Montag, 16. September 2013

Zuhause? Was ist das eigentlich?

 Seit einiger Zeit verfolge ich nun schon den Blog von der Raumfee. Sie lädt hier immer unterschiedliche BlogerInnen ein, etwas zum Thema "zuhause" zu berichten. Das Ganze liest sich sehr spannend. Teilweise kann ich die Beiträge einfach so unterschreiben. Vor allem meine derzeitige "Wohnsituation" hat mich dazu bewegt mich gedanklich auch mal wieder ein wenig mit der Materie auseinanderzusetzen. Vor einigen Tagen gab es bei einen Beitrag von Maren, die auch über den Verlust von einer Wohnung zu berichten wusste. Ihr Verlust verlief um einiges dramatischer ab als meiner, dennoch hat mich der Beitrag sehr bewegt. 
 Darum habe auch ich mir so meine Gedanken zum Thema "zuhause" gemacht. Leider habe ich nicht so wahnsinnig viele Fotos, da ich immer viel analog fotografiert und weniges digitalisiert habe.


 Das jedenfalls war meine Küche während meiner Zeit in Krefeld. 
 Ich bin immer viel Umgezogen. In den letzten 10 Jahren sehs Mal. Groß geworden bin ich in Bonn. Bonn ist für mich nicht so richtig Heimat. Heimat ist aber auf jedenfall der Großraum Rheinland. Ich bin unheimlich gerne dort, auch wenn ich mich in Hamburg mittlerweile und eigentlich erstaunlicherweise immer schon sehr Zuhause gefühlt habe. Ich mag die Leute im Rheinland, ich liebe Karneval, den Rhein und viele meiner Liebsten leben dort. Es hat lange gedauert, bis ich in Hamburg gelandet bin. Lieben gelernt habe ich diese Stadt schon bei meinem allerersten Besuch mit meinem damaligen besten Freund als ich gerade 18 geworden war.
 Zwischenzeitlich bin ich viel rumgereist. Als ich jünger war (Himmel- hört sich das komisch an), habe ich mich auch unterwegs oft Zuhause gefühlt. Orte an denen alles in Ordnung war, fand ich oft in Schweden oder auf der Reise nach Nepal. Orte an denen ich Ruhe fand. Ein ungenaues, aber sehr schönes, warmes Gefühl. Zum Studium musste ich nach Frankfurt an den Main. Zwar habe ich dort unheimlich nette Menschen kennengelernt, aber so richtig Zuhause ist diese Stadt für mich nie geworden. Sie war okay zum Studieren, doch das beste Gefühl war immer, wenn ich die Stadt im Rücken hatte, weil ich wieder irgendwohin gereist bin. Das Studium ging auch recht schnell herum. Zweimal bin ich innerhalb Frankfurts umgezogen. Immer in WGs. Mit Ausnahme der ersten waren das auch alle sehr gute WGs, bzw. die letzte weiterhin mit meiner Mitbewohnerin in einer neuen Wohnung, nachdem unser Mitbewohner sich entschlossen hatte nach Berlin zu ziehen.


 Nach Frankfurt war dann Krefeld meine nächste Station. Nicht freiwillig, aber es war okay, immerhin grob Rheinland. Auf dem Bild sieht man das Zimmer der Einraumwohnung, die ich damals bewohnt habe. Krefeld war keine Stadt für WGs, dafür gab es günstige Mieten und ich wohnte zum ersten Mal alleine. Das war ein ganz neues Gefühl. Das Chaos Die Ordnung, die ich morgens hinterlassen hatte, fand ich Abends genauso wieder vor. Ich konnte einrichten was ich wollte und es war die erste Wohnung, in die mal die Sonne schien, davor hatte ich immer dunkle Wohnungen. Freunde in Krefeld habe ich in der Zeit nicht gefunden. Meine Schule war in Krefeld, das Studienseminar in Düsseldorf und Solingen. Dort traf ich spannende und inspirierende Menschen, u.a. den Herrn, der mich an allschools.de weitervermittelte, eine der besten Sachen, die ich seit Jahren mache. Ich bekam eine Ahnung was Zuhause sein kann, was man dafür tun muss und dass ich auf jeden Fall ein Mensch geworden war, der wissen musste, wo die räumliche Landebrücke ist.


 Und dann landete ich das große Glück: Ich fand endlich einen Job in Hamburg als mein Refrendariat zu Ende war. Köln und Hamburg haben sich zu der Zeit ein hartes Kopf an Kopf Rennen geliefert und ich bin so froh, dass es Hamburg nach 10 Jahren guten Gefühls geworden ist. Ich hatte (zumindest auf den ersten Blick) das Glück diese Wohnung zu ergattern, in der ich noch lebe. Altbau, Stuck, Garten. Ich schwebte auf Wolke 3984709. Ich war Zuhause. 


 Es fühlt sich nach wie vor nichts besser an, als nach er Arbeit, am Wochenende oder in den Ferien durch Hamburg zu spazieren und jedesmal zu fühlen und zu denken: "Hurra! Endlich angekommen! Und ich muss nicht in ein paar Stunden wieder weg.". Es passt. Mittlerweile verbringe ich auch meine Ferien sehr gerne hier, weil die Arbeit doch ein bisschen wenig Zeit für diese große Liebe übrig lässt. Ich hatte immer Angst vor dem Moment, an dem dieses Gefühl vorbei sein sollte. Im Moment ist es aufgrund des aktuellen nervigen Stresses etwas getrübt, aber auch nach über drei Jahren ist es immer noch da. Das hier ist meine Stadt! Wenn die Möwen kreischen, die Schiffe tuten, der Wind die Fangesänge vom Millerntor über die Stadt streift, dann weiß ich, dass ich hierher gehöre, egal ob die Hamburger Sonne gerade versucht mich nass zu machen.
  Eigentlich wurde es in den letzten Monaten immer besser, weil immer mehr Menschen in mein Leben treten, von denen ich denke, dass auch das endlich passt. Menschen die einen auch in blöden Zeiten ein Lächeln unter die Nase malen, einen einpacken, ablenken und wissen, wo es noch mehr schöne Dinge zu finden gibt. Dieses Gefühl des nicht dazugehörens, welches ich an anderen Orten so oft hatte, weicht langsam einem wohligen "mitten drin und gut aufgehoben". Und wenn das mal nicht Zuhause ist, dann weiß ich es auch nicht.


 Und demnächst geht es in 70´er Klinkerbau und dann brauche ich keinen Stuck und keine hohen Decken und keine alten Dielen mehr. Dann ist Zuhause hoffentlich Zuhause. Zumindest für ein paar Jahre. Dann habe ich wieder eine (hoffentlich) gute Landebrücke zum Abenteuer starten und Menschen treffen und ruhen und alles in Ordnung sein lassen. Das ist Zuhause. Zumindest für diesen Moment. Was irgendwann mal noch passiert, wohin es mich zieht, kann und will ich in diesem Moment nicht festlegen. Mal sehen, wie es sich so entwickelt, das Leben und das Gefühl von Zuhause.

Kommentare:

  1. Ich bin sehr gespannt auf Fotos von Deiner neuen Wohnung. Sicher wird sie auch wieder sehr schön werden. Ich mag Deine Art, eine Wohnung bunt und freundlich einzurichten..

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  2. Ich finds schön :) Es ist nicht 0815 eingerichtet sondern man sieht es "lebt" jemand dort!
    Übrigens..schön jemanden anzutreffen der auch mal in Krefeld hauste ;)

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  3. hey, das hats du schön geschrieben! dann hast du jetzt eine Wohnung gefunden! Freut mich!!!
    Meiner Freundin, bei der ich vor über einer Woche in HH auf Hochzeit war, sie liebt es dort auch und wird leider wohl nicht mehr zu uns runter kommen! Aber wie auch, nach über 10 Jahren HH!

    LG!

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  4. Ich find's ja spannend, dass alle gezeigten Räume irgendwie nach dir aussehen. Ich mag's ja sehr, wenn Wohnungen so "persönlich" aussehen.
    Liebe Grüße
    Antje

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