Mittwoch, 22. Januar 2014

Der Prozess

 Vermutlich wird das ein konfuser Eintrag. Ich befinde mich gerade wieder in so einer Phase, wo ich viel tun will, aber irgendwie nicht so recht dazu komme. Viel Arbeit, wenig Freizeit und irgendwie bin ich ständig müde. Vermutlich fehlt das Sonnenlicht. Mein offensichtliches Suchtproblem nach selber machen, schaffen, mit den Hände tun bekomme ich trotzdem nur schwer in den Griff. Es gibt Schlimmeres.


 Es drängt mich wirklich. Manchmal ertappe ich mich dabei, wie sich in meinem Kopf Ideen zusammenbrauen, die vor meinem inneren Auge so wundervoll aussehen und danach schreien umgesetzt zu werden. Doch dann kommt der Faktor Zeit hinzu und dann wird es schwer. Oft erscheint es, als ob mein Kopf platzt, so sehr strotzt er dann vor Ideen. Vielleicht ist das der Grund, weshalb ich meine Ferien so gut zuhause verbringen kann. Ich möchte dann das tun, was mir am meisten Spaß macht und das ist eben etwas mit den Händen.


 Das ganze erfüllt mich mit einer ungeheuren Selbstzufriedenheit. Dabei ist es meistens nicht einmal das Endprodukt alleine, was mich so zufrieden sein lässt. Vielmehr ist es das Tun, der Prozess. Da ist es auch egal, ob ich eine Wand streiche, eine Klamotte nähe, ein Bild male oder etwas versuche zu stricken. Wenn ich Bilder male, dann nicht weil ich was Schönes zum an die Wand hängen brauche, sondern weil mich das Kleistern mit Farbe, das Schrappen mit dem Bleistift oder das Plätschern des Aquarellwassers beruhigen und erden. Ebenso verhält es sich beim Nähen. Wie bereits erwähnt ist mein Kleiderschrank auch voll, dennoch nähe ich Klamotten für mich. Schnitt aussuchen, anpassen, Stoffe auswählen, Kombinationen überlegen, bügeln, zunscheiden. Dinge, die ich sehr gerne tue. Und wenn die Nähmaschine zufrieden schnurrt, dann bin ich es auch. Nicht gedankenverloren, sondern vollkommen konzentriert auf das was im Jetzt passiert (weil sonst ist es ja versaut).


 Nunja, dann müsste eigentlich gerade der Faktor Zeit dafür sorgen, dass ich ziemlich unzufrieden bin. Doch ich gebe mir das Ganze in kleinen Dosen. Da ich das unglaubliche Glück und ein Arbeitszimmer habe, in dem auch mal was liegen bleiben darf, kann ich mich Häppchenweise zum Ende des Prozesses vortasten. Mittlerweile bin ich auch recht geübt darin, nicht jeden Tag ein neues Projekt zu starten und es dann halbfertig in die Ecke zu werfen- es sei denn, ich sehe ein Scheitern nahen. Ich schleiche mich jeden Tag für ein paar Minuten in mein Werkelzimmer und werkele, was es eben zu werkeln gibt. Scheide einen Schnitt oder schon den Stoff, stecke ein paar Nadeln oder wähle schon fürs nächste Projekt aus. 


 So lange muss Henriette nackig rumstehen, doch der Prozess zieht sich herrlich in die Länge. Und wenn ich ganz ehrlich bin: Die ersten Schritte in ein neues Projekt fallen mir persönlich immer am schwersten. Wenn es dann aber läuft und ich in den Fluss komme, dann ist es herrlich. Darum darf der Prozess auch gerne mal etwas länger dauern. Ich mag den Prozess, denn nach dem Projekt steht immer schon das nächste. Und wenn die Zeit knapp ist, dann brauche ich für ein neues Shirt eben 2 Wochen oder mehr. Hauptsache die Dosen stimmen.

1 Kommentar:

  1. wahre worte... schön, nach vollziehbar und gar nicht konfus!

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