Meinen Kaffee gibt es heute neben Blümchen. Geschenkten Blümchen. Es war eine intensive Woche. Meine Arbeit nahm mich so ungefähr gänzlich gefangen. Aber diese intensive Woche war eben auch so intensiv, weil mir an sehr vielen Stellen deutlich gemacht wurde, dass die Arbeit, die ich tue, genau das Richtige ist. Das Richtige für die jungen Menschen für und mit denen ich arbeite, für ihre Eltern, für mich. Den Strauß bekam ich von Eltern meiner aktuellen Klasse während unseres kleinen Jahresabschlussfestes. Wertschätzung für etwas, für das ich bezahlt werde. Das macht es vielleicht umso wertvoller.

Er erinnert mich sehr an den Gewürzblumenabschiedsstrauß, den ich vor drei Jahren von meiner ersten Klasse zum Abschied bekam. Eben diese Klasse hat gestern ihren Abiball gefeiert und es war eine großartige Feierei. Es war toll all die jungen Menschen zu sehen, wie sie geworden sind. Als eine Lehrerin, die sie zwischen Klasse fünf und zehn begleitet, habe ich sie den größten Teil ihrer Schulzeit begleitet. Gestern waren auch viele Ehemalige da, die zwar kein Abi gemacht, dafür aber einen guten Weg gefunden und dann mitgefeiert haben.

Vielleicht war es der Alkohol, der da gestern Abend aus einigen von ihnen sprach, aber ich habe so viele irre wertschätzende Worte von diesen jungen Menschen zu meiner Art und Weise, meiner Arbeit mit ihnen abbekommen, dass mir zwischenzeitlich die Tränen in die Augen stiegen. Vor Rührung. Es war der erste Jahrgang, der in Hamburg inklusiv beschult wurde. Ich war damals die erste Sonderpädagogin überhaupt an ihrer Schule. Und auch da durfte ich feststellen, dass diese Inklusion so verdammt geile Auswirkungen auf alle Beteiligte hat. Menschen, die sonst kaum eine Chance haben, aus ihren soziokulturellen Zusammenhängen auszubrechen, tun es. Menschen, die nicht ausbrechen müssen, werden tolerante, wertschätzende Menschen, die verstehen, dass Vielfalt Reichtum ist. Als ich mich für diesen Beruf entschied, habe ich niemals erwartet, dass ich mal Lernende haben werde, die Abitur machen.... Wie ich sie da so tanzen, trinken und feiern sah, dachte ich, dass unsere Zukunft mit ihnen eine gute werden kann.

Ich fühle mich immer noch ganz umgerührt. Wunderbar! Wie gut es tut, zu merken, dass man so einiges richtig gemacht hat, richtig macht, auch wenn man zwischenzeitlich zweifelt, verzweifelt, total überarbeitet und angestrengt ist. Diese intensive Woche kam genau zur richtigen Zeit. So kann ich die letzten drei Tage noch überstehen und dann ganz gepflegt und verdient meine Beine sechs Wochen lang hochlegen.
Netzfunde fallen heute dementsprechend aus. Zu Andrea geht es trotzdem und dann arbeite ich den Rest für dieses Schuljahr weg. Habt ein charmantes Wochenende!