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Dienstag, 8. September 2020

Nicht stark sein müssen sondern durchflauschen

 

  "Du bist so eine starke Frau!", in den letzten Jahren musste ich mir das öfter mal anhören. Und ich kann es nicht mehr hören. Es ist mal wieder so ein "Kompliment", welches ich nicht mehr hören möchte. Es verhält sich mit diesem Attribut der "starken Frau" so ähnlich wie mit Komplimenten zu meiner Figur. Denn so ähnlich wie für meine Figur kann ich nichts für meine Stärke. Es ist nichts, was ich mir ausgesucht habe. Ich musste so oft so stark sein, sonst wäre ich vor die Hunde gegagenen. "Du bist so eine starke Frau!" könnte in meinem Fall auch gleichgesetzt werden mit "Unglaublich, dass du atmest." An dieser Stelle könnte ich jetzt der Frage nachgehen, warum Männer das eher seltener zu hören bekommen. Aber darum soll es heute nicht gehen. Mein Blog, meine Regeln. 
 

   Ich lebe seit 20 Jahren alleine. Ein bisschen WG- Zeit, ein paar wenige Freundesmenschen, Affären hier und da, Freundschaft Plus und sonstige Agreements. Aber nichts, was irgendwie was mit einem gemeinsamen Leben oder Alltag zu tun hatte. Warum das im Zusammenhang der "starken Frau" wichtig ist? Ich bin in vielen Situationen meines Lebens auf mich gestellt. Die kleinen Krisen wie kaputter Kühlschrank oder PC bis hin zu Todesfällen oder Hochzeitsfeiern. Wenn ich nicht selbst aktiv werde, bekomme ich keine Unterstützung, keinen Beistand, keine Hilfe, keine Begleitung. Und wenn ich aktiv werde, dann muss ich auch noch das Glück haben, dass jemand zufällig Zeit oder Muse oder Können für mein Problem hat. Wenn es mir gut geht, bekommt das keiner mit, wenn es mir schlecht geht auch nicht. Es feierte niemand mit mir einfach so meine Examen, meine neuen Jobs, meine Geburtstage, meine großen und kleinen Erfolge. Es steht keiner an meiner Seite, wenn ich angepöbelt oder von Faschisten bedroht werde oder doofe Dinge hinter meinem Rücken über mich verbreitet werden. Niemand solidarisierte sich mit mir, stellte sich an meine Seite oder gar vor mich. Meistens war ich in diesen Situationen alleine, andernfalls hat jemand anders die Zähne nicht auseinanderbekommen. Vielleicht hatte ich Glück und bekam hinterher jemanden ans Telefon für Kummer und Freude, wenn nicht gerade die Kinder ins Bett oder Lebensabschnittsbegleitungsmensch bekocht oder gelüftet werden musste.
 

 
 Meistens war es eher so "Arschbacken zusammenkneifen und selber regeln". Meistens ist es in Krisen dann ja auch so, dass die Krise schon so viel Energie zieht, dass man auch nicht in der Lage ist, sich irgendwo Hilfe zu holen. Und wenn dann eben nicht zufällig jemand vorbeikommt oder gar mit einem zusammenlebt aus Bereitschaft gegenseitiger Verantwortung und Fürsorge, dann muss man eben stark sein. Da hilft ja im wahrsten Sinne des Wortes wirklich nichts. Und ganz ehrlich: Ich möchte keine starke Frau (mehr) sein. Nach 20 Jahren alleine, merke ich auch zunehmend, dass mir die Puste ausgeht. Eigentlich ist sie schon seit knapp zwei Jahren aus. Dabei versuche ich das Gefühl, zu vermeiden, mich wie eine Verräterin am Feminismus zu fühlen. Eine Frau, die nicht ohne Kerl kann, eine Single, die nicht glücklich ist. Aber ich denke nach 20 Jahren, darf ich jetzt auch einfach mal fertig bis zum Anschlag und nicht mehr stark sein. Oh und komme mir bitte jetzt niemand mit der Bedeutsamkeit und Hilfe durch gute Freundschaften, einem Hund, Katzen oder einer WG. Es gibt einen gravierenden Unterschied zwischen diesen Dingen und einer (Liebes-)Beziehung (ahne ich).


   Der Lockdown, das Homeschooling, das physical distancing entspannten mich da tatsächlich extrem. Ich musste nicht aushalten, mich nicht zusammenreißen, weil ich doofen Menschen begegnen musste. Musste nicht raus und all die happy Menschen sehen, bekam nicht ständig unter die Nase gerieben, was hier fehlt. Musste keine Menschen treffen, die mir RatSCHLÄGE geben, konnte bei mir und meinen Gefühlen bleiben. Musste mir nicht sagen lassen, dass ich ja so eine starke Frau sei. Oder dass ich aus dieser Situation ja nur gestärkt rausgehen werde.
 
 
 Vor allem bin ich der Gefahr entronnen, nochmal so Menschen wie in den letzten Jahren zu treffen. So Menschen, die sich an meiner Stärke bedienen, sie konsumieren, mich auslutschen und dann sang- und klanglos verschwinden oder maximal noch eine Textnachricht hinterlassen. Menschen die sich das Beste von mir krallen. Ja, auch dumm von mir das zuzulassen. Aber diese Menschen waren und sind geschickt. Sie schmierten mir Honig ums Maul, machten kleine Dinge gut. Viele von ihnen machten mir dieses "starke Frau" Kompliment, äußerten ihre Bewunderung darüber. Es entbindet sie davon, selber stark zu sein, weil ich es ja bin.
 

 
 Ich möchte nicht stark sein. Nicht stark sein müssen. Ich möchte auch mal schwach sein dürfen. Ich möchte mal für meine schwachen Seiten geliebt werden. Für´s Da(-)sein, nicht für´s Tun. Ich möchte mal gemocht und geliebt werden, ohne was dafür tun zu müssen. Ich möchte nicht mehr stark sein und kämpfen (müssen), sondern lieben dürfen. Ich kann es auch nicht mehr. Ich würde mir wünschen, dass auch mal jemand anderes (für mich) stark ist. Sich solidarisiert, hinter mir oder an meiner Seite steht. Sich bestenfalls auch mal vor mich stellt. Ich habe so viel Scheiße erlebt, die mich gezwungen hat, stark zu sein. Wäre ich nicht stark gewesen, geblieben, hätte ich auch aufhören können zu atmen. Und irgendwie komme ich mir schon beim Tippen dieser Zeilen wieder doof vor, weil sie so viel Stärke erfordern, von der ich das Gefühl habe, dass sie gar nicht mehr da ist. 
 
 
 Was ich sagen will: Es gibt so viele starke Menschen. Aber meistens weiß man gar nicht, warum diese Menschen so stark sind. Was sie durchgemacht haben, was sie durchmachen mussten. Vielleicht fragt ihr mal lieber, ob diese starken Menschen erzählen möchten, was sie so stark gemacht hat. Da gibt es dann eine Menge zu entdecken. Vieles davon wird sicherlich nicht schön sein, aber es wird lehrreich sein und vielleicht steckt hinter dieser Stärke und den damit verbundenen Geschichten ein Mensch, für den es sich lohnt stark zu sein. Und vielleicht kann dieser Mensch dann einfach mal wieder atmen. Mich dürft ihr auch gerne fragen, aber bewundert niemals meine Stärke, denn dahinter stehen eine ganze Menge gruseliger Geschichten. Darum möchte ich auch kein Vorbild sein. Die meisten meiner Geschichten wünsche ich keinem. Ich würde mich auch gerne mal einfach so durchflauschen, statt durchboxen. So wie mit meinem neuen Flauschschal. Vielleicht hilft der vorerst auch einfach, um mich warm anzuziehen, gegen all das, was mich kämpfen lassen muss....
 

Mittwoch, 2. September 2020

Lächeln gegen mieses Männlichkeitsimage


  Männlichkeit hat ein Imageproblem und ich checke nicht, warum es keinen Aufstand gibt. Männlichkeit tritt auf als laut, pöbelnd, rücksichtslos, unzuverlässig, diskriminierend. Unfähig, weiche Gefühle zuzulassen, auszuleben. Kurz: Männlichkeit wird an so vielen Ecken mit "Arschloch" gleichgesetzt. Ich checke es nicht. Was in den letzten Jahren durch die Medien zum Thema (toxische) Männlichkeit ging, bestätigt wurde, die Welt leiden lässt ist mehr als gruselig. Missbrauch, Vergewaltigung, Kriege, Ausbeutung, Zerstörung. Was mir persönlich in den letzten Jahren, in meinem Leben mit Männlichkeit passiert ist ist grausam. Ich checke es nicht. Warum gibt es eigentlich aus Ecke der Männlichkeit keinen Aufschrei, keinen Wunsch, dieses ekelhafte Image aufzupolieren, einen Imagewandel zu vollziehen. Mal den Kinderwagen um die Ecke schieben, meine ich damit nicht. Warum packt Männlichkeit nicht Männlichkeit am Schlafittchen und sorgt da mal für Anstand?


 Und es sind auch diese kleinen, "alltäglichen" Unhöflichkeiten, die mir persönlich den Kontakt mit Männlichkeit massiv erschwert. Blicke, Kommentare, kleine Anzüglichkeiten in Gesprächen. Nein, das sind keine Komplimente. Nein, es ist kein Spaß. Über Anpöbeleien habe ich schon öfter geschrieben. Hier und hier und hier. Vielleicht fällt mir das verstärkt auf, je alleiner ich mich fühle. Mittlerweile mag ich zu bestimmten Uhrzeiten gar nicht mehr in bekannten Ecken unterwegs sein. Immer noch nicht wegen Angst, sondern wegen belastender Spaßverderbung. Selbst Fachmänner nerven mich. Im Baumarkt frage ich aus Prinzip nur noch Mitarbeiterinnen. Keinen Bock auf Mansplaining. Selbst der angekündigte Besuch vom Heizungsableser oder Kammerjäger in meiner Wohnung macht mich mittlerweile komplett nervös. Ich hätte gerne mal wieder meine Ruhe. Nicht immer angespannt sein, um irgendwas mindestens innerlich abzuwehren. Und ich möchte das nicht nur dann haben, wenn ich einen Mann an meiner Seite, ergo einen Partner habe. Alleinstehende Frau ist kein Freiwild. Männlichkeit, kümmere dich doch bitte mal um dein Image. Ich hätte da eine schöne Geschichte:


 Neulich so ein sonniger Samstag. Ich war alleine unterwegs, hatte Balkonequipment in einem Hipsterviertel gekauft und ein leckeres Eis verspeist. Ich hatte die Kamera in der Tasche und hatte schon auf dem Hinweg viel Streetart fotografiert. Auf dem Rückweg hatte ich die Stauden im Beutel über der Schulter und die schicke neue gelbe Gieskanne in der Hand. Ich schlenderte über meine Schleichwege nach Hause. Irgendwo saß ein Mann etwa in meinem Alter auf einer wohl selbst rausgestellten Bank vor einem Haus und trank Bier. Ich hatte ein paar Häuser vorher ein schickes Kunstwerk gesehen, wollte es fotografieren und stellte dafür meine Beute kurz ab. Aus den Augenwinkeln konnte ich sehen, wie er mich beobachtete. Ich musste auf dem weiteren Weg an ihm vorbei. Es war so eine typische Situation, die oft nichts Gutes brachten. Ich packte die Kamera weg, schulterte meine Beute und straffte mich innerlich. Ich blickte ihn an und er lächelte mich einfach nur an. Ein extrem charmantes Lächeln von einem offensichtlich glücklichen oder wenigstens zufriedenen Mann, mit Bier in der Sonne. Ein friedliches Lächeln. Vielleicht fand er meinen leicht abgedrehten Auftritt mit gelber Gießkanne und Blumen im Beutel gut, vielleicht das Wetter, vielleicht das Interesse an Kunst und Fotografie, vielleicht hatte er einfach nur einen guten Tag, vielleicht war er einfach nur einer der guten Männer. Alles in mir fiel ab, die ganze Anspannung und irgendwie zwinkerte ich ihm sogar zu, ging an ihm vorbei und es kam kein Spruch, Kommentar oder sonstwas, was in dieser Situation möglich gewesen wäre. Es war "nur" ein ehrliches Lächeln. Und genau das könnte ich wirklich einfach öfter mal haben. Vielleicht einige andere Geschlechtsgenossinnen ebenfalls. Und das Image von Männlichkeit auch ganz dringend. Und wie abgedreht ist es eigentlich, dass ich wegen eines Männerlächelns einen Blogbeitrag schreibe? Weil es leider so wenig normal zu sein scheint, dass es Erwähnung verdient.... 

 

Mittwoch, 3. Juni 2020

Frauenlob


Alter Plunder. Weckgläser. Werden hier gerne für so einiges, vor allem als Blumenvasen genutzt. Neulich dann der Fund mit dem Lob auf die Frau. Jaja, lobe die Frauen und sie schmeißen sich an Kinder, Küche, Kirche. Ganz fleißig. Ohne mich!


 Kinder, Küche, Vaterland? Meine Antwort: Widerstand! Oder wenigstens energische Verweigerung. Das nur mal so am Rande. Dennoch musste das Glas mit und darf etwas für mich tun.

Freitag, 8. Mai 2020

Neulich so


 Hatte ich kürzlich einen sehr großen Backflash? Oh ja. Nach der Lektüre von "Der Abfall der Herzen" wühlte ich mich ein wenig durch meine Schränke und wollte mal wissen, wie das damals bei mir eigentlich alles so war. Huh! Alte Bücher, Musik, Tagebücher. Geschichten.


 Politisch hatte ich vor 15/20 Jahren defintiv eine Krise. Die Antideutschen versauten einem in jeder linken Nische den Spaß. Mackertum, Antiislamismus, Antifeminismus, gefühlt drehte sich alles nur um Israel. Selbst wenn es um die Planung von Protesten gegen Studiengebühren ging. Adorno wurde paraphrasiert und als Frau* hatte man eh nichts zu kamellen, höchstens den Tofu anszubraten für die VoKü. Ich hatte damals keinen Bock darauf. Vielleicht auch keine Kraft. Andere Frauen* mit dem Problemgebiet habe ich damals leider nicht getroffen. In den Politologie- und Soziologieseminaren zu viele der oben genannten Macker, in der Sonderpädagogik zu viele weichgespülte Kuschelpädagogikmenschen, die lieber nicht zu weit über den Tellerrand blicken wollten. Ich erinnere mich, wie ich mit meinen kleinen Geschlechtskonstruktivismusforschungen im Raum Schule und Sexualerziehung für geistig behinderte Menschen aneckte. Irgendwo brauchte ich mal ein bisschen Ruhe. Es war die Zeit des Emo. BUKOWSKI, ÖZDOGAN, JIMMY EAT WORLD, DASHBOARD CONFESSIONAL, Coming of Age, Beziehungsgeschichten und vieles mehr. Männer* haben auch Gefühle. Und zwar mehr als Hunger, Durst und Hass. Vermutlich waren diese ganzen Emokerle damals die ersten, die irgendwie eine leise Ahnung davon hatten, dass sie ein Opfer ihrer männlichen Sozialisation waren. Wie oft kochten da die Anfeindungen hoch. Doch sie trauten sich, zu ihren nicht männlichen* Gefühlen zu stehen. Leider waren damals dann auch oft immer noch Frauen diejenigen, die der Auslöser für diese Gefühle waren (Stichwort "Liebeskummer") oder am Ende doch die emotionalen Aufräumarbeiten vollziehen mussten. Der Begriff der toxischen Männlichkeit war damals noch unpopulär.


 Vielleicht waren diese gefühlvollen Männer*, die ich mir damals reinpfiff, genau die Wegbereitung, die ich brauchte, um die Feministin zu werden, die ich heute bin. Vielleicht brauchte ich auch die Politikpause. Antideutsche habe ich schon lange nicht mehr getroffen. Mackertum in politischen Gruppen zwar schon, aber die kann ich heute besser abbügeln und im Zweifel schon zu Beginn der Diskussion niederwalzen. Da sind die Erfahrungen von damals sicherlich sehr hilfreich. Die Unterlagen aus dem Studium habe ich zum großen Teil beim letzten Umzug entsorgt. Ich würde mal glatt behaupten, dass ich eine spitzenmäßige Sonderpädagogin bin und auch auf politischem Parkett gut aufgestellt bin. Meine Tagebücher von damals habe ich allerdings ziemlich schnell wieder zugeklappt. Da steht so ungefähr immer noch das gleiche drin wie heute, wenn auch mit einer natürlichen Weiterentwicklung der Umstände. Die Emomusik darf noch ein bisschen weiterlaufen, die passt immer noch. Zu welchem Schluss bin ich gekommen? Zu "Alles wird besser, nichts wird gut." Das nur so, weil neulich so.

Dienstag, 28. April 2020

Schrille Eltern und kleine Kleidung


 Der Ton in den sozialen Netzwerken wird schriller. Ich berichtete bereits, dass mich vor allem diese # Coronaeltern krass triggerten. Es hat gedauert, bis ich rausfand, warum. Sicherlich sehe ich die Belastung durch die derzeitigen Umstände, geschlossene Kitas, Schulen und Geschäfte. Die Belastungen sind so unterschiedlich. Irgendwie tragen da gerade die meisten ihr Päckchen. Vielleicht war Corona gar nicht das Problem, sondern eher dieser schrille Ton der Elternschaft. Zündet schonmal die Fakeln an und wetzt die Heugabeln. Ich bin gespannt auf eine volle Kommentarspalte.


 Ich las also die Berichte unter diesem Hashtag und dachte so: Und? Bis mir auffiel, dass ich mir Elternschaft IMMER so vorstelle, wie diese Eltern es gerade schildern. Anstrengend, nervig, ständig wollen die Kinder Aufmerksamkeit, Bespaßung, Pflege, Essen. Ich klammere da jetzt mal bewusst die Belange von Eltern mit behinderten Kindern aus. Auch das kann aber vorkommen und legt mit oder ohne Corona nochmal ganz andere Problemlagen aus. Keine Zeit mehr für die eigenen Belange, ständig auf Abruf, den Job nicht mehr so gut erledigen können, Hobbies nicht nachkommen können, durchwachte Nächte. Eltern sein stelle ich mir furchtbar anstrengend vor. Auch ohne Corona. Aber eben genau so, wie Eltern es jetzt beschreiben. Im Grunde wurde mir mit dem # Coronaeltern gerade mein liebstes "Ende- der- Diskussion"- Argument geliefert, wenn mir das nächste mal jemand Mutterschaft aufschwatzen will. Ich habe keine Kinder. Auch aus diesem Grund und aus diesem Grund.

  
 Ich wundere mich dann immer nur, warum Menschen Kinder bekommen. Vor allem, wenn ich in meiner Blase immer nur diese Horrorstories von Elternschaft lese. Dass Eltern sonst auch keine Entlastung bekommen, ist ja so auch nicht richtig. Kinderfreibetrag, Kindergeld, Betreuung in Schule und Kita, Menschen, die während Mutterschutz, Elternzeit, krankem Kind zuhause, die Arbeit übernehmen. Ich kenne die Problematik, mit unbezahlter Carearbeit die von Frauen erledigt wird, gender pay gap, Altersarmut von Frauen. Das ist aber mitnichten ein Problem von Elternsein, als vielmehr eine Aufgabe von Feminismus. Das betrifft nicht (nur) Eltern. Besser verdienende Mütter sind allerdings auch nicht gleich save. Aber was weiß ich schon, ich habe ja kein Kind.


 Und dann stehe ich da. Ich, die keine Kinder haben möchte und die sich dafür so oft verteidigen und rechtfertig muss. Die so oft angegriffen wird, weil sie in ihrer Freizeit gerne mal ihre Ruhe hat. Der im Zweifel angekreidet wird, sie würde die Solidargemeinschaft untergraben, weil sie nicht für Nachschub in der Gesellschaft sorgt. Ich darf mich nicht mal unproblematisch sterilisieren lassen. Der gesagt wird, sie solle mal nicht erwarten, dass die Kinder anderer ihr im Alter den Arsch abwischen.... Als ob ich nur etwas für die Solidargemeinschaft leiste, wenn ich gebähre. Wenn das mal nicht antifeministisch bis hinten gegen ist, dann weiß ich auch nicht. Wenn Männer sich gegen Kinder entscheiden, ist das ja meistens noch ein anderer Schnack. Als ob Kinder gebähren die einzige Möglichkeit sei, etwas zur Solidargemeinschaft beizutragen. Als ob Eltern diese Gesellschaft alleine tragen würden. Aber ich bin ja keine Mutter, was weiß denn ich schon.


 Für meine Entscheidung gegen das Mutter-/Elternsein wird so oft Begründung, Rechtfertigung eingefordert. Das wird so oft mit mir diskutiert, mir werden darum so oft Vorwürfe für diese Entscheidung gemacht, dass es mir schwerfällt, meine Solidarität oder gar Verständnis dafür zu zeigen, wenn es Eltern zu anstrengend wird. Elternsein ist anstrengend. Mit oder ohne Corona. Hat euch das vorher niemand gesagt? Wie habt ihr euch das denn vorgestellt? Und Eltern haben eine fette Lobby. Sie sind überall und so viele von ihnen hängen ihren Lebensentwurf über jeden anderen. Heroisieren ihre Leistung. Zu oft. Da fängt mein Problem an. Seid Eltern, habt Kinder, egal wie, aber lasst mich damit in Ruhe und gönnt mir auch meinen Lebensentwurf, der auch Heldinnentaten beinhaltet. Ohne Neid, Missgunst, Vorwürfen oder Verachtung. Habe ich für Eltern auch nicht übrig. Mit oder ohne Corona. Aber was weiß ich schon, ich habe ja kein Kind.


 Ich bin keine Kinderfeindin. Ich bin auch keine Elternfeindin, aber können wir bitte mal gerade alle unsere Base chillen? Contenance wahren? Es geht gerade darum, einen Virus in Schach zu halten und blanke Existenzen zu sichern. Das geht vorbei. Vermutlich werden einige mit nem psychischen Knacks aus der derzeitigen Lage gehen. Wenn jetzt alle anfangen wegen ihrer persönlichen Belange im Bezug auf Corona rumzuweinen, wird das wirklich schwierig. Wenn euer Leben vor Corona in Ordnung war, dann wird es das auch bald wieder sein. Dann macht ihr halt gerade nicht so einen guten Job vom Homeoffice aus, sondern geht mal mit euren Kids ein Eis essen, seid Eltern. (Achso, ja die Sache mit dem Geldverdienen... Ich kann und will heute nicht alles kaputtargumentieren) Verbratet eure politisch engeagierte Energie nicht jetzt, sondern hebt sie auf, für wenn das Gröbste durch ist. Stellt euch mal vor, was Kinder denken, wenn sie in 10-20 Jahren Posts unter dem Hashtag Coronaeltern lesen.... Werden sie dankbar für diese Aufopferung sein? Werden sie schockiert sein, weil sie denken, sie seien furchtbare Kinder gewesen? Oder werden sie sich vielleicht fragen, weshalb Eltern unter dem ganzen Stress noch Zeit hattet, so was zu posten, statt sich um sie zu kümmern? Aber was weiß ich schon, ich habe ja keine Kinder.


  Wir haben hier gerade eine neue Problemlage, mit der ALLE erstmal umgehen lernen müssen. Eltern, Singles, Kinder, psychisch Kranke, Menschen aus Risikogruppen, alte Menschen, junge Menschen, Studierende, Arbeitnehmende. Das geht nicht nur Eltern so. Die Lage auf dem Mittelmeer und in den Flüchtlingslagern... ufff.... Ich möchte gerne eine Kollegin aus einer Videokonferenz vergangene Woche zitieren: "Es gibt Phasen, da möchte ich die Kinder in den Keller sperren, aber ich bin ganz froh, dass hier noch jemand ist, der mich knuddelt und mit Kindersprüchen die Situation erträglich macht. Dafür nehme ich das in Kauf." So bekommt man meine Solidarität. Aber was weiß denn ich schon, ich habe ja keine Kinder und schaffe es noch, in meiner Freizeit die Kinder der anderen mit neuen Klamotten zu benähen. Letztere rechtfertigen heute noch einen Auftritt in der Dienstagssammlung. Alle anderen können mir jetzt an den Kragen gehen.


Dienstag, 7. April 2020

Weiches für die Starke


 Irgendwie habe ich gerade so einen Wolltick. Aus Gründen. (Hintergedanken zu vegan und Wolle bitte hier nachlesen und nicht mit mir diskutieren) In den letzten Wochen habe ich eine ganze Menge nass gefilzt. Das war toll. Warmes Wasser, gut duftende Seife, weiche Wolle, einfach nur rumstreicheln, bunte Farben. Das hat so gut getan.


 Mir wird ja öfter mal gesagt, dass ich eine starke Frau bin. Dass ich ziemlich viel alleine hinbekomme und eine Menge alleine im Leben schaffe und das auch noch gut und erfolgreich. Dabei bekomme ich es auch noch hin, so "nebenbei" anderen bei ihren Kämpfen zur Seite zu stehen. Richtig. Absolut richtig. Und auch gut so. Blöderweise gibt es aber auch immer wieder Menschen, die sich davon bedroht fühlen. Einen angreifen und/oder niedermachen. Blöderweise führt das dazu, dass man als Mensch in einigen Bereichen des Lebens echt verhärtet, weil man sonst untergeht. Härte, Strenge und Disziplin sind die Dinge, die zumindest mich im Leben weit gebracht haben. Alles was gut und von Bestand ist in meinem Leben habe ich mir so erarbeitet. Dabei blieb das Gefühl, dass die Dinge die ich da tue und für mich entscheide, richtig sind, mir Freude und Spaß machen und mich erfüllen. Dingen, die sich falsch anfühlten, bin ich nicht weiter nachgegangen.


 Wäre ich ein Mann, wäre ich der Obermacker. Vermutlich. Als Frau habe ich da leider verkackt. Männer fühlen sich von mir bedroht, Frauen ebenso. Man könne mit mir nicht mithalten, wurde mir oft gesagt. Viele Menschen haben sich darum von mir zurückgezogen. Mich teilweise fallen lassen oder weggeschubst. Das war schmerzlich. Selbst da, wo ich in der Lage war, auch weich zu sein, zu weinen, zu verzweifeln, zu straucheln, um Hilfe zu bitten, Hilfe anzunehmen.


   Mich macht das so oft so wütend und traurig. Ich gehe schon so lange alleine durchs Leben. Mit einem gewissen Grat an Disziplin und Härte wäre ich vermutlich schon zigfach vor die Hunde gegangen. Zu oft blieb mir keine Wahl. Ich habe viel Gutes damit erreicht und nun soll ich das verneinen, weil Menschen sich davon "bedroht" fühlen? Weil sie offenbar mit sich selbst so uncool sind, dass sie meinen, mit mir nicht mithalten zu können? Schlecht über mich reden? Mir darum weh tun? Das ist doch gemein! Das ist diese Dreckswelt, in der Weichheit gleich Schwäche bedeutet. In der starke Frauen, mit weichen Seiten trotzdem nicht erwünscht sind, weil das offensichtlich immer noch ein Widerspruch ist. Ein Widerspruch, der bekämpft gehört. Egal wie frau es tut, es ist verkehrt. Ist frau stark, wird sie bekämpft, ist frau schwach, wird sie fallen gelassen oder dann erst recht angegriffen. Egal, wie aufgeklärt das Umfeld ist und/oder wie gut kommuniziert wird...


 Wenn all diese Filzbälle Emotionen sind, dann ist das hier die Traurigkeit. Das ist der einzige Ball, in den ich einen Stein eingefilzt habe. Sie ist wunderschön. Wut habe ich ausreichend. Vielleicht muss jetzt mal die Traurigkeit ein bisschen für mich kämpfen. Ich weiß noch nicht wie, aber sie ist hart. Vielleicht kann sie auch mit der Wut Hand in Hand gehen.


 Vielleicht ist auch erstmal gut mit kämpfen. Mit diesen Wollbällen werfen, wäre auch mehr als lächerlich. Wenn Tränen die Waffen der Frauen sind, dann her damit. Dann heule ich den ganzen Mist demnächst einfach mal weg. Wasserwerfer sollen ja auch manchmal helfen. 


 Wenn mir das nächste Mal jemand dumm kommt, meint mit mir nicht mithalten zu können, mich darum angreift oder mir Knüppel zwischen die Beine wirft, dann gehe ich eben nassfilzen. Von mir aus weine ich auch dabei. Was jucken mich eure Minderwertigkeitskomplexe und Ängste? Kommt mal klar und macht euch mal so ein bis fünf Gedanken über euch selbst und warum ihr euch von Menschen wie mir so bedroht fühlt oder Angst vor mir habt. Die derzeitige Situation räumt euch ausreichend Zeit dafür ein. Sollte man meinen. Nutzt das! Ich geh zur Dienstagssammlung und dann im warmen Seifenwasser pötschern oder so. Denn ich bin cool mit mir selbst. Die Bälle werden so nicht bleiben. Sie werden sich noch ein bisschen weiter wandeln. Only the strong, stay soft!

Dienstag, 4. Februar 2020

Handschuhe mit/ ohne Tiefgang


 Ich habe Handschuhe gestrickt. Ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zu einer ultimativen Strickerin. Sie sind perfekt geworden. Schwarz und lila. Fertig geworden sind sie am Abend bevor Antje und ich uns auf die Hardangervidda warfen. Perfekt! Ich habe schon andere in diesem Muster. Damals hatte sie mir Frau Postriot auf meine Bettelei hin gestrickt. Nun kann ich es also selbst.


 Ich könnte diese Handschuhe jetzt so für sich stehen lassen. Aber eigentlich geht das nicht. Uneigentlich habe ich aber gerade keinen Nerv für einen deepen Blogbeitrag. Ich wollte über so vieles schreiben: "Beziehungskapitalismus", egoistische Menschen, weibliche Sozialisation, Carearbeit, Wissen, Können, Hilfe und helfen, Selbstschutz und Selbstfürsorge.


  Doch ich mag nicht, ich kann nicht. Ich mag auch einfach mal Handschuhe stricken dürfen. Wärmende, politische. Ich bin gerade zu müde für Tiefergehendes.


 Zieht euch warm an da draußen. Ich brauche das gerade, auch wenn der Winter ein sehr milder ist. Wer das Strickmuster haben will, sucht mal nach "Gudrun Mittens" (Werbung unbeauftragt, unbezahlt) und fragt bloß nicht mich, ob ich das stricke. Danke an Antje für die Tragebilder. Dienstagssammlung


Die komplette Norwegeneise gibt es hier:
 

Sonntag, 12. Januar 2020

Kleine Decken für kleine Lebewesen


 Keine Decken für kleine Lebewesen. Das sind meine Beiträge zum Bloghop von Karin von GrünerNähen. Thema sind bei dieser Runde genderneutrale Accesoires. Da ich selber keine kleinen Lebewesen in meinem Haushalt habe, werden meine Stücke als Geschenke demnächst weiterwandern.


 Die Decken an sich sind gar nicht so großartig kompliziert. Ich habe mich durch meinen Stofffundus gewühlt und mal geschaut, was es da so gab. Eigentlich sind die ganze Stoffe einstmals Bettdeckenbezüge gewesen. Mit Ausnahme des Vlieses in der Mitte ist also alles Upcycling. Manch ein Mensch würde jetzt sagen: Ist ja doch rosa dabei. Voll die Mädchenfarbe.... Ist das so? Ist Rosa eine Mädchenfarbe? Wer sagt das? Eigentlich ist das doch egal. Beim letzten Sew Along, in dem es um genderneutrale Kleidung ging, habe ich schonmal über  die "Problematik" von Röcken und Kleidern ausgelassen. Wer hat denn da jemals vorgeschrieben, dass nur weibliche* Lebewesen sowas tragen können?


 Voll bewusst habe ich mich also für den rosa dominierten Schmetterlingsstoff entschieden. Weinrot ist nach meinem Empfinden nicht so wüst beladen, wenn auch von der Farbpalette her recht nah dran.


 Auch diese Stoffkombi mag ich da gar nicht so genderbestimmend einordnen. Weinrot und hellblau. Alte Stoffe. Fabelhaft. Genderegal.


 Die Decken haben jeweils das Maß ein mal ein Meter. Also eher als Krabbel- oder Spieldecke zu verorten. In meinem näheren Umfeld wurde gerade im Dezember ein Kind geboren. Die Mutter durfte sich eine der beiden Decken aussuchen. Sie wählte die blau-rote Kombi. Hätte ich also noch eine auf Vorrat für das nächste Kind gehabt. Aber wie der Zufall es so wollte, ist sie quasi auch schon verschenkt. Und wie der Superzufall es will noch nicht einmal für ein Menschenkind. Als guter vegan lebender Mensch denke ich nämlich auch gerne jenseits von Speziesgrenzen. Ich esse und nutze keine Menschen, also esse ich auch keine Tiere. Lebewesen ist Lebewesen. So wird auf der Schmetterlingsdecke demnächst ein (noch) kleiner Hund liegen dürfen. Jedes Lebewesen sollte auf schönen Dingen liegen dürfen. Genderegal, speziesegal. Kleine Decken für kleine Lebewesen eben. Egal welchen Geschlechts, Genders oder Spezies. Und das auch noch selbst gemacht aus alter Bettwäsche. Was nicht alles geht. Ich gebe mir selber ein fettes HIGH FIVE! Alle Lebewesen zählen. Krasser Scheiß!


 So reihe ich mich heute in Karins Blog Hop ein. Die anderen Blogposts zu dieser Reihe findet ihr hier:

06. Januar: Nähzimmerplaudereien
07. Januar: Naht im Wald
08. Januar: Kleine Stöpsel
09. Januar: Marymes Blog
10. Januar: Nähkäschtle
11. Januar.: Ringellaus
12. Januar: DIY oder die!
13. Januar: Quernaht
14. Januar: Ulrikes Smaating
15. Januar: Amberlight-Label
16. Januar: Zum Nähen in den Keller
17. Januar: Hügelring
18. Januar: Mit Schönheitsfehlern
 
19. Januar: Grüner Nähen


P.S.: Irgendwas ist mir bei der Terminplanung da durchgegangen. Vielleicht gibt es heute noch 7 Sachen oder 12 von 12 im Januar. Mal sehen, was der Tag so hergibt.

Montag, 6. Januar 2020

You have to know


 Fantastischer Weise tauchen diese Aufkleber seit einiger Zeit vor allem rund um Schulen in der Stadt auf (Ich wars nicht!!! *schwör*). Gegen die ganzen Pimmelbilder an Schulwänden. Weibliche* Sichtbarkeit und so. Go for it! Draw for it!

Montag, 9. Dezember 2019

Über Diäten quatschen, statt zu feiern, nervt


  Ich will gar nicht so viel Motzen. Das hier soll kein Motzkartoffelblog werden. Aber Kartoffel ist gerade das Stichwort: War ich neulich auf so eine Feier eingeladen. Die letzte große Feier für dieses Jahr und sie darf hier mal exemplarisch genannt werden. Feiern heißt für mich irgendwas mit freundlichen Menschen, guter Laune, gutem Essen, guten Gesprächen, je nach Alter: gutem Tanz. Oder? Die letzte Feier eher nicht so. Sie fand in einem Restaurant einer deutschen Kreisstadt statt. Der Eingangsbereich tapeziert mit Auszeichnungen diverser Feinschmeckerinstitutionen. Um gutes Essen sollte ich mir also keine Gedanken machen. Ich hatte mich fein gemacht mit einem wundervollen Kleidchen. Meine Wohlfühloase sind so schicke, gehobene Einrichtungen ja nicht gerade, aber ich war ja auch nicht der Anlass der Feierei. Ich war eingeladen und freute mich teilweise auch darauf, ein paar altbekannte Gesichter nach langer Zeit mal wieder zu sehen. Normalerweise halte ich mich von Alkohol fern, doch der Eingangssekt perlte gut. Doch die ersten Querschläger ließen nicht auf sich warten. "Meine Güte, bist du schmal geworden." "Also ihre Silhouette ist ja beneidenswert." "Großartig siehst du aus." Könnte man ja mal so stehen lassen, wenn die Menschen, aus deren Mündern das kam, es so hätten stehen lassen. Aber nein. "Also ich muss da nochmal nachfragen: Wie machen sie das?" "Wie hast du so abgenommen?" "Kommt das vom veganen Lebensstil?" Wahnsinn! Teilweise altbekannte Menschen, teilweise mir vollkommen unbekannte. ICH HASSE DIETTALK!!!! Ich möchte nicht über meinen Körper sprechen, denn es gibt wichtigere Dinge, aussagekräftigere Dinge über mich zu sagen. Ich erinnere daran, dass ich NIE eine Diät gemacht habe. Man möge es Leben nennen. Man könnte diesen Menschen Kurzsichtigkeit, Unwissen, whatever unterstellen. Ich versuchte mich da raus zu winden ohne unfreundlich zu werden, die Feier nicht zu verderben. Beispiel:
 Ich: "Veganismus, viel Arbeit, ständig unterwegs und ehrenamtliches Engagement. Wenig Zeit. Ich bin eine gute Sonderpädagogin und aktive Antifaschistin. Ich plane gerade eine Alpenüberquerung mit meiner Klasse." 
 Mir unbekannte Person: "Jaja, das weiß ich doch von XY. Aber wie nimmt man so gut ab und hält das? Wenn ich Stress habe, nehme ich ja immer zu." 
 Krass, einfach nur krass. Scheiß auf Engagement, gute Arbeit, alternative Gesprächsthemen, mein wunderschönes Kleid: Your body is the business. Da half dann auch der Sekt nicht mehr. Ich flüchtete vor die Tür. Traurig, wütend, diskreditiert, nicht ernstgenommen, sprachlos, bedrängt, schutzlos, unverstanden, allein. Rauchen und frische Luft halfen.
 Als das Essen serviert wurde, dann aber irgendwie deprimierende Genugtuung: 


 Hauptgang für vegan Lebende im gehobenen Restaurant mit den 32847 Auszeichnungen im Eingangsbereich. Gemüse sortieren konnten sie, würzen eher nicht so. Salz und Pfeffer standen zum Glück auf dem Tisch. Ja, wenn ich mich immer so ernähren müsste, dann wäre zumindest mein Körper nicht mehr da. Am liebsten hätte ich meinen Teller genommen, wäre aufgestanden und hätte verkündet, dass man genau SO abnimmt und "schlank" bleibt. (Ich muss mich über deprimierendes veganes Essen in solcher "Wir können trotz Klimakrise immer nur noch Fleisch mit Fleisch an Fleisch Sterneküche" nicht noch extra aufregen, oder?) Innerlich brach ich in Tränen aus und mopste den Kindern heimlich die Pommes neben dem Schnitzel auf dem Kinderteller weg. Irgendwann fand ich dann meinen Schutzraum mit den Menschen, die mir am Herzen lagen in dieser Runde, mit Themen, die mir ebenfalls wohler waren. Spannenderweise war ich in diesem Jahr auf mehreren Festivitäten eingeladen. Ich möchte mir ein kleines bisschen Rassismus an dieser Stelle aus Gründen gönnen: Es gab diverse Geburtstagsfeiern in "deutsch" geprägten Kreisen. All diese fielen ähnlich wie die oben genannte aus. Inklusive eben jener Themengebiete UND traurigem Essen für mich. Die einzige Festivität, die absolut oberpositiv aus diesem Rahmen fiel, war die Hochzeit im "türkischen" Rahmen. Bestes Essen (auch vegan), beste Stimmung, beste Gespräche, ausgelassen, schick und doch locker, lustige unbekannte und bekannte Menschen, feinstes Getanze und am meisten gelacht. Was ist nur mit den Kartoffeln los? Und warum fühlte ich mich in einem Rahmen in dem ich nicht sozialisiert bin und wo ich auf mehreren Ebenen zu einer Minderheit gehörte, am Wohlsten? Ich muss noch darüber nachdenken. Fest steht aber: So lange wir uns mit Diäten aufhalten werden wir die Welt nicht ändern und auch nicht ausgelassen feiern. Aber wer kämpft, sollte auch anständig feiern dürfen. Jeden Tag.

Samstag, 16. November 2019

Samstagskaffee und Netzfunde # 26. 19


 So, bevor meine Netzfunde von vor Wochen Staub ansetzen, gibt es heute mal wieder einen Beitrag von mir. Habe mich gerade aus dem Arbeitszimmer geschlichen, einen Kaffee gekocht und nun mache ich das einfach mal. Work-Life-Balance immer noch am Arsch. Egal. Vor zwei Wochen habe ich meine Overlock kaputt gemacht, da kann ich eh nichts machen. Läuft bei mir. Steil und bergab, aber läuft. Naja, immerhin regnet es nicht mehr rein. Bin noch immer nöhlig, wie man unschwer erkennen kann. Die Ovi ist in der Werkstatt, bisher habe ich aber noch nichts zur Reparabilität gehört. Als ich sie im Nähmaschinenladen abgab, habe ich gleich mal nach Ersatzmaschinchen geluschert. Hätte mal jemand 1700€ über? Wenn jeder Mensch, dem ich auf meiner alten Maschine mal was gezaubert habe, 50€ in den Klingelbeutel werfen würden, hätte ich hier zapzarapp eine neue stehen. Und zwar gleich das Coverlockhighlightgerät inkl. gutem Stoffvorrat. Was für Dimensionen! Ich fürchte meine Perspektive auf Finanzen ist schon ein bisschen verrückt... Im wahrsten Sinne des Wortes.



 Dann mal zurück auf den Boden der Tatsachen. Angestaubte Netzfunde (ich komme kaum noch zum Lesen im Moment):

 [Triggerwarnung: Psychische Erkrankungen] Mehrere Erfahrungsberichte, wie Menschen unterschiedlichen Alters und Geschlechts ihren Burn-Out erlebt haben. Mal hoffnungsvoll, mal nicht so sehr, aber immer ehrlich. Vielleicht hilfreich. Du bist nicht allein und so.

 "Ganz ehrlich? Ich habe besseres zu tun, als Karl-Heinz zwei Stunden lang beim deutschtümelnden Phrasendreschen zuzuhören und dabei zu versuchen, ihm ein bisschen Empathie und Menschlichkeit abzuringen. Ich verbringe diese Zeit lieber damit, marginalisierten Menschen zuzuhören, die in Deutschland tatsächlich selten zu Wort kommen." (Zitat ebd.) und andere Gründe warum es nur bedingt schlau ist, sich mit politischen Gegnern zu unterhalten. Mit Nazis/Faschisten würde ich auch niemals in ein Gespräch gehen wollen. 

 Feminismus/weibliche* Emanzipation und (hetero) (Liebes)Beziehungen sind ja irgendwie in meinem Kopf immer noch einen totalen Gedankenknoten, der noch nicht geplatzt ist. Bei der innenAnsicht gibt es dazu ein ein Interview mit Franzi, weshalb Liebesromane und weibliche* Emanzipation tendentiell schwierig sind. Dazu natürlich auch Literaturempfehlungen. Meine Leseliste wurde erweitert.

 Falls jemand noch Argumente gegen die Tamponsteuer braucht, findet sie hier. Nur mal so, um das Thema nicht zu vergessen. 

 "„Aber dann werden auch weniger geeignete Frauen gewählt, willst du das?“ Ja will ich. Immer noch besser, als wenn wir nur weniger geeignete Männer wählen. Und es ist ja nicht so, dass bei uns nur die super geeigneten Männer bereit stehen und diese alle sich nicht mehr trauen zu bewerben, weil es ggf. auch eine Frau in dem Gremium gibt. Das ist ein Scheinargument. Und wir haben in 109 Jahren FCSP genügend schlechte Männer gewählt (oder ob unserer Struktur auch wählen müssen), da würde eine schlechte Frau echt nicht ins Gewicht fallen. Mal ganz davon ab: Wir würden sofort 200 super geile Frauen aufzählen können, die wir für super geeignet halten würden sich für jeden Posten in diesem fucking Verein zu bewerben. Sogeffekt!" (Zitat ebd.) Endlich mal wieder eine Erklärung, warum es eine Frauen*quote überall braucht, in einer Sprache, die wirklich jeder Mensch verstehen sollte. Sowas mag ich ja sehr. Könnte ich gleich einfach alles kopieren und ausdrucken und nur noch wortlos weiterreichen. Das ist eine Stellungnahme zu einem Quotenantrag für die kommende Mit(ohne)gliederversammlung vom FC St. Pauli. Ja, auch da!!! 

 She ist not your rehab. Was für eine wunderbare Geschichte, mal ein bisschen toxische Männlichkeit aus dem Weg zu räumen und Frauen* die emotionale Arbeit abzunehmen. Wie sehr sowas nötig ist, ich könnte weinen. Mehr davon. BITTE!!!

 Ach, hier doch noch ein aktueller Nachklapp:

 Blogempfehlung: A*f*D- Watch Hamburg. Direkt mit einem feinen Artikel von Fredrik zum Thema Nazis und Bildungspolitik.

 Und die Hamburger SchülerInnenkammer hat jetzt ein SchülerInnenportal als Konter gegen dieses unsägliche Petzportal gebastelt. Sehr fein (sage ich als Lehrkraft). Das ist doch mal solidarisch. (Das Binnen-I hier, weil die das so machen)



 So, Kaffee alle, Blogbeitrag vervollständigt. Ich gehe weiter worken, denn Life gibts hier nicht, also auch keine Balance. Das kann nicht mal der gute Yogi Tee rausreißen, den es nebst Kaffee gegen das Schmuddelwetter draußen gibt. Noch bei Andrea vorbei und euch allen ein kuscheliges Wochenende gewünscht! (Und falls mir irgendwer nen Fuffi (oder mehr oder weniger) für eine neue Ovi in den Klingelbeutel werfen will, schicke ich meine Adresse gerne auf Anfrage raus- haha!)