Ich
habe da diese ganz schlimme Allergie. Seit Jahren schon reagieren mein
Kopf und der Rest meines Körpers extrem auf jegliche Äußerungen und
Symbole die von Faschismus, Rassismus, Homophobie,
Behindertenfeindlichkeit, veraltete Geschlechterrollenbilder und
Nationalismus. Es beginnt mit Magengrummeln, zieht Würde- und Brechreiz nach sich. Äußerungen wie "Ich bin ja kein Rassist aber..." und "...das wird man ja wohl noch sagen dürfen.", jagen mir eiskalte Schauer den Rücken runter. Sowohl im Kopf als auch im Rest meines Körpers machen sich starke Abwehrreaktionen bemerkbar. Kurz: Ich habe eine Allergie gegen Nazis. Das hält mich
allerdings keinesfalls davon ab mich ständig mit ihnen
auseinanderzusetzen, gegen ihre Äußerungen auf die Straße zu gehen, ihre
Aufkleber zu überkleben und mich mit Worten, Händen und Füßen gegen sie
zu wehren. Auch hier auf meinem Blog. Ganz schlimm wird es, wenn sie
meinen, meine Nähe aufsuchen zu müssen. So irgendwie passiert am vergangenen
Dienstag in "meinem Viertel". Die Vor- und Nachberichterstattung in den
Medien war wahrhaft spärlich und verwirrend. Zunächst gab es kaum
Informationen, dann traten sie relativ widersprüchlich in Erscheinung. Man konnte sich nicht einigen, ob da nun eine A*f*D- Veranstaltung im Hamburg Haus stattfinden sollte oder eine Veranstaltung einer dubiosen A*f*Dnahen Stiftung.
Klar war nur: Irgendwelche Menschen der A*f*D meinten in einem öffentlichen Gebäude in meinem Viertel Reden
schwingen zu wollen. Das Bündis gegen Rechts in Hamburg
hatte zur Gegenveranstaltung aufgerufen. Da mal vorbei zu schauen,
schadet ja nichts. Im Zweifelsfall bekommt man mal gefährliche Menschen
in feinem Zwirn zu Gesicht. Es war eine angemeldete Demo. Die gepanzerte
Pozilei und ihre Absperrgitter waren auch schon vor Ort. Am Ende fand
die geplante Veranstaltung der A*f*D oder dieser Stiftung mit Rededes Fraktionsvorsitzenden der A*f*D Hamburg nicht statt. Sie wurde abgesagt, bevor die begonnen hatte.
Nazis haben den Schwanz eingeklemmt. Sie konnten sich nicht gegen ein paar Menschen wehren, die im Saal und auf der Straße gegen ihre Machenschaften laut wurden. Ich müsste lügen, wenn ich sagen
würde, dass ich mich darüber nicht diebisch gefreut hätte.
Am
nächsten Tag versuchte ich kontrovers mit mir selbst zu diskutieren.
Weniger, weil ich meine eigene Meinung anzweifele, als vielmehr weil ich
das Bewusstsein und das Gefühl habe, dass man wieder mehr und aktiver
diskutieren MUSS und dafür das Gehirn in Schuss halten sollte. Natürlich
haben Nazis die Blockade der besagten Veranstaltung gleich dazu
genutzt, den Linken vorzuwerfen, sie würden die Meinungsfreiheit, die
ihnen selbst so wichtig ist, nicht zu achten. Ja, wir (ich war ja dabei)
haben es geschafft, eine Veranstaltung zu verhindern in der es um
Meinungen ging. Allerdings kann man ja wohl nicht sagen, dass "die
Alternativen" dafür bekannt sind, dass sie sich an die Regeln der
Meinungsfreiheit halten würden. Bei ständigen menschenverachtenden
Äußerungen ihrer Anhängenden hört die Meinungsfreiheit auf. Defintiv.
Dass es diese Menschen es immer wieder schaffen, sich mit ihren
Äußerungen in rechtlichen Grauzonen zu bewegen macht es keinesfalls
besser. Zudem ist es extrem fraglich, in wie weit es rechtens ist, unter
dem Decknamen einer Stiftung öffentliche Räume anzumieten, um dort zu
tagen. Die gesamte Veranstaltung
dieser Nazis erschien äußerst dubios. Es war ja nun auf keinen Fall so, dass die A*f*D da öffentlich einen Raum angemietet hätte, um ein Stricktreffen abzuhalten. Und es ist mein gutes Recht im
Namen der Meinungsfreiheit aufzustehen und zu sagen, dass ich das was
sie sagen und tun scheiße finde und auch warum.
Die Gegenveranstaltung vor der Tür war jedenfalls öffentlich angemeldet. Es war deklariert, wer hier wozu aufruft. Die Menschen die dort standen, Krach gemacht und Reden geschwungen haben haben ihr Gesicht gezeigt. Und sie werden es wieder tun, wenn eine dubiose Veranstaltung der Nazis im nächsten Monat dort wieder stattfinden sollte. Gerüchteweise ist sie angekündigt. Es werden sicherlich wieder Menschen den Saal entern und von ihrem Recht auf Meinungsfreiheit gebrauch machen. Es sind öffentliche Räume. Und auch ich werde wieder da sein. Egal bei welchem Wetter.
Ja,
ich reagiere sehr empfindlich auf Nazis, die nicht als solche
bezeichnet werden wollen (gerüchteweise). Und ich werde immer aufstehen
sobald ich welche auch nur ansatzweise in meiner Nähe rieche. Denn ja:
Ich habe Angst vor ihnen. Sowohl vor den Schlägertypen als auch vor den Nazis im feinen Zwirn. Aber diese Angst wird mich nicht lähmen.
Im Gegenteil: Sie wird mich antreiben. Wehret den Anfängen. Ich fühle mich gruselig an die Geschichtsschreibung von vor 85 Jahren erinnert. Besser ich stehe jetzt mit 300 anderen an einem
arschkalten Hamburger Winterabend wegen einer vermeintlich "harmlosen"
Veranstaltung auf der Straße und überklebe Nazipropaganda, als dass ich
mir morgen von einem Stiefel den Schädel eintreten lasse. Jeden anderen Mensch, der das nicht tut, kann ich nur schräg anschauen. Und wenn mir
jemand vorwirft, ich würde die Meinungsfreiheit mit Füßen treten, weil
ich Naziveranstaltungen blockiere, der kann mir einfach mal den Buckel
runter rutschen. Und beim Argument, das sei "linke Gewalt" kann ich nur husten. Das wäre dann auch ein Symptom meiner Allergie. Das beste Mittel gegen diese Allergie ist den Mund aufmachen, auf die Straße gehen. Und darum werde ich das immer und immer wieder tun.
Und wer das, was ich von mir gegeben habe, nicht so ganz verstanden hat, dem kann der großartige Hagen Rether sicherlich weiterhelfen. Sein Programm "Liebe" kann man hier in der Mediathek von 3sat nachsehen. Sollte ich diesem Mann jemals begegnen, ich müsste vor ihm auf die Knie fallen. Und auch er läuft vermutlich aus "Gründen der inneren Sicherheit" (Zitat ebd.) nur im Spartenprogramm mitten in der Nacht.
Was die Bilder angeht, wollte ich nur mal aufzeigen, bei welchen Tätigkeiten solche Gedanken für solche Blogeintrage vor sich hin reifen. Das hier ist kein Handarbeitswohlfühleskapismusblog. Und solange ich die Freiheit habe ihn so zu gestalten, wie ich das möchte, werde ich das tun.
Was die Bilder angeht, wollte ich nur mal aufzeigen, bei welchen Tätigkeiten solche Gedanken für solche Blogeintrage vor sich hin reifen. Das hier ist kein Handarbeitswohlfühleskapismusblog. Und solange ich die Freiheit habe ihn so zu gestalten, wie ich das möchte, werde ich das tun.

















































