Freitag, 7. April 2017

Die Gesenkschmiede Hendrichs in Solingen


 Bei meinem letzten Besuch im Rheinland war ich nicht nur auf der h+h cologne. An einem der folgenden Tage fuhren der Holzwurm und ich nach Solingen. Im Café Laleli schnabulierten wir lecker veganes Frühstück, zogen anschließend über Markt und Hallentrödel und beschlossen unseren Ausflug in der Gesenkschmiede Hendrichs, die heute ein Museum ist.


 Bis 1986 wurden hier Scherenrohlinge hergestellt, die in Heimarbeit von anderen Arbeitenden fertiggestellt wurden. Nach der Einstellung des Betriebes erhielt man ungefähr alles der alten Fabrik.


 Die alten Kohleöfen stehen noch da. Ebenso die Antriebswellen. Es gruselt einen, wenn man an Arbeitsschutz vor 100 Jahren denkt und das Kinder dort gearbeitet haben. Viele der Arbeitenden wurden nicht älter als 50 Jahre. Gestern hier, heute woanders...





 In einigen Räumen installierte man die alten Werkstätten der Heimarbeitenden. Ebenfalls gibt es noch eine Schleiferei, die während der Besuchszeit betrieben wird, bzw. an der die Besuchenden ihre Messer und Scheren zum Schleifen abgeben können. Davon habe ich allerdings keine Bilder gemacht. Auch nicht schlimm.







  Scheren, Scheren, Scheren. Und ein paar Schlüssel. Aber mit Scheren habe ich ja so eine Macke. Von daher war das voll meines.


 Über den Köpfen die Antriebswelle. Wenn da mal ein Riemen gerissen ist. Ich will es gar nicht wissen...




 Ich kann mich ja an sowas gar nicht satt sehen. Spannend auch die Geschichten und Geschichte rund um Betriebsfußball, den Einzug der Gewerkschaften und die Zwangsarbeitenden. Ansonsten: Rollstuhlgerecht ist es wohl, für sehbehinderte Menschen eher nicht so, da man zwar viel anfassen darf, aber die Erklärungen leider nicht in Blindenschrift oder verbal wiedergegeben werden. Kinder dürften diese Museum großartig finden. Ich habe diesen Ort vergangenes Jahr zum Messer- Gabel- Schere- Markt kennengelernt. Leider war es da sehr voll und vorweihnachtlich düster. Aber ich musste da einfach nochmal hin. Während meines Refs habe ich in Solingen unfassbar viel Lebenszeit verschwendet. Dieser Tag war aber so einer, an dem diese Stadt es wohl wieder gut machen wollte. Cool, dass der Holzwurm für sowas zu begeistern ist. Wir hatten auf jeden Fall Spaß.

Donnerstag, 6. April 2017

Politisiert euch! #2: Mit Nadel und Faden


 Gestern habe ich schonmal einen kleinen Aufruf zu einer kleinen Aktion gestartet. Ich war ein bisschen überwältigt von euren Rückmeldungen. Danke dafür! Doch ein Beitrag reicht dafür einfach nicht. Darum gibt es heute den quasi zweiten Teil von "Warum Handarbeitsblogs politisch sind und sein sollten, auch wenn viele etwas anderes behaupten".


 Ich schaue mal so auf meine Klickzahlen. Das sind so rund 400 Klicks pro Tag, manchmal mehr, die auf meinem Blog getätigt werden. Es braucht jetzt keine Mutmaßungen, ob das viel oder wenig ist. Es soll darum gehen, dass hier 400 Klicks von Menschen getan werden, die irgendetwas hierher verschlagen hat, die irgendetwas spannend finden. Vielleicht hat sich auch nur jemand verklickt, aber das ist ja erstmal egal. Ich erreiche mit meinem Blog Menschen und diese Menschen machen sich ein Bild von mir und von dem, für was ich stehe. Ich sehe darin auch eine Chance, Menschen Dinge zu vermitteln, auf die sie vielleicht so nicht gestoßen wären. Vermutlich ist das so eine Lehrendenkrankheit oder so. Ich entscheide mit jedem Blogpost, ob ich als Nähmuddi betrachtet werden möchte oder als denkender Mensch. Und mal im ernst: Nähmuddi klingt irgendwie ein wenig nach Heimchen am Herd, oder? Und irgendwie auch so Hirnfrei.... Als ob es in meinem Leben nicht mehr Dinge gäbe, die Bedeutung haben, die es wert sind benannt und bewegt zu werden. Mein Leben hat andere und vor allem mehr Inhalte und da sehe ich die Chancen des Blogs. Auch auf politischer Seite. Dramatisch wird es da, wo der politische Hintergrund an meinem Tun als etwas abgetan wird, was trist und gruselig ist, aus dem Privatleben rausgehalten werden muss. Dramatisch wird der Vergleich da, wo Bloggende in anderen Ländern für ihre Blogtätigkeiten eingesperrt, gequält oder gar getötet werden. Astrid hat da beispielsweise diese aufrüttelnde Serie auf ihrem Blog. Zu lesen hier. Wie kann ich da meinen Blog nur zum zeigen von Handarbeit, Schnitten und Stoffen nutzen? Da könnte ich nicht mehr ruhig schlafen.


   Und was ist mit dem politischen Tun und Engagement, jenseits der Nadeln? Vor knapp zwei Jahren kamen ein Haufen Schutzsuchender nach Deutschland. Damals war die Solidarität riesiggroß. Aktionen wie Blogger für Flüchtlinge und Co. schossen aus dem Boden, Spendenaufrufe, Kleiderkammern, Nähen für und mit Schutzsuchenden, selbstgestaltete Freizeitangebote und Engagement waren riesig. Auch auf Handarbeitsblogs konnte man viel dazu lesen. Und jetzt? Vorbei? Wo sind die lauten Stimmen von damals? Ich weiß, dass es noch Menschen gibt, die auch Handarbeitsblogs betreiben, die still und leise weiter dort aktiv sind. Schade, dass es still und leise passiert. Es erweckt den Eindruck, als hätte man sich darauf besonnen, dass Altruismus eigentlich still und leise vollzogen wird. Vermutlich auch so ein typisch weibliches* "Problem". Auf der anderen Seite bekam die dunkle Seite mit der Ankunft der Schutzsuchenden ordentlich Antrieb und ist heute gefühlt lauter, als in den letzten 20 Jahren. Und die damals (und vielleicht auch noch heute Engagierten) sind still. Das ist doch doof, oder? Das Widerliche ist sichtbar, wohingegen das Schöne still weitermacht, weil man sich ja für so etwas nicht selbst einen Orden umhängen möchte.


 Ich möchte auch nochmal auf das Thema Pussy Hats zu sprechen kommen. Bereits gestern zeigte ich mich geschockt, als auf den ersten Blogs Pussy Hats auftauchten, aber die politische Bedeutung dieser Mütze abgesprochen wurde, da man ja keinen politischen Blog betreibe. Die Pussy Hat als starkes, sichtbares Symbol für eine Meinung und Bewegung wurde zum Modeaccesoire degradiert. Wie traurig. Dabei funktioniert Democoture auch im Alltag ganz fantastisch. Politische Positionen transportieren ohne Reden zu müssen. Menschen zum Denken anregen. Es muss ja nicht immer direkte Kritik sein. Ein Anstubser genügt ja auch manchmal und ist vielleicht auch hilfreicher, als ständiges Fingerwedeln.  Natürlich kann man mit Handarbeit auch eine Menge mehr politische Inhalte Verknüpfen, als nur selbst gemacht, Kritik von Mode-, Material- und Körperindustrie, Nachhaltigkeit, soziales Engagement... Man kann auch Dinge produzieren, die politische Meinungen transportieren. Irgendwie bin ich so zum Handarbeiten gekommen. Transparente und Ordnungsbinden für Demos herstellen, Flugblätter mit Illustrationen entwerfen, Aufnäher drucken oder sticken. Hilft auch. Ich habe das mal am Beispiel Feminismus illustriert. Ich mache mir meine Democoture selbst und trage sie auf der Straße. Hier verstaubt nichts im Kleiderschrank. Meine Pussy Hat, meine Fahne, mein Aufnäher, mein Anstecker von mir für mich und irgendwie für viele andere auch. Passend zum Rums.


 Mein selbstgestickter Aufnäher von vor zwei Wochen hat mittlerweile auch schon seinen Platz auf meiner Jacke gefunden. Auf der besten Position, die sich ein Aufnäher wünschen kann. Menschen können lesen und starren, ohne mir das Gefühl zu vermitteln, angestarrt zu werden. Bisher bin ich für den Begriff des "Gutmenschen" noch nicht angepöbelt worden. Die Fahne allerdings kommt wirklich nur zu Demos mit. Und wegen "Gutmenschen aller Länder vereinigt euch!" heute nochmal der Aufruf, bzw. mein Wunsch:

Schnappt euch ein Handarbeitsprojekt und sucht darin das Politische. Blogt darüber. Vielleicht ein paar Inspirationsfragen:

 - Warum ist es politisch, mit den Händen etwas selbst zu tun?
 - Warum ist es politisch, Kleidung selbst zu nähen?
 - Warum ist es politisch, ein bestimmtes Material zu nutzen?
 - Warum ist es politisch, sich selbst in der selbstgemachten Kleidung zu fotografieren und öffentlich auf dem Blog zu zeigen?
 - Warum ist es politisch, etwas selbst zu machen, statt es zu kaufen?
 - Warum ist es politisch, sich zum Handarbeiten mit anderen zusammenzutun?
 Vielleicht mögt ihr aber auch ganz losgelöst davon Gedanken teilen, die euch beim Handarbeiten zum Weltgeschehen durch den Kopf gehen. Positioniert euch! Diskutiert! Inspiriert euch! Steht zusammen! Sorgt dafür, dass Handarbeiten nicht zu so einem Quatsch ohne Hirn verkommt! Sorgt dafür, dass die Welt eine bunte, vielfältige bleibt. Ich würde diese Beiträge gerne sammeln und am Ende des Monats vorstellen. Vielleicht schieße ich mir damit ins Knie, weil niemand oder zu viele mitmachen. Hinterlasst bis zum 30. 04. 2017 einen Link mit eurem Projekt und euren Gedanken unter diesem oder dem gestrigen Blogpost hier. Ich werde am Ende des Monats eine Sammlung online stellen. Eine klassische Linksammlung würde ich mir da gerne sparen. In skandinavischen Handarbeitsblogs geht das auch ohne und es ist ganz wundervoll zu sehen, wie viel Mühe sich da gegeben wird. Das hier wird ein Experiment. Wenn es klappt, könnnte ich mir vorstellen, etwas in dem Stil einmal monatlich anzubieten. Ausschlusskriterium ist defnitiv irgendein Nazimist. 
 Da ich weiß, dass hier Menschen mitlesen, die es vielleicht in den Fingern juckt, die aber keinen eigenen Blog haben, würde ich unter bestimmten Umständen auch Platz für Gastbloggende machen. Schreibt mich einfach an.

Mittwoch, 5. April 2017

Politisiert euch! #1: In bunt


 Ich saß da neulich so an Nähmaschine und Overlock und nähte mir ein neues Outfit. Unterm Tisch feierten meine Socken mit der Sonne eine wilde bunte Party. Dabei dachte ich mal wieder vor mich hin. So viel, dass es den heutigen Beitrag sprengen würde und ich einen Teil auf morgen auslagern muss. Ich lese Blogs. Solche und solche. Über Handarbeitsblogs stolpere ich auch hin und wieder mal. Eine Sache hat mich in den letzten Jahren aber immer wieder und in letzter Zeit gefühlt noch lauter stolpern lassen: Handarbeitsblog seien nicht politisch. Ganz abstrus wurde es an der Stelle, an der selbstgenadelte Pussy Hats gezeigt wurden, die politischen Inhalte in dortigen Blogs aber verneint wurden. Wahlweise Dinge wie: "Eigentlich müsste man sich mal zu den derzeitigen Geschnissen äußern, aber das hier ist ja kein politischer Blog...." Jedes Mal, wenn ich so etwas lese denke ich: SCHADESCHADESCHADE und WIE FALSCH!


 Wieso FALSCH? Ganz einfach: Nicht politisch sein funktioniert (nicht nur) meiner Meinung nach gar nicht. Selbst in banalsten Handarbeitsblogs schwingt etwas Politisches mit. IMMER. Das Private ist politisch. Ringelmiez hat das mal so schön erklärt. Ich habe das hier und hier auch schonmal versucht. Menschsein ist immer politisch. Keine Stellung zu beziehen ist politisch. Schweigen ist politisch. Gerade in Zeiten wo es wichtig ist, dass auch die schönen Dinge politisch sind und laut sein sollten.
 Wieso SCHADE? Auch ganz einfach: Irgendwas scheint die Menschen, die oben genannte Dinge in ihren Blogs schreiben, ja zu bewegen. "Man müsste/sollte..." Ich kann das Argument total gut verstehen, dass ein Blog ein Ort für die schönen Dinge im Leben sein sollte. Auch in diesen Zeiten. Und das ist auch total wichtig einen solchen Ort zu haben. ABER: Was passiert, wenn der Wind rauer wird? Was, wenn Schönheit nicht mehr reicht und die Orte, an denen sie existieren kann, bedroht sind? Wäre es vielleicht dann auch wichtig, diese Orte in Schutz zu nehmen und zu verteidigen? Ihre Existenzgrundlage rechtfertigen? Kann man Schönheit noch genießen, wenn nebenan die Hütte brennt?



 Es ist an der Zeit die Wohlfühzone zu verlassen und aufzustehen. Auch und gerade hinter der Nähmaschine, an den Stricknadeln und in Handarbeitsblogs. Damit wir weiter bunt und friedlich zusammen leben können! Ich möchte nicht morgen für mein Regenbogenoutfit angegriffen werden, weil es so aussehen könnte, als sei ich lesbisch oder weil mein Stil irgendwem nicht in den Kram passt. Ich möchte auch meinen breiten Hintern durch die Gegend tragen ohne mir anhören zu müssen, mein Speck würde früher oder später die Gesundheitskassen belasten. Das nur so als Beispiel. Der MeMadeMittwoch ist politisch. Ich nehme viel zu selten daran teil, obwohl es mir die Augen und die Seele streichelt, dort so viele verschiedene Körperformen präsentiert zu bekommen. Denn auch das ist politisch.

  
 Zurück zu den politischen Inhalten von Handarbeitsblogs: Mir ist bewusst, dass politische Äußerung auch immer angstbehaftet ist. Man macht sich angreifbar. Kritikfähigkeit ist nicht gerade die Stärke von Menschen, die sich in der Handarbeitsszene herumtreiben. Das durfte ich schon öfter erleben. Das habe ich hier mal versucht zu illustrieren. Handarbeitsblogs sind irgendwie so eine unantastbare Wohlfühlzone. Alle sollen sich lieb haben und kuscheln. Sich zu positionieren kann aber das Gegenteil davon hervorrufen. Ist mir hier auch schon passiert. Aber Kontroversen können auch hilfreich und inspirierend sein. Ich wäre nicht der Mensch, der ich heute bin, wenn mich nicht jahrelang Menschen in aller möglicher Hinsicht kritisiert hätten. Auch hier im Blog. Die meisten, die es sich leisten können, einen Handarbeitsblog zu betreiben, leben in freien Ländern. Man darf seine Meinung äußern, ohne dafür bestraft zu werden, wenn man ein paar Regeln beachtet. Auch Sprache kann Angst machen. Die Sorge, man hat für die Dinge nicht die richtigen Worte kann ich auch nachvollziehen. Aber irgendwann und -wo muss man eben anfangen.


 Mit meinem neuen Rock und dem schon älteren Longsleeve kann ich jetzt mein eigener Regenbogen sein. Mit Goldkopf. Nicht ganz korrekt wie im Yogamagazin, aber auch das ist in Ordnung. Stichwort Körperbild. Und nun muss ich irgendwie noch einen anderen Bogen bekommen. Ich möchte mir gerne von euch, die das hier lesen etwas wünschen: Schnappt euch ein Handarbeitsprojekt und sucht darin das Politische. Blogt darüber. Vielleicht ein paar Inspirationsfragen:

 - Warum ist es politisch, mit den Händen etwas selbst zu tun?
 - Warum ist es politisch, Kleidung selbst zu nähen?
 - Warum ist es politisch, ein bestimmtes Material zu nutzen?
 - Warum ist es politisch, sich selbst in der selbstgemachten Kleidung zu fotografieren und öffentlich auf dem Blog zu zeigen?
 - Warum ist es politisch, etwas selbst zu machen, statt es zu kaufen?
 - Warum ist es politisch, sich zum Handarbeiten mit anderen zusammenzutun?
 Vielleicht mögt ihr aber auch ganz losgelöst davon Gedanken teilen, die euch beim Handarbeiten zum Weltgeschehen durch den Kopf gehen. Positioniert euch! Diskutiert! Inspiriert euch! Steht zusammen! Sorgt dafür, dass Handarbeiten nicht zu so einem Quatsch ohne Hirn verkommt! Sorgt dafür, dass die Welt eine bunte, vielfältige bleibt. Ich würde diese Beiträge gerne sammeln und am Ende des Monats vorstellen. Vielleicht schieße ich mir damit ins Knie, weil niemand oder zu viele mitmachen. Hinterlasst bis zum 30. 04. 2017 einen Link mit eurem Projekt und euren Gedanken unter diesem oder dem morgigen Blogpost hier. Ich werde am Ende des Monats eine Sammlung online stellen. Eine klassische Linksammlung würde ich mir da gerne sparen. In skandinavischen Handarbeitsblogs geht das auch ohne und es ist ganz wundervoll zu sehen, wie viel Mühe sich da gegeben wird. Das hier wird ein Experiment. Wenn es klappt, könnnte ich mir vorstellen, etwas in dem Stil einmal monatlich anzubieten. Ausschlusskriterium ist defnitiv irgendein Nazimist. Morgen gibt es noch mehr zum Thema. Wiederkommen lohnt sich.

 
 Mein heutiges Outfit ist selbstgenäht. Die Schnitte sind selbstgebastelt, der Regenbogenstoff ist ein schwedisches Design, bio und fair. Die Socken hat meine Großmutter für mich gestrickt. Die sind schon knapp 15 Jahre alt. Und ich schäme mich für gar nichts.

Dienstag, 4. April 2017

Kleine Kleidung für woanders


 Kleine Hosen im Baum. Ich habe mal wieder einen Stapel Kinderklamotten genäht. Für den Süßminister und seinen kleinen Bruder aka meine Neffen. Ein letztes Mal aus Gründen auf unbestimmte Zeit. Das stimmt mich sehrsehr traurig. Demnächst wird die geografische Entfernung zwischen uns noch größer sein, als bisher. Weder auf dem gleichen Kontinent, noch nicht einmal auf der selben Erdhalbkugel.... Wie schafft man es da, bei den Kleinsten in Erinnerung zu bleiben? Am besten mit etwas, was man jeden Tag an sich trägt. Der Süßminister ist schon ganz groß darin, die von der Onkelin genähten Klamotten zu präsentieren und zu sagen, woher sie kommen. Er wünscht sich ja mittlerweile auch schon teilweise gezielt Klamotten von mir. Das tröstet mein Herz ein wenig. Die Hosen im Baum sind für den kleinen Bruder. Aus Leinen und aus Feincord.


 Der Süßminister weiß auch schon was sehr kleidsam ist. Vor einiger Zeit hatte ich ihm aus Resten schon einmal Leinenhosen genäht. Gerüchteweise mag er die am liebsten und möchte sie immer tragen. Darum sind die beiden linken Hosen auch wieder aus Leinen gezaubert. 


 Zum größten Teil sind die kleinen Oberteile wieder aus Resten genäht. Wobei bei Größe 80 und 116 ist schon fast Schluss mit Resteverwertung. Aber ein bisschen würfeln geht ja durchaus auch. Diese beiden für den kleinen Bruder. Die Sterne habe ich eine Zeit getragen, mochte ich aber irgendwann nicht mehr. Die Streifen sind Reste von meinem Nachthemd.


 Die Pusteblumen waren noch ein Rest der Stillshirts, die ich für die beste Schwägerin zu  Geburt des kleinen Bruders genäht hatte. Jetzt können die Neffen sie auch tragen. Pusteblumen für alle! 


  Das hier war der allerletzte Rest des besten Baggerstoffes, den ich bisher gefunden habe. Ab sofort gibt es davon leiderleider nichts mehr. Das war definitiv ein Stoff, den alle hart abgefeiert haben. Ich trage mein Kleid daraus immer noch sehrsehr gerne. Besonders gut kommt das auch bei den Jugendlichen in meinem Jugendclub an. Sorgt immer für begeistert verwunderte Lacher. Bestes!


 Regenwolken passten so ein bisschen zur Stimmung an der Nähmaschine. Aus oben genannten Gründen. Diesen Stoff habe ich allerdings gekauft. Aus einem 70cm Rest kann man irgendwie immer noch was zaubern. Zur Not muss man eben Ärmel dranstückeln.


 Die Affen hat mir Frau Postriot in die Hand gedrückt. Wohl ein Fehlkauf oder nicht schnell genug verarbeitet bekommen. Für meine Neffen ist das perfekt. Und auch hiervon ist noch ein Stück für die nächsten Größen da. 


 An ein Hemd habe ich mich auch mal wieder getraut. Das erste Hemd war ja quasi nur ein Probestück. Bei diesem hier habe ich auf den Tipp einer Leserin gehört und einfach ein altes Erwachsenenhemd vom Trödel zerlegt und neu zusammengesetzt. Die Knopfleiste musste ich nicht selbst machen und konnte von Kragen und Manschetten noch Knöpfe für den neuen Kragen und die Riegel nutzen. Die Stoffqualität war auch einsame Spitze. Aussortierte Hemden von Vater und Großvater werden ab sofort aufgearbeitet.


 Da ich immer noch mit dem Kragen haderte, habe ich auch hier auf Manschetten verzichtet. Irgendwie finde ich Manschetten an Kinderhemden ein wenig drüber. Allerdings habe ich die Riegel angenäht, so dass man das Hemd haltbar hochkrempeln kann, um im Matsch zu buddeln oder so. Und irgendwie ist all das auch meine kleine (finanzielle) Unterstützung an eine junge Familie. In ein paar Jahren fange ich dann an, den Kindern Geld auf ihre Konten zu überweisen. Wenn selbstgenähte Klamotten zu uncool werden oder so. Bis dahin dürfen sie jeden Tag an mich denken, wenn sie eine der von mir genähten Klamotten anziehen. Hoffentlich. Der Dreieinhalbjährige meinte jedenfalls "alles cool". Strike! Auf in die Dienstagssammlung.

Montag, 3. April 2017

Impressionen von der h+h cologne


 Frau Jule ist ein neugieriger Mensch. Weil das gut so ist und so bleiben muss, war ich hoch erfreut, als die Nähszene mich zur h+h cologne einlud. Erst im Nachklang erfuhr ich, dass diese Messe eine Fachbesuchendenmesse ist. Aber auch das sollte meiner Vorfreude keinen Abbruch tun und stellte sich im Gegenzug als extrem entspannend heraus, weil nicht so voll. Material kaufen wollte ich eh nicht. Ich wollte über den Tellerrand schauen, hoffte auf die ein oder andere Inspiration und schritt mit relativ wenigen Vorerwartungen durch den Eingang. Ich hatte eine fabelhafte Begleitung, die mich zwischenzeitlich wegen Geschäftemacherei aber auch alleine über die Messe stromern ließ.


 Aber wie das eben so ist, kann ich ja meine kritischen Augen auch bei so etwas nie ganz verschließen. Es gab da so ein paar Sachen, die mir ins Gesicht sprangen und die mir eher einen kalten Schauer den Rücken hinunter jagten. Damit möchte ich gerne anfangen, bevor ich zu den schönen Dingen komme. Voll pädagogisch wertvoll und so. Nicht nur nähende Mädchen sind liebenswert. Auch alle anderen Menschen und auch jene, die nicht nähen können... Erinnerte schlimm an 50´er Jahre Bräuteschule. Brrrrrrr. Grundsätzlich hatte ich den Eindruck, dass viele der Handelsprofis aus dem männlichen* Sektor kamen. An den Geschäftstischen konnte man viele Herren* in Anzügen beim Geschäfte machen beobachten. Die Handarbeitsbranche ist in den oberen Etagen männlich*. Wie in allen anderen Wirtschaftssektoren eben auch.... Erst am Schluss kommen die weiblichen* Menschen...



 Kreuzstichbilder habe ich jedenfalls unfassbar viele gesehen. Mal sehen, ob das ein Trend wird, der sich hierzulande durchsetzen wird oder ob das eher für das internationale Publikum gedacht war... "Zauberhaft", nicht wahr?


 Bei einigen Dingen die ich so beobachten konnte, fragte ich mich ein wenig, wo denn da noch die Handarbeit bleibt. Es gab eine Menge vollfertiger Sets, die vorgestellt wurden. Mir drängte sich da streckenweise ein bisschen der Verdacht auf, dass es ums Tun und nicht ums Denken geht. Wobei ich sicherlich auch furchtbar gerne mal mit so einer Freihandquiltnähmaschine hantieren würde. Nur so zum Spaß.


 Ein bisschen erfreut war ich über den offensichtlichen Musselintrend. Ich liebe dieses Material ja. Ein paar Beispiele, was man da mehr als Halstuch draus machen kann, gab es auch. Allerdings spärlich. Hier bin ich sehr gespannt, wie sich das entwickelt und was man daraus in den nächsten Monaten so sehen wird. Mich juckt es auch ein bisschen in den Fingern, mehr mit diesem Stoff zu arbeiten.

  
 Ein bisschen Neuigkeiten testen musste auch sein. Ich habe mit den neuen, ergonomischen Nadeln von Prym gestrickt. Ich bin mir nicht sicher, ob das wirklich was für mich wäre. Sie liegen zwar super in der Hand und einige andere Vorzüge haben diese Nadeln auch noch, es ist aber eben auch Plastik. Ich bleibe bei Holz. Allerdings möchte ich hier an dieser Stelle auf eine kleine Charityaktion dieser Firma hinweisen, die ich ganz nett fand: Bei Prym kann man seine Probestrickquadrate einsenden und diese werden dann zu Decken zusammengezaubert und Prym spendet einen Betrag für jedes Quadrat an eine Kinderhilfsstiftung. Mehr Infos gibt es hier. Eine kleine Nettigkeit sozusagen.


 Apropos Wolle: Ich war bei ganz vielen Wollherstellern unterwegs, auf der Suche nach veganem Strick- und Häkelgarn. Es war ziemlich ernüchternd. Hier scheint der Trend noch nicht angekommen zu sein. Ich kann ja auch bei sowas meine Klappe nicht halten, wenn mir jemand sagt: "Aber die Schafe müssen geschoren werden, sonst leiden sie." Dass es beim Veganismus um grundsätzliche Kritik an Tierhaltung geht, scheint bei vielen auf einem zu hohen Niveau angesiedelt zu sein. Da reicht es selten hin. Mal abgesehen von konventionellen, brutalen Schermethoden. Dieses Bild entstand bei einem finnischen Garnhersteller, die Hauptsächlich Baumwoll- und Papier(!!!)garn im Angebot hatten. Hauptsächlich für die Accesoireherstellung. Ich fand die gehäkelten Blaubeeren so zauberhaft. Das skandinavische Design war Balsam für meine geschundenen Augen.
 Bei My Boshi fand ich dann doch noch ein tolles veganes Garn. Vielleicht gibt es dazu hier demnächst mehr zu lesen und zu sehen. Leider haben die da auch einen kleinen Fehlgriff gemacht und eine Farbe ihres Garns "Hautfarbe" benannt. Hauptsächlich für Amigurumi, aber auch da gibt es ja Hautfarben der gesamten Farbpalette. Auch da konnte ich meine Klappe nicht halten, habe das Garn aber ansonsten ziemlich abgefeiert.


 Ironischerweise fand die Hautfarbendiskussion an besagtem Wollstand unweit von diesem fabelhaften Stand statt. De witte Engel ist ein Großhandel aus den Niederlanden mit Material für Waldorfpuppen. Ich war ja hellauf begeistert von den Puppentrikots. In allen Farben. Und das hier ist nur ungefähr die Hälfte der Farbstellungen. Da hätte ich ja am liebsten hochprofessionell Glitzer und Konfetti geworfen. Total super! Leider konnte man mir dort nicht sagen, wo ich Händler für Endverbrauchende finde, aber das finde ich auch noch raus. Eine Puppe muss dieses Jahr nämlich noch dringend gezaubert werden. Und dieser Puppentrikot war qualitativ um einiges besser, als jener den ich für Little John verwendet habe. 


 Was die Puppenmacherei angeht, gab es bei einem anderen Stoffgroßhandel noch fantastisches zu finden. Okay, es ist wieder so ein Fertigprodukt, aber vergleichsweise cool. Nur Mädchen* aber mit Empowermenthintergrund. Man beachte Brille, Skatenboard, Gitarre und Cupcakes in Kombination. Sogar eine Nähmaschine war dabei.


 Die einzelnen Puppen auf diesem Stoffbogen bringen sogar schon Namen und Charakterisierung mit. Und die waren echt stark. Ich habe nicht alle fotografiert, aber diese hier soll mal als kleiner Eindruck stehen. Da passiert offensichtlich doch ein bisschen Umdenken, auch bei den großen Handelnden.


 Ausprobiert habe ich auch ein bisschen was. Die Veganpozilei mag mich dafür verhaften, dass ich hier Schafswolle auf die Spindel gejagt habe, aber ich habe mich sehr gefreut, dass ich das überhaupt mal ausprobieren durfte. Spinnen ist definitiv eine Sache, die ich doch nochmal ein wenig vehementer verfolgen sollte. Das steht ganz oben auf meiner "Will ich noch lernen" Liste. Ich habe zuhause sogar schon einiges an Pflanzenfasern rumliegen. Lediglich ein gebrauchtes, funktionsfähiges Spinnrad zu bekommen, ist echt schwierig. Falls irgendwer eines übrig hat: Gerne melden.


 Diese Overcoverlock hätte ich ja sofort und am am liebsten gleich mitgenommen. Bei Bernette bin ich am Ende am längsten kleben geblieben. Das lag zum einen an dieser Maschine, auf der ich ein paar Nähte ziehen durfte, zum Großteil aber an Sinje, mit der man immer ganz fabelhaft einen Plausch halten kann. Aber auch Frau Scheiner, die ich hier kennenlernen durfte, trug zum allgemeinen Wohlbefinden bei. 
 Grundsätzlich war diese Messe sicherlich eine Erfahrung wert. Ich bin mir nicht sicher, ob es im Handarbeitskreis nur so wenige Motzkartoffeln wie mich gibt, oder ob diese vorgestanzten Nähkits und "hautfarbene" WOLLE auch anderen sauer aufstoßen. Im Nachhaltigkeitsbereich passiert in dieser Branche vergleichsweise viel. Das vermutlich auch aus kapitalistischen Gründen. Vielleicht klappt es aber auch noch auf der politisch korrekten Seite, wenn Verbrauchende das einfordern. In diesem Sinne war die Messe auf jeden Fall extrem inspirierend und hilfreich. Es gab viel Raum, sich mit Verantwortlichen auszutauschen und Kontakte zu knüpfen. Es war nicht besonders voll. Vielleicht gibt es hier demnächst mal die ein oder andere kritisch reflektierte Kooperation. Mal sehen, was die Nachwirkungen sein werden. Für die Erwähnung der Firmennamen habe ich keinen Cent bekommen, das sind meine eigenen freien Gedanken über Dinge, mit denen ich mich beschäftige. Werkelt, aber seid wachsam und kritisch!

Sonntag, 2. April 2017

7 Sachen # 12. 17

 Immer wieder Sonntags... 7 Bilder von Sachen, für die ich an diesem Tag meine Hände gebraucht habe. Ob für 5 Minuten oder 5 Stunden ist unwichtig. Nach einer Idee von Frau Liebe


1. Geschnitten: Das Bändchen der Mühlheimer Nacht ab. War ein schöner Abend. Wirklich frühlingshaft.


2. Getrunken: Viel Wasser in der Sonne.


 3. Gehoben: Die Tassen. Nein, ich habe kein Alkoholproblem. Man muss die Feste feiern, wie sie fallen. Darum.


4. Gepackt: Den Rucksack.


5. Gegabelt: Kuchen im Café Fatsch in Köln. Sehr lecker wars.


6. Geblättert: Information und Meinungsbildung. Sehr spannend. Da konnte ich einiges mitnehmen. Leider hat das MP3- Abspielgerät die Zugfahrt nicht überlebt. Das ist extrem traurig, da wir quasi eine Einheit sind. Hat irgendwer zufällig einen IPod Nano in irgendeiner Elektroschrottschublade liegen? Ich wäre tendentiell interessiert, wenn die Genies an der Theke das Ding nicht retten können.


7. Gelegt: Roichertufo auf schwedischen Zimtsenf auf Brötchen. Abendbrot. Habt eine gute Woche. Ich habe mir viel vorgenommen. Uiuiuiui.