Es gibt ja so Dinge, auf die kommt man einfach nicht selber. Ich habe manchmal den Verdacht, dass ich mit Stoff- bzw. Farbkombinationen bei einem meiner liebsten Hobbys ein bisschen festgefahren bin. Und dann kommen so Menschen daher, die wünschen sich selbstgezaubertes von mir, wühlen sich durch meine Stoffvorräte und schmeißen mir die abgefahrensten Kombinationen vor die Nase. Da denke ich oft: "Wow! Warum kam ich da nicht drauf?" Und der Gedanke "Wäh! Geht gar nicht!" drängt sich mir eher nicht bis nie auf. Open minded ist das Leben bekanntermaßen ja doch spannender. So geht es zu oft mit Dingen im Leben. Nicht nur im Hinblick auf Gestaltungsmöglichkeiten von Selbstgemachtem. Finde ich. So vieles übersieht man, hat man nicht auf dem Zettel und würde es niemals ohne die "Hilfe" anderer finden. Den Monolog darüber, dass andere solche Dinge zu oft bewerten, vorverurteilen oder gar abwertend ablehnen, schenke ich mir hier. Sein lassen. Ist megalangweilig.

So wurde diese Kuscheldecke maßgeblich durch das Zutun von fabelhaften Menschen in meinem Umfeld in meinem Kopf gezeichnet. Die erste Kombination von braunen Herzchen und frühlingsgrünem Stoff wurde ein kleines Schlüsselband für einen dieser fabelhaften Menschen. Die Herzchen wurden von einem weiteren schlimm abgefeiert und ein dritter Mensch zauberte noch mehr Grün in meinen Kopf. Allesamt echte Herzmenschen, die mein Leben in den letzten Wochen und Monaten ziemlich bereichert haben, es noch bunter als vorher machen und neue Blickwinkel eröffnen.

Natürlich hatte ich solche Mengen grünen Stoffes nicht im Haus. Aber alte Bettwäsche in mildem hellblau und weiß. Zusammen mit Waschmaschinenfarbe ergab das dann eben dieses Frühlingsgrün. Dazu hatte ich Lust, einfach mal mit unterschiedlichen Stoffstrukturen zu spielen. Da gab es einen Leinen-, einen Baumwollstoff und einen mit eingewebten Blumen. Aufgrund der unterschiedlichen Materialzusammensetzung und Webstrukturen ergaben sich auch minimale Unterschiede in der Grünschattierung. Upcycling vom Feinsten. Von den braunen Herzchen sind immer noch ein paar Meter da.
Gefüttert ist der ganze Spaß mit einem der sehr fusseligen aber großartigen Biobaumwollvliese, die sich irgendwie öfter in meinen Fundus verirren. Relativ dick und flauschig. Gequiltet habe ich eher sparsam. Soviel wie nötig, so wenig wie möglich. Hält.
Das ist jetzt eine Igeldecke. Zum einigeln an ekligen Tagen. An Tagen, an denen man die Wand anstarren und den Gedanken freien Lauf lassen möchte. An Tagen, an denen man neue Ideen verdauen undoder entwickeln möchte. Einrollen, Stacheln raus, in Ruhe gelassen werden. Igeltage. Das totale Gegenteil von dem draußen Rumrennen und neue Dinge finden. Manchmal findet man aber auch an Igeltagen neue Dinge. Die gehen nämlich auch fabelhaft zu zweit oder mehrt. Dafür ist die Decke mit 150 x 215cm auf jeden Fall auch groß genug. Igeltage braucht es und gibt es trotz aller Buntness im Leben ja doch hin und wieder mal. Und sie sind wichtig und brauchen eine solche kuschelige Igeldecke.

Ich hatte eine riesige Freude diese Igeldecke zu denken, zusammen zu setzen und überhaupt zu zaubern. Allerdings habe ich schon so viele Kuscheldecken, dass ich diese hier nicht brauche. Sie wird ein anderes zuhause finden. Vielleicht bei den Menschen, die mir in den letzten Wochen eine Menge neuer Einblicke in Farbkombinationen und andere Dinge geschenkt haben. Für die Menschen, an die ich beim Zaubern so viel denken musste. Das sind ja doch immer die besten Projekte. Die bei denen man Menschen im Kopf und im Herz bewegt. Für ihre Igeltage. Einfach so, weil sie einfach so sind. Diese Menschen.