssen ist fein. Zeugnistexte zu schreiben dagegen nicht so sehr. Es hat immer alles einen Haken. Echte Wertschätzung ist eben auch Arbeit. Über die vergangene Woche viele Worte zu verlieren, wäre müßig. Immerhin habe ich es gestern mal wieder nach Monaten geschafft, meine Ferien mit einem anständigen Saunagang zu beginnen und konnte Abends den Barkeeper in einem der letzten ernstzunehmenden Hamburger Jazzclubs bezirzen, mir einen veganen Pisco Sour zu mixen. Sauer macht lustig und so war´s dann auch. Die Musik ganz fabelhaft. Allerdings hätte ich zwischenzeitlich gerne die Stühle und Tische beiseite geräumt und ein wenig getanzt. Später dieses Wochenende wird auch das noch folgen.



 "[...]Nichtwähler*innen gilt es klarzumachen, um welche existenziellen Themen es bei der Europawahl geht. Das lässt sich nicht erreichen, in dem man Europa als heile Welt zeigt. Warum soll ich auch wählen gehen, wenn eh alles in Butter und Konfetti ist? Eine Satirepartei hat vorgemacht, wie das ginge.[...]" (Zitat ebd.)

 Die Diskussion um den Hijab finde ich persönlich schwierig. Schwierig vor allem deshalb, weil sie zu oft von Menschen geführt wird, die von der Entscheidung ob mit oder ohne Kopftuch, gar nicht betroffen sind. Ich erlaube mir zum grundsätzlichen Thema keine Meinung, weil es nicht meines ist, weil ich nicht betroffen bin, weil das Thema für mich als Außenstehende viel zu vielschichtig ist. Mal wieder so ein Paradebeispiel, wie man sich über andere stellen kann, liefert leider Alice Schwarzer. Das ist so, wie wenn Männer über Geburtenkontrolle entscheiden. Oder so. Wenn intersektional diskutiert wird, dann bitte doch mit (!!!) betroffenen Menschen und nicht über sie.

 " "Wenn die Kids Lionel Messi und Cristiano Ronaldo sehen, die in Nahaufnahme 'Say no to racism' sagen, dann hat das eine ganz andere Wirkung, als wenn das ein Trainer oder Sozialarbeiter tun würde", sagt Felix. Diese Kampagnen seien der richtige Weg und trügen einen großen Teil zur friedlichen Atmosphäre auf den Fußballplätzen bei. Man müsse als Trainer Toleranz und Freundlichkeit an "seine Jungs" weitergeben, findet er. "Und wenn man dabei noch von den Weltstars im Fernsehen unterstützt wird, ist das natürlich super."" (Zitat ebd.). Ein wichtiger Punkt auch in den Freizeitvereinen der Kids. Nichts ist unpolitisch. 

 Am Donnerstag schrieb ich noch etwas über Gangsterrapper. Meine Kritik war wohl doch etwas zu harmlos... Das sind eben auch die Vorbilder der Kids... Da muss mensch ja wirklich zusehen, dass da noch ein paar brauchbare Vorbilder daneben stehen, die nicht so eingestaubt sind wie Sacco und Vanzetti.

 Einsamkeit ist echt ein Dreckstück. Ein schöner Kommentar dazu, weshalb man aber vorsichtig sein sollte, lediglich die Emotionen anzugehen und die Gründe aus dem Blick zu verlieren, findet sich hier. Hilfreich dazu wohl dann auch der großartige Song von OLLI SCHULZ- So lange einsam. Aber zum Alleine sein braucht es eben auch manchmal Hilfe.

 Scheidung als Resilienzfaktor? Da muss mensch vermutlich oft lange buddeln. Ich kenne nur (!!!) stapelweise Negativbeispiele, sowohl in privaten als auch in beruflichen Kreisen. Unfassbar traurig. Wie gut, dass es offensichtlich auch in der Öffentlichkeit positive Beispiele gibt: " [...]welchem Kind geschiedener Eltern ist geholfen, wenn immer nur darüber geredet wird, dass sein Immunsystem schwächer als das anderer Kinder ist und es womöglich selbst mal eine verkorkste Beziehung führen wird?" (Zitat ebd.) Auch das stimmt eben. 

 DIe Schönheit des Bloggens, hat in dern vergangenen Wochen Karin mal wieder bewiesen. Ich war ganz schlimm begeistert über ihren Blogbeitrag zum Thema Bauhaus, in Verbindung mit feministischer Historie und Handarbeit. Solcherlei Beiträge sollte ich vielleicht mal wieder öfter suchen und vor allem finden. Danke Karin, dafür! 



 Bei Andrea vorbei und dann ein bisschen Energie tanken, bevor die Arbeitswoche ohne Kinder startet. 



Donnerstag, 9. Mai 2019

Sacco, Vanzetti und die Moderne


 Manchmal verstehe ich Dinge in Hamburg nicht. Das hier ist eines der verwirrendsten Wandgemälde der letzten Wochen. "Sacco und Vanzetti" sind mir durchaus ein Begriff. Für alle Unwissenden hier nachzulesen. Von JOAN BAEZ vertont, von FRANZ JOSEF DEGENHARDT aufgegriffen und auch eine Punkrockversion von NORMAHL gibt es von der Hymne auf diese Menschen. Der kleine Schriftzug darunter stach mir da fast weh ins Auge. "free Gzuz". Damit ist mitnichten der langhaarige Typ aus der Krippe oder am Kreuz gemeint. Das ist ein Stadtbekannter Rapper und Teil der 187 STRAßENBANDE, die in Hamburg für berüchtigten Gangsterrap mit allen Schikanen (im wahrsten Sinne) stehen. GZUZ saß auch schon im Knast und ist so nen ganz böser Tüp.


  Vielleicht meinte hier jemand, die Nähe zu Sacco und Vanzetti könnten da einen neuen Heldenepos hervorrufen. Für die Kids der Stadt ist GZUZ defintiv heldenmäßiger (weil bekannter) als Sacco und Vanzetti. Ob die optische Nähe hier irgendwann auch mal thematische Nähe erzeugen wird, mag ich zu bezweifeln. GZUZ kommt hier jedenfalls merklich und berechtigterweise kleiner weg, als Sacco und Vanzetti. Wahlweise ist an dieser Wand für alle was dabei. Ich nehme Sacco und Vanzetti! Das nur zu Moderne und Vergangenheit... Oder so.

Dienstag, 7. Mai 2019

Für die Zukunft der Kinder


 Kinderkleidung genäht habe ich in letzter Zeit auch mal wieder. Kam schon lange nicht mehr vor. Jetzt ist so einiges unter der Nadel hervorgesprungen. Dieser Pullover darf da heute mal Stellvertreter sein. (Das primär, weil die Bilder von den anderen Sachen irgendwie nicht so prall geworden sind)


 Ich hatte vor kurzem ein paar von diesen Aufnähern erstanden. Und die mussten jetzt halt mal wo drauf. Gut, wenn man da Kinder kennt, die man mit so etwas glücklich machen kann. Dabei dachte ich mal wieder über dieses Kinderthema nach. Nicht nur alleine. Da draußen gehen gerade eine Menge junger Menschen für ihre Zukunft auf die Straße. Viele von ihnen sind dem Alter, in dem man sie als Kind bezeichnet, gerade erst entwachsen.


 Dabei geht es ihnen am Lautesten um die Welt auf der wir leben. Die Fridays For Future Sache ist ein ernstes Thema für sie. Selbst für mich vermutlich weniger. Und was tue ich dazu? Umweltpolitik im ernsteren Sinne war nie meines. Ich komme damit immer nur in Berührung, wenn ich mir mal wieder einen blöden Witz oder Spruch aus der Vegansektion anhören muss. Da die Ruhe zu behalten fällt mir ebenso schwer, wie den Jugendlichen, die gerade die Schule schwänzen. Vielleicht kann ich sie darum so verdammt gut verstehen. Und ich schäme mich da zu oft für meine und die naheligenderen Generationen, die nichts tun, außer Veganwitze zu reißen. Die sich lustig machen über politisches Engagement und denn Sinn dahinter negieren. Die meinen, eine zweite Welt wäre vorhanden, die die Kinder zu mehr Leistung und Disziplin antreiben. Für eine Zukunft, die sie im Grunde nicht haben werden, weil wir sie ihnen kaputt gemacht haben.


 Frau Jule hat ein großes Herz für Kinder. Dafür braucht sie keinen eigenen. Es gibt genügend Kinder auf der Welt. Ich kann da nur hoffen, dass ich ihnen ein gutes Beispiel sein kann. Dass ich sie stark machen kann, dass ich alles was in meiner Macht liegt, tue damit sie eine gute Zukunft haben. Ich tue das nicht für mich und auch nicht für den Fame. ich tue das nicht für meine Kinder, denn ich habe keine. Ich tue das "einfach" "nur".


 Die Zukunft der benähten Kinder werde ich wohl nur teilweise mitbekommen. Ich kann nur unken, orakeln und hoffen. Für diesen Pulli musste jedenfalls kein Kind schuften. Aber ein Kind wird ihn tragen und sich darin hoffentlich wohl fühlen. Das ist nur eine kleine Tat. Aber es sind eben diese. Menschen(s)kindersammlung.

Sonntag, 5. Mai 2019

7 Sachen # 12. 19

 Immer wieder Meistens Sonntags... 7 Bilder von Sachen, für die ich an diesem Tag meine Hände gebraucht habe. Ob für 5 Minuten oder 5 Stunden ist unwichtig. Nach einer Idee von Frau Liebe


1. Geteilt: Fiesbunte Zuckerwatte auf dem Straßenfest. Machte Zungen blau. Auch in Kleinstmengen.


2. Gewaffelt: Sonntagssüß, weil Zuckerwatte nicht reichte. Außerdem war das viel gemütlicher in meiner Küche als auf dem Straßenfest.


3. Gezockt: Drei (!) Stunden (!!) Tischtennis. Die Open Air Saison wäre damit amtlich und offiziell eröffnet.


4. Gedrückt: Auf den Auslöser. Kommt nicht ganz an den berühmten Hamburger Fußbodenschleifmaschinenverleih ran, trotzdem schön. Ach du wunderbare deutsche Sprache.


5. Gedreht: Die Waschmaschine an.


6. Geblättert: Im Buch, dass am Mittwoch im Lesekreis besprochen werden soll. Ich muss mich ein wenig ranhalten. Der Vorschlag kam auch noch von mir....


7. Gesonnt: Mich ein wenig neben der Monstera in meinem Wohnzimmer.

 Kann es kommende Woche bitte wieder etwas wärmer werden? Bis dahin die wichtigen Worte zum Sonntag: Bleibt auf jeden Fall gesund! Helft einander, seid dankbar, arbeitet an eurer Selbstfürsorge, passt auf euch und andere auf, seid freundlich, wertschätzend, ehrlich und zuverlässig. Bleibt antifaschistisch! Habt eine gute Woche.

Samstag, 4. Mai 2019

Samstagskaffee und Netzfunde # 10. 19


 Uuuuups, hat niemand gemerkt, dass ich diese Woche einfach mal vergessen habe einen Blogeintrag online zu stellen? Oder? Das ist mir wirklich das erste Mal passiert. Da hatte ich so ordentlich vorbereitet und dann nicht freigestellt. Tz! Das war am Dienstag. Irgendwann im Laufe des Tages fiel es mir dann auf. Später online stellen wollte ich dann aber auch nicht. Kommt er halt verspätet. Stört auch keinen großen Geist. War ja sonst viel unterwegs.


 Der 1. Mai ist nämlich so ungefähr der einzige "Feier"tag, den ich wahrhaftig ernst nehmen kann und dies auch tue. Dieses Jahr war ich tatsächlich "nur" auf einer Demo, da aber ordentlich aktiv. Es gibt immer noch erste Male im Leben. Z.B. dann auf einmal auf nem Lautsprecherwagen stehen und eine wilde Rede für den Antifaschismus schwingen. Ansonsten blieb es ruhig in Hamburg. Selbst der übliche Feuertrouble blieb in diesem Jahr in Folge aus. Da erzähle mir doch noch einmal jemand was über "linke Gewalt". Spannend in dem Zusammenhang, dass im Osten die Faschos mit Beganlos in den Händen demonstrieren durften, in Hamburg der Zug um die Demo "Rotes Altona" wegen solcherlei Spaßbeflammung aber gestoppt wurde. Auf dem rechten Auge blind, oder was? Immerhin lobte die Bullizei die Demos in Hamburg öffentlich. Ich musste lachen. Eins mit Sternchen, oder was? Fast niedlicher als es in Wahrheit ist...

 Wie die Faschos den 1. Mai so missbrauchen, kann man z.B. hier nachlesen oder gar hier. Da wird einem ganz anders. Andere Gewerkschaften haben wegen ihrer antifaschistischen Postitionierungen auch am 1. Mai gerade eine Menge fiesen Ärger am Hals. Da heißt es laut gegen Rechts bleiben, sich solidarisch zeigen und niemals müde werden.

 Kleiner Nachschlag zum Fall der Ida-Ehre-Schule in Hamburg. Nur damit solcherlei Vorfälle als Vorwarnung und Achtsamkeitsübung nicht in Vergessenheit geraten.


 Ein paar andere Netzfunde zu weiteren Themen gibt es auch noch:

 Über Pflaster und Rassismus habe ich mir ehrlich gesagt noch nie Gedanken gemacht... Bei mir gibt es zum Glück eh immer nur wild gemusterte genderneutrale Kinderpflaster. Mal wieder aus Versehen was richtig gemacht.

 Über Gefühle der Einsamkeit reden ist schwer. Was für eine geniale Idee, im Klassenverband sichtbar zu machen, dass man mit solchen oder solchen Gefühlen nicht alleine ist. Das merke ich mir auf jeden Fall.

 Mareice hat eine Ode an den Kindergarten geschrieben. Gerade das Ende war einmal mehr sehr herzerwärmend. Die Erziehenden in meinem Umfeld fühlten sich sehr gebauchpinselt. 

 Irgendwann brauche ich auch noch mal ein Tattoo mit Nähhintergrund. Diese tattowierten Patches und Kreusticheleien fand ich schon mal sehr inspirierend.

  Bestes Erlebnis in schulischen Zusammenhängen: Morgens vor Unterrichtsbeginn, stolpert mir ein Kind aus der Parallelklasse meines Jahrgangs vor die Füße: "Frau... Frau... äääähhh... Frau.... (offensichtlich fiel dem Kind mein Name in der Hektik nicht ein) Frau Antifa könnten sie uns bitte die Klasse aufschließen?" Frau (!!!) ANTIFA!!!! Hammer!!! Ich wusste nicht, ob ich vor freudigem Lachen umfallen oder vor Rührung in Tränen ausbrechen sollte. Ich fühlte mich so hart gebauchpinselt. Weiß meinen Namen nicht, aber das wofür ich stehe. Kinder!!! Hach!!! Die Klasse habe ich nicht aufgeschlossen. Da gibt es morgens immer nur Stress in den zu engen Räumen und den Schuh will sich niemand anziehen. Das wissen die Kids eigentlich auch, versuchen es nur immer wieder. In diesem Sinne schließe ich mir jetzt aber mal ein entspannendes Wochenende auf. Noch bei Andrea vorbei und dann hoffen, dass ich mir die Nase nicht abfriere. Habt es fein!

Donnerstag, 2. Mai 2019

Konsum ist doof


 Was wollte ich nochmal sagen? Ich habe keine Ahnung. Früher gab es hier ja mal mehr Beiträge mit Funden vom Trödelmarkt. Mittlerweile eben gar nicht mehr. Lediglich ein paar Klamotten gab es letzten Sommer noch wegen der Körperveränderung. War nötig. Ich habe alles was ich brauche. Eigentlich schon mehr als das. Das wird mir immer dann klar, wenn ich über die Berge von Stoff stolpere, die sich bei mir mittlerweile angesammelt haben und die in keinem Schrank mehr Platz finden. Von potentiellen Nähprojekten will ich gar nicht reden.


 Aber dieses Konsumteufelchen ist irgendwie schwer rauszubekommen. Nachdem Ende meiner Ausbildung, mit der ersten eigenen, großen Wohnung und dem notwendigen Geld auf dem Konto, ging es los. Nach dem Ende der WG-Zeit braucht man eben so einiges. Doch wann es genug war, habe ich irgendwie ein bisschen verpasst. Wer nicht? Ich würde meine Wohnung nicht als verstopft bezeichnen, aber es ist eben ziemlich viel Zeug. Auf der anderen Seite hänge ich an dem wenigstens wirklich ernsthaft. "Häng dein Herz nicht an Dinge. Unter dieser Prämisse habe ich nichts gegen das Sammeln von Zeugs.", irgendwie so frei nach Maude aus dem großartigen Film "Harold & Maude". Das ist auch mein Motto. Gewesen. Lange. Nun ist seit einiger Zeit Schluss. Es ergab sich so. Ich mache einen Bogen um Läden für Krams, Trödelmärkte, Sozialkaufhäuser und sogar Tauschhäuser (höchstens was reinstellen). Ich kaufe noch Essen, Bücher, Verbrauchsmaterialien des alltäglichen Lebens, Konzertkarten, Musik auf Silberlingen. Ende. Kaputtes wird ersetzt. Eine neue Espressomaschine und ein neuer Wasserkocher mussten Ende letzten Jahres her. Ebenfalls brauche ich bald eine neue Kaffeemühle und eben einen neuen Fernseher. Mittlerweile ist das alles gar nicht mehr so schwer. Irgendwie war das fast ein schleichender Prozess. Manchmal rutscht mir ein Fanartikel für eine politische Richtung, Band oder einen Fußballverein durch. Meistens Shirts. Oder so. Doch was "Shopping" so für einen Stellenwert hat, ist doch ein bisschen wüst. Am Anfang war das echt nicht so einfach. Mittlerweile kann ich aber ganz gut Bummeln. Das ist dann so, wie ins Museum gehen. Schöne, spannende, lehrreiche Dinge anschauen. Beim Bummeln darf man sogar anfassen. Sogar in Stoffläden bekomme ich das öfter hin. Allerdings bin ich da vor Kurzem auch mal wieder grandios gescheitert...


 Konsum ist blöde, will ich sagen. Er umfängt einen mit Tentakelarmen und flüstert einem die ganze Zeit ins Ohr, was man eben sonst noch so brauchst. Gerade feiern alle diese Ausmiststrategien ab. Ich habe mich da nie ernsthaft mit auseinandergesetzt. Geht es da eigentlich auch um Konsumkritik oder ist das wieder so nen neues Ding, womit sich die Ober- und Mittelschicht vom Rest abgrenzen will? Will ich gar nicht mitmachen. Ich habe Kram. Zuviel. Aber das ist okay. Meine großen Klamotten lagern in einer großen Kiste auf dem Dachboden. Sollte da mal wieder mehr auf den Hüften landen, habe ich eben noch was Passendes. Andersrum war das auch eine super Sache. Erstmal checken, dass nichts Neues her muss. Das ist das Ding. Und wie bescheuert dieser Überfluss doch erscheint, wenn man mal den Blick über den Suppenschüsselrand wirft. Da wird einem ja auch nochmal ganz anders zumute. Mittlerweile würde ich glatt sagen, dass es leichter war, vegan zu werden, als sich aus dem Konsum zu verabschieden. Kann man sich ja auch mal auf der Zunge zergehen lassen....


 Wie schwer das eben wirklich doch manchmal so ist, merkte ich, als ich diese drei Schätzchen in einem Kölner Sozialkaufhaus in die Hände bekam. Der Deckel der Kanne ist nicht der passende, aber seis drum. Bei den aufgerufenen fünf Euro bekam ich kurz Schnappatmung vor Begeisterung. Ich bin halt auch nicht päpstlicher als der Papst... Niemand ist perfekt. Aus dem Schüsselchen knuspere ich jetzt immer Nüsse, Gemüse- oder Obstschnitze und die Kanne freut sich schon auf den Sommer, wenn es wieder Eistee gibt. Meine kranken Augen erfreuen sich an den Farben. Vielleicht muss das eben doch auch mal sein. Kleine Dinge. Und vielleicht auch irgendwie ein bisschen Backflash, als es noch eine Wohnung ernsthaft einzurichten galt und das Leben wild war. Erste Anzeichen von Alter, fürchte ich. Damit lasse ich das mal so stehen und alles weitere eben in den Regalen und Wühlküsten der Läden.